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Halbjahresbilanz

Mit gemischten Gefühlen

Von Anne Reimers
 - 16:02

Die deutlich weniger gut bestückten Abendauktionen im Juni in London haben es schon angedeutet, im zweiten Quartalsbericht von Sotheby’s steht es nun schwarz auf weiß: „Unsicherheiten in Bezug auf den Brexit“ haben sich negativ auf das Auktionsgeschäft ausgewirkt. Sie haben zum Beispiel die Akquise hochrangiger Werke und Sammlungen für London schwieriger gemacht. Nicht nur ist man unsicher, was mögliche neue Regulierungen und Zölle angeht, auch das Pfund – die Währung, in der in London auf Auktionen geboten wird – hat im ersten Halbjahr deutlich an Wert verloren. Das schlägt sich im Gesamtumsatz nieder – vor allem, wenn er in Dollar berechnet wird. Sotheby’s gibt an, dass das Unternehmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahrs insgesamt 3,1 Milliarden Dollar umsetzte; das sind zehn Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2018. Insgesamt 2,6 Milliarden Dollar davon wurden mit Auktionen erwirtschaftet, von denen Sotheby’s mehr als vierhundert im Jahr in verschiedenen Kategorien abhält.

Das vor 275 Jahren gegründete Auktionshaus Sothebys ist zurzeit noch das älteste an der New Yorker Börse notierte Unternehmen – jedoch nicht mehr für lange. Im Juni wurde bekannt, dass der französisch-israelische Medien- und Telekommunikationsunternehmer und Kunstsammler Patrick Drahi Sotheby’s nach mehr als dreißig Jahren an der Börse wieder in ein privates Unternehmen umwandeln will. Die 3,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme durch seine Firma BidFairUSA soll Ende des Jahrs abgewickelt sein. Drahi bot den Anteilseignern die Auszahlung von 57 Dollar pro Aktie – damit einen Betrag weit über dem an der Börse gehandelten Wert. Zunächst hatten mehrere Aktionäre gerichtlich Klagen gegen den Deal erhoben, unter anderem mit der Begründung, die mitgeteilten Informationen seien nicht ausreichend. Anfang September kam es schließlich zur Abstimmung, und 91 Prozent der Anteilseigner stimmten dem Verkauf zu, womit die Übernahme durch Drahi gesichert sein sollte, falls sich keine der beiden Parteien vor Anfang Oktober aus dem Deal zurückzieht. In Zukunft wird Sotheby’s seine Finanzen dann nicht mehr detailliert offenlegen müssen, was als Wettbewerbsnachteil gegenüber Christie’s galt. Das bedeutet weniger Transparenz für den Kunsthandel, der ohnehin als vergleichsweise undurchsichtig gilt. Sotheby’s gewinnt damit jedoch an Freiraum, was seine Geschäftsstrategie und Vertragsverhandlungen angeht.

Die Konkurrenz Christie’s ist schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Hand des französischen Milliardärs François Pinault und muss daher keine Zahlen veröffentlichen. Den Gesamtumsatz für das erste Halbjahr gab Christie’s nicht bekannt, teilte aber einen Auktionsumsatz von 2,2 Milliarden Pfund (oder 2,8 Milliarden Dollar) mit. Nicht angegeben ist, dass dies einen starken Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutet, als 2,65 Milliarden Pfund allein mit Auktionen umgesetzt werden konnten, was damals noch 3,61 Milliarden Dollar entsprach. Christie’s-Geschäftsführer Guillaume Cerutti hebt jedoch in seinem kurzen Statement hervor, dass die Versteigerung der Rockefeller-Sammlung im ersten Halbjahr 2018 ein Ausnahmeereignis darstellte – und dass also der Halbjahrsumsatz, bereinigt um die Rockefeller-Auktion, im ersten Halbjahr seit 2016 in etwa stabil sei. Hier ist jedoch hinzuzufügen, dass dies nur in Pfund der Fall ist und dass das Pfund seitdem stark an Wert verloren hat; in Dollar ist der Umsatz deutlich gefallen.

Die gute Nachricht bei Sotheby’s ist, dass das Auktionshaus eine höhere Kommissionsmarge als im Vorjahr erwirtschaften konnte, also an Auktionsverkäufen mehr als im Vorjahrszeitraum verdiente, was einer der wichtigsten Indikatoren für Profitabilität ist. Die „auction commission margin“ stieg im ersten Halbjahr 2019 auf 16,5 Prozent, da Sotheby’s weniger großzügig Garantien und Sonderkonditionen gewährt hatte. Der Gewinn, das „net income“, blieb daher trotz sinkenden Umsatzes stabil bei 57 Millionen Dollar. Im ersten Halbjahr 2018 hatte die „auction commission margin“ mit fünfzehn Prozent um einiges niedriger gelegen: Ursache dafür waren die Sonderbedingungen und hohen Schätzungen, die vor allem für zwei Spitzenwerke gewährt worden waren, die dann aber nicht die erhofften Hammerpreise und Gewinnmargen erzielten: Das sogenannte „auction guarantee risk sharing agreement“ hatte sich hier negativ ausgewirkt.

Das teuerste Werk, das Sotheby’s im ersten Halbjahr 2019 versteigern konnte, waren „Meules“, in der Sonne glühende Heuschober, die in New York auf stolze 110,7 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) stiegen, ein neuer Auktionsrekord für Monet. Christie’s kürte den teuersten lebenden Künstler: Die silberne Stahlskulptur „Rabbit“ von Jeff Koons erzielte in New York 91 Millionen Dollar. Auch den Auktionsrekord für den teuersten lebenden europäischen Künstler konnte Christie’s melden, nach der Vermittlung von David Hockneys monumentalem Gemälde „Henry Geldzahler and Christopher Scott“ aus der amerikanischen Sammlung von Barney A.Ebsworth in London für 37,7 Millionen Pfund.

Das Asien-Geschäft läuft gut

In Asien bleibt Sotheby’s nach eigenen Angaben das führende internationale Auktionshaus. Mit Auktionen in Hongkong wurden im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 495 Millionen Dollar eingespielt, was in etwa dem Rekordergebnis des Vorjahrs entspricht. Eine andere Zahl ist ebenso interessant: Kunden aus Asien kauften rund 28 Prozent aller im ersten Halbjahr von Sotheby’s überhaupt versteigerten Lose. Christie’s gab zum Geschäft in Asien nur an, dass asiatische Kunden im ersten Halbjahr etwa die Hälfte ihres Geldes in asiatische Kunst investierten und den Rest in andere Kategorien.

Die private sales stellen mittlerweile einen signifikanten Teil des Gesamtumsatzes der Auktionshäuser dar. Sotheby’s spielte zwischen Januar und Juni 2019 insgesamt 511 Millionen Dollar allein mit Privatverkäufen ein, das bedeutet allerdings einen Rückgang um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Ausgleich wurde im ersten Halbjahr ein größerer Gewinn als noch 2018 durch „Sotheby’s Financial Services“ erwirtschaftet, die Kredite gegen Kunst vergeben und ihr Portfolio vergrößern konnten.

Wann und wie auch immer der Brexit über die Bühne gehen wird: was sich in der Galerieszene andeutet – nämlich ein stärkeres Engagement in Paris als Standbein auf dem Kontinent – wird, so lässt sich vermuten, auch von Sotheby’s und Christie’s betrieben. Zudem könnten beide Häuser demnächst in französischer Hand sein. Internationale Einlieferer und Käufer müssen allerdings mitspielen. Sotheby’s hat für den Herbst bereits den Verkauf der Sammlung von Claude und François-Xavier Lalanne in Paris angekündigt, die mit 280 Werken bis zu 22 Millionen Euro einspielen soll. Christie’s versteigert eines der wichtigsten Werke von Nicolas de Staël, eingeliefert aus seiner Familie, zeitgleich mit der Kunstmesse Fiac in Paris. Die Erwartung für „Parc des Princes“ liegt bei achtzehn bis 25 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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