Im Kinsky

Schlanke Knaben in Wien

Von Nicole Scheyerer
Aktualisiert am 14.06.2019
 - 12:54
Die Auktion mit Jugendstil und Moderne im Kinsky besticht mit einem Konvolut an Werken von George Minne.

Die Wiener Secessionisten schwärmten für die hageren Knabenfiguren des Flamen George Minne. Mit seinen „Knienden Jünglingen“ machte der Belgier 1900 in der Secession Furore. Ein deutscher Minne-Sammler hat nun ein Konvolut an Werken beim Auktionshaus Kinsky in Wien eingebracht. Die Offerte der Auktion mit Jugendstil am 17. Juni wird so um achtzehn Skulpturen und 34 Skizzen und Entwürfe bereichert. Seine nackten Knienden ließ Minne in zahlreichen Versionen und Größen produzieren. Knapp achtzig Zentimeter misst eine Bronze nach einem Entwurf von 1896, die im Kinsky mit 30.000 bis 50.000 Euro antritt. Ein halb so hoher Guss ist bereits für 12.000 bis 18.000 Euro zu haben. Dazu gesellen sich der „Reliequienträger“ (Taxe 30.000/ 50.000 Euro), der expressive „Mann mit dem Wassersack“ (45.000/ 70.000) und der „Verlorene Sohn“ (8.000/ 12.000). Später rundete Minne die Kanten seiner Figuren ab, wie bei dem weniger asketischen „Großen Knienden“ von 1932 (45.000/70.000). Seine sensible Zeichenkunst beweist der Entwurf zu „Herz Jesu“ (3.000/5.000), zu haben auch als Statuette aus Steinmasse (17.000/25.000).

Neben einem Dutzend eleganter Silberobjekte von Josef Hoffmann zählt ein Mantelkleid aus dem Modesalon der Schwestern Flöge zu den Highlights beim Jugendstil. Die Klimt-Freundin Emilie Flöge entwarf Reformkleider, die die moderne Frau vom Korsett befreiten. Das angebotene Modell aus braunem Samt mit Goldbrokat (8.000/16.000) mutet asiatisch an . Unbekannte Schönheiten im Stil Flöges hielt Klimt 1897/98 in Kreidezeichnungen fest: Das elegische „Damenbrustbild von vorne“ stellt mit der Schätzung von 200.000 bis 400.000 Euro das Spitzenlos bei der Klassischen Moderne. Klimts unehelicher Sohn, der NS-Filmregisseur Gustav Ucicky, besaß das Blatt wie auch einen „Frauenkopf im Profil nach rechts“ (130.000/200.000). Beide Zeichnungen gelangen im Zuge einer Einigung mit der Klimt-Stiftung als private Restitutionen auf den Markt. Aus der Salzburger Sammlung Wolfgang Graninger stammen 150 Graphiken von Alfred Kubin; die Rufpreise beginnen schon im dreistelligen Bereich: Mit 3.000 Euro wird die Federzeichnung einer unheilvollen Bootsfahrt „Hinüber“ von 1899 aufgerufen, mit 10.000 Euro das Temperabild „Tatar“ von 1907. Ein Nachkomme Kubins im Genre des Schaurigen war Franz Sedlacek, dessen dürrer Wanderer in der 1921 gemalten „Landschaft mit Nebelmeer“ den Romantiker Caspar David Friedrich persifliert. Das Ölbild kommt aus amerikanischem Privatbesitz für 250.000 bis 500.000 Euro zum Verkauf nach Wien. Am 18. Juni dann versteigert das Kinsky zeitgenössische Kunst, die fast zur Gänze aus Österreich stammt.

Quelle: F.A.Z.
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