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Herbstauktionen bei Neumeister

Humpen haben Freunde

Von Brita Sachs
 - 15:13

Im Zentrum der Herbstsaison standen bei Neumeister drei Tage, an denen Katrin Stoll und ihre Schwestern dem letzten Willen ihres Vaters Rudolf Neumeister entsprachen, seine Sammlungen wieder unter die Leute zu bringen. Ein rappelvoller Saal und schöne Ergebnisse heißer Gefechte dankten es ihnen und das nicht nur zur Hauptauktion.

Die begann mit salzglasiertem, bunt mit Emaillefarben staffiertem Steinzeug aus dem 17. Jahrhundert, das laufend verdoppelte Taxen und mehr einspielte; insbesondere deckte ein Händler aus Süddeutschland sich vor Ort mit Stücken ein, was bei einem Creussener Apostelkrug von 1662 im Zuschlag von 12.000 Euro (Taxe 4000) gipfelte. Ein Enghalskrug, den einer der Nürnberger Hausmaler um 1719/29 mit der Hochzeit von Kanaa bemalte, stieg auf 19.000 Euro (14.000/16.000). Meist näher bei ihren Taxen blieben vergoldete Silberhumpen und -becher des 17. Jahrhunderts. Doch ein Nürnberger Häufebecher aus dem 16. Jahrhundert mit der Darstellung einer Hirschhatz ging erst bei 41.000, zur verdoppelten Obertaxe, in norddeutschen Handel. Geduld erforderte auch ein Augsburger Monatsbecher, in den Johann Andreas Thelott eine Reliefdarstellung des Septembers trieb; ein Schlossmuseum in Polen hielt dafür von 12.000 bis 30.000 Euro durch.

Eine Frage der Provenienz

Zwei Augsburger Unterschalen aus vergoldetem Silber, die mythologische Szenen in Emaillemalerei zieren, entfachten großes Interesse. Noch höher wäre es wohl ausgefallen, wenn man in Russland rechtzeitig von der Möglichkeit ihrer Provenienz gewusst hätte: Am Tag vor der Auktion meldete sich die Stiftung Schloss Friedrichstein in Gotha mit der Vermutung, es handle sich um zwei von sechs Schalen des frühen 18. Jahrhunderts, die Zarin Katharina die Große der Herzogin Auguste von Sachsen-Coburg-Saalfeld schenkte; im Jahr 1945 seien sie der Sammlung kriegsbedingt verlorengegangen. Diese Spur entging Neumeister bei der Provenienzprüfung, da die Gothaer Stiftung in die Lost-Art-Datenbank sechs Fotos von nur einer Schale eingestellt hat, bei der es sich nicht um eines der beiden zu versteigernden Stücke handelt. Jedenfalls lebhaft beboten stieg das Los von geschätzten 18.000 bis 20.000 auf 80.000 Euro; der Zuschlag erging unter Vorbehalt. Katrin Stoll, die Chefin des Hauses, wartet nun auf das Ergebnis laufender Expertenprüfungen zur Authentizität der Schalen, um im Fall entsprechender Ergebnisse mit der Stiftung zu verhandeln.

Die höchsten Ergebnisse brachten Bildhauerwerke. Der Werkstatt des Meisters von Seeon – er verdankt den Notnamen seiner Muttergottes in der Klosterkirche Seeon am Chiemsee –, ordnet man ein kleines segnendes Jesuskind der Jahre um 1430/40 zu, das seine untere Taxe mit dem Hammerpreis von 48.000 Euro vervierfachte. Bei dieser Skulptur von einem süddeutschen Museum übertrumpft, übernahm der Unterbieter Florian Eitle von der Starnberger Kunsthandlung Böhler dann eine liebliche „Heilige Barbara“ mit langem gelockten Haar, geschnitzt am Niederrhein oder in den südlichen Niederlanden, für 50.000 Euro (20.000/25.000). „Ist es nicht großartig, wie sehr Alte Kunst gefragt ist?“ freute sich der Skulpturenspezialist Walter Senger aus Bamberg, obwohl er Jörg Lederers Relieffiguren der Heiligen Genovefa und Dorothea einem Telefonbieter bei 82.000 Euro (20.000/25.000) überlassen musste. Den vielen Händlern, die wie Senger um beste Stücke fochten, grätschten Privatbieter dazwischen, etwa jener, der für eine Beweinungsgruppe des Südtiroler Bildschnitzers Hans Klocker 220.000 Euro bewilligte (120.000/180.000). Neben weiteren Stücken nahm er noch eine „Flora“-Statuette Balthasar Permosers zur unteren Schätzung von 150.000 Euro mit.

Das muntere Gewusel

Aufsehen erregte am zweiten Tag die Kleinskulptur eines männlichen Akts mit Turban. Der Katalog stellt als Ursprungsort die Niederlande des 17. Jahrhunderts zur Diskussion; Genaueres wussten offenkundig die Bieter, die sie von 1200 auf 29.000 Euro jagten. Bei den Gemälden war eine Peeter Baltens zugeschriebene Dorfkirmes gefragt: Das muntere Gewusel, das an Bilder des älteren Pieter Bruegel erinnert, schaffte es von 12.000 auf 46.000 Euro. Beim 19. Jahrhundert punktete Johann Sperls frühlingskühler „Jennbach bei Bad Feilnbach mit Blick auf die Wendelsteingruppe“ beim Hammerpreis von 66.000 Euro – statt 6.000 Euro. Der sommerliche „Gemüsegarten in Goisern“ von Emil Jakob Schindler, dem Vater von Alma Mahler-Werfel, nahm österreichischer Handel etwas oberhalb der Taxe für 55.000 Euro. Wilhelm Buschs „Im Walde“, mit der damals seinen Landschaften eigenen „Rotjacke“ als Andeutung menschlicher Gegenwart betupft, ging erst bei 68.000 Euro (8000/10.000) an einen deutschen Sammler.

Soviel zu den Kollektionen Rudolf Neumeisters. Die übrigen Herbstauktionen verliefen in ruhigeren Bahnen. Das erste Los zur Moderne, 110 Bergpostkarten von dreißig Motiven (Auflagen unbekannt), die Emil Nolde um 1896/98 in seiner St.Gallener Zeit an der Industrie- und Gewerbeschule entwarf, bekam die Seebüller Nolde-Stiftung für 14.000 Euro. Teuerstes Moderne-Los wurde Lesser Urys Pastell einer regennassen „Straßenszene im Tiergarten“ für 85.000 Euro (70.000/90.000). Solide schnitt Paul Klees „Zeichnung zum Bootverleiher“ aus dem Jahr 1928 ab mit 31.000 Euro (25.000/35.000). In der Skulpturensuite „Shape“ verbuchte Fritz Klimschs „Olympia“ von 1937 im Rahmen der Schätzung 65.000 Euro.

Kunst des 19. Jahrhunderts reüssierte auf Neumeisters erster Versteigerung der Saison mit Leo von Klenzes schönem Gemälde „Ansicht von Atrani bei Amalfi“, das ein Klenze-Sammler schon für 225.000 Euro (250.000/300.000) sicher hatte und zu Saisonende nochmals mit Theodros Patros Vryzakis, einem der vielen in München ausgebildeten griechischen Künstler, dessen „Junge Griechin“ in prächtiger Tracht, gemalt 1860, auf 175.000 Euro (20.000/30.000) schnellte.

Quelle: F.A.Z.
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