Herbstauktionen in Bern

Was Privatsammlungen bereichern kann

Von Felicitas Rhan
04.10.2021
, 18:50
Zuschlag bei 3 Millionen Franken: Robert Delaunay, „Nature morte portugaise“, 1916, Öl auf Leinwand, 171 mal 211 Zentimeter
Rekordergebnisse und ein „White Glove Sale“: Die Herbstauktionen bei Kornfeld in Bern brachten das stärkste Ergebnis in der Geschichte des Hauses.
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Es war ein großer Erfolg. Die Herbstauktionen bei Kornfeld in Bern brachten es auf einen Umsatz von 72 Millionen Schweizer Franken: Das ist das stärkste Ergebnis in der Geschichte des Hauses und gleichzeitig das bisher höchste Auktionsresultat 2021 in der gesamten DACH-Region. Alle Hauptstücke der Veranstaltungen gingen laut Geschäftsführer Bernhard Bischoff in Privatsammlungen: „Der Handel wurde schlicht überboten.“

Außerdem gelang Kornfeld mit der Sonderauktion „Marc Chagall – Works on Paper“, bei der vierzig Papierarbeiten aus dem Nachlass der Künstlerfamilie angeboten wurden, ein sogenannter White Glove Sale – eine Seltenheit auf dem Kunstmarkt, von der man spricht, wenn ausnahmslos alle Lose eines Katalogs verkauft wurden.

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Zartes Aquarell und messende Papierarbeit

In der Hauptveranstaltung mit Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts wurden zwei Stillleben mit einem Zuschlag von je drei Millionen Franken zu den höchstdotierten Losen: Paul Cézannes bezaubernd zartes Aquarell „Pot à gingembre avec fruits et nappe“ von 1888/90, das sich seit 1950 in Familienbesitz befindet und auf 1,25 Millionen Franken taxiert war, und Robert Delaunays ebenso monumentale wie farbintensive Symbiose aus gegenständlichen Elementen und abstrakten Motiven „Nature morte portugaise“, das 1916 in Portugal entstand und 2,5 Millionen Franken erlösen sollte.

Georges Braques Collage „Verre et Bouteille (Fourrures)“ von 1913/14 mit bedeutender Provenienz – befand sich die 48 mal 62 Zentimeter messende Papierarbeit doch einst im Besitz des berühmten Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler – blieb mit 1,5 Millionen Franken leicht unter ihrer Schätzung von 1,6 Millionen.

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Ebenso erging es der im selben Jahr entstandenen Gouache „Personnages dans un escalier“ von Fernand Léger, die ehemals dem französischen Premierminister Albert Saurrant gehörte: Sie kam auf 750.000 Franken (Taxe 800.000). Alexej von Jawlenskis 1908 gemaltes „Stillleben mit gelber und weißer Kanne“ war einem Bieter 1,65 Millionen Franken wert (Taxe eine Million), während das prächtige Ölgemälde „Mohn und Rosen“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1917 mit 950.000 Franken leicht unter der Schätzung blieb (eine Million).

Überraschende Preissteigerungen

Die beiden Spätwerke „Zügenstraße“ und „Bündner Landschaft mit Sonnenstrahlen“ von Ernst Ludwig Kirchner reüssierten mit 800.000 Franken und 770.000 Franken über ihrer Taxe von je 750.000. Und Marc Chagalls drei Jahre vor seinem Tod entstandenes Gemälde „La fête au vil­lage“ schaffte es gar auf ein Ergebnis von 1,5 Millionen Franken deutlich über seine Erwartung (800.000).

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Bei den Impressionisten unter den 736 Losen blieben Paul Gauguins farbige Monotypie auf Velin „L’Angelus en Bretagne“ (900.000) und Edgar Degas’ berühmtes Selbstporträt als Radierung von 1857 (Auflage 7; 475.000) hängen. 750.000 Franken genehmigte ein Bieter für die pittoreske Darstellung des Landlebens im kleinen Städtchen Saint-Mammès von Alfred Sisley (800.000). Für die überraschendste Preissteigerung sorgte die um 1904 entstandene, eindrucksvolle Pinsellithographie „Selbstbildnis en face“ von Käthe Kollwitz: Auf 17.000 Franken geschätzt, fiel der Hammer erst bei 730.000 Franken.

Kein Schnäppchen: Käthe Kollwitz, Selbstbildnis en face, um 1904, 48x33,8 cm, Zuschlag bei 730.000 Franken
Kein Schnäppchen: Käthe Kollwitz, Selbstbildnis en face, um 1904, 48x33,8 cm, Zuschlag bei 730.000 Franken Bild: Kornfeld

Außerordentliche Sammlung eines Züricher Kaufmanns

Unter den Schweizer Künstlern triumphierte Cuno Amiet mit seiner monochromen „Winterlandschaft“ von 1903 – übrigens dem ersten Los der gesamten Veranstaltung – mit einem Zuschlag bei 1,4 Millionen Franken; der Schätzpreis lag bei 500.000 Franken. Ferdinand Hodlers imposante „Gemmi-Landschaft“ erzielte 700.000 Franken (750.000); und Giovanni Giacomettis 76 mal 111 Zentimeter große Schafswiese von 1900 erreichte 580.000 Franken (600.000). Alle drei marktfrischen Werke stammen aus der außerordentlichen Sammlung des Zürcher Kaufmanns Richard Kisling, die Kornfeld in einem eigenen Katalog präsentierte.

Ein Stillleben mit Heringen von Albert Anker stieg auf 700.000 Franken (400.000). Und Alberto Giacomettis 46 Zentimeter hohe Bronzebüste seines Bruders Diego, „New York II“, wurde mit 1,7 Millionen Franken honoriert (Auflage 10; 1,5 Millionen).

Das Toplos der Zeitgenossen, Sam Francis’ großformatiges Ölbild „Green“ von 1952, wechselte zum Preis seiner Taxe bei zwei Millionen Franken den Besitzer. Und die ebenso farbintensive wie monumentale Arbeit „Composition abstraite“ von Serge Poliakoff wurde auf 1,2 Millionen Franken gehoben (750.000).

Quelle: F.A.Z.
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