Sommerauktionen bei Koller

In der Werkstatt seiner Mutter

Von Felicitas Rhan
10.08.2021
, 12:09
Spitzenzuschläge für einheimische Künstler und ein mysteriöses Bild von Edouard Vuillard: Ergebnisse der Auktionen von moderner und zeitgenössischer Kunst bei Koller in Zürich.
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Auch diesmal waren es die einheimischen Künstler, die bei Kollers Sommer-Auktionen mit Moderne, Zeitgenossen und Schweizer Kunst für Spitzenzuschläge sorgten – allen voran Ferdinand Hodler: Seine 68 mal neunzig Zentimeter große Ansicht des Genfer Sees von 1911 kam auf stolze 2,2 Millionen Franken (Taxe 1,5/2,5 Millionen); sein 1906 entstandener „Thunersee von Breitlauenen aus“ erreichte 970.000 (800.000/1,2 Millionen). Das Porträt von Hodlers beliebtem Modell Clara Pasche-Battié erreichte 380.000 Franken (350.000/500.000), und die zwei etwa 120 Zentimeter hohen, ganzfigürlichen Männerbildnisse eines Redners und Schwörenden von 1913 übertrumpften deutlich ihre Erwartungen mit 350.000 (150.000/200.000) und 240.000 Franken (130.000/200.000). Albert Ankers „Strickendes Mädchen am Fenster“ aus dem Jahr 1885 reüssiert bei seiner oberen Schätzung von 1,2 Millionen Franken; die beiden kleineren Kinderporträts von 1883 und 1880 (150.000/200.000; 80.000/ 120.000), die Anker während seiner Sommeraufenthalte in Paris malte, blieben unverkauft. „Falaise à Vasouy“, eine ruhige Landschaft von Félix Vallotton, die sich bis dato im Besitz der Familie des Künstlers befand, überraschte mit dem Zuschlag bei 460.000 Franken (280.000/380.000). Cuno Amiets „Paradies“ (200.000/300.000) ging zurück.

Unter den 91 angebotenen Losen zur modernen Kunst triumphierte Marc Chagalls farbenfrohes „Bouquet d’été“ von 1973 beim Gebot von 1,35 Millionen Franken, knapp unter seiner Obertaxe (bis 1,4 Millionen). Die idyllische Seelandschaft aus der Nähe von Fontainebleau, die Alfred Sisley 1896 festhielt, wechselte für 850.000 Franken (bis 900.000) den Besitzer. „Frau am Tisch“, Erich Heckels 1914 entstandenes Por­trät seiner Ehefrau Siddi blieb unverkauft (300.000/500.000). Zwei kleinformatige Aquarelle von Paul Klee — „Kleine Landschaft“ von 1915 und „Côte de Provence 5“ von 1927 — erzielten 300.000 (bis 350.000) und 280.000 Franken (bis 300.000).

Für die höchste Steigerung sorgte ein nur 19,3 mal 17,2 Zentimeter kleines Ölgemälde auf Holz: Um 1891, als die Künstlergruppe Nabi an ihrem Höhepunkt war, verbrachte Édouard Vuillard viel Zeit im Schneideratelier seiner Mutter, wo er in den schwach beleuchteten Räumen die Frauen bei der Arbeit beobachtete; so entstanden mysteriöse Umrisse von geheimnisvollen, meist von hinten gezeigten Figuren inmitten kontrastreicher Flächen. Für „Femme devant un vitrage“, auf 30.000 bis 50.000 Franken geschätzt, fiel der Hammer erst bei 260.000 Franken; mit Aufgeld sind das 317.500 Franken. Auch die Plastiken von Auguste Rodin und Ossip Zadkine stiegen deutlich über ihre Taxen: Rodins sechzig Zentimeter hoher Bronzeguss vom „Kuss“, der bis zu seinem genauen Gussdatum zurückverfolgt werden konnte, schaffte es auf 780.000 Franken (Auflage um 65/69; 350.000/500.000); die 1926 entstandenen „Drei Grazien“ von Zadkine, die bis zum Ende seines Lebens in der persönlichen Sammlung des Künstlers verblieben, reüssierten bei 380.000 Franken (200.000/300.000).

Das Toplos der Zeitgenossen, Frank Stellas monumentales Wandrelief „Guifa e la Berretta Rossa“ von 1985 aus Holz, Emaille und Acryl (300.000/500.000), wurde vom Besitzer zurückgezogen; es wird voraussichtlich bei Kollers nächster Auktion mit Gegenwartskunst im Dezember wieder angeboten. Zum teuersten Werk wurde mit dem Zuschlag bei seiner Obertaxe von 300.000 Franken Alighiero Boettis Triptychon „Aerei“ von 1984, auf dessen siebzig mal 150 Zentimeter großer Leinwand sich unzählige mit Kugelschreiber gezeichnete Flugzeuge tummeln. Andy Warhols 1983 entstandener „Terrier“ aus seiner „Toys“-Reihe überstieg die Erwartung bei Weitem mit 165 000 Franken (50.000/70.000). Das mit Tausenden von Käferpanzern besetzte „Adsum qui feci“ von Jan Fabre kam auf seine untere Schätzung mit 100.000 Franken (bis 150.000). Insgesamt setzten die drei Auktionen 25 Millionen Franken um, deutlich oberhalb der Erwartungen von fünfzehn Millionen Franken.

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Quelle: F.A.Z.
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