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Bilanz aus Paris

Manchmal eine Frage des Gefühls

Von Bettina Wohlfarth
Aktualisiert am 18.01.2019
 - 15:56
Die Bilanz der Auktionen in Frankreich. Sotheby’s übernimmt 2018 die Spitze. Insgesamt läuft es im zweiten Halbjahr bedächtiger, aber der Markt bleibt stabil.

Das Glückslos, Spitzenwerke oder spektakuläre Sammlungen zum Verkauf angeboten zu bekommen, zieht nicht in jedem Jahr dasselbe Versteigerungshaus. Abgesehen von den umstrittenen Garantien, mit denen große Auktionsfirmen Blue-Chip-Kunst anziehen, ist es oft eine Frage der guten Kontakte, wem ein Werk, gar eine Sammlung zur Versteigerung anvertraut wird. Im Jahr 2017 konnte Christie’s mit Alberto Giacomettis „Grande femmeII“ für 22 Millionen Euro und „Jim Crow“ von Jean-Michel Basquiat für 13,2 Millionen Euro den Vogel abschießen. Nun, 2018, hat Sotheby’s wieder aufgeholt und setzt sich bei einem kontinuierlich steigenden Umsatz mit Einnahmen von 251,4 Millionen Euro an die Spitze.

Selbst wenn im Bereich von Nachkriegs- und Gegenwartskunst diesmal keine zweistelligen Millionenbeträge für ein Werk erreicht wurden, floriert der Sektor. Sotheby’s kann seit 2012 eine Umsatzverdoppelung melden. Manches Werk, an das sich höhere Erwartungen knüpfen, wäre früher eher in London als in Paris angeboten worden: Ein Beispiel dafür ist, neben den genannten Giacometti und Basquiat, das Zeitgenossen-Spitzenlos von 2018, das Gemälde „Takao“ von Kazuo Shiraga, das im Juni bei Sotheby’s nach einer Schätzung von 1,8 bis 2,5 Millionen erst bei 7,6 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Mario Tavella, Präsident von Sotheby’s Frankreich, konnte sich über das „außergewöhnliche Jahr 2018“ freuen, zumal auch der höchste Preis im französischen Kunsthandel überhaupt in seinem Haus erzielt wurde: Eine chinesische Vase der Qing-Dynastie, die in einem Schuhkarton auf dem Dachboden gefunden worden war, kletterte bei der Asiatika-Auktion im Juni, angesichts einer Schätzung von 500.000 bis 700.000 Euro, auf 14,2 Millionen Euro.

Dass die prestigereiche Sammlung mit der Innenausstattung der vier letzten Residenzen von Pierre Bergé nicht etwa Christie’s zugesprochen wurde, sondern dass Sotheby’s den Auftrag bekam, sie in Zusammenarbeit mit Pierre Bergés Auktionshaus PBA zu versteigern, ist für Mario Tavella ein besonderer Erfolg: „Wir haben diese Kollektion gewonnen, weil wir Enthusiasmus und unsere enorme Überzeugung gezeigt haben. Es war eine Frage des Feelings zwischen uns und dem Verkäufer.“ Ende Oktober konnten sämtliche fast tausend Lose während drei Tagen, an denen Bieter aus 72 Ländern sich beteiligten, zugeschlagen werden, meist zu Preisen jenseits der oberen Schätzung. Der Orientalismus des 19.Jahrhunderts liegt im Trend: So entbrannte das zäheste Gefecht um „La porte du sérail, souvenir du Caire“ von Jean-Jules-Antoine Lecomte du Noüy. Der Hammer für das Gemälde fiel schließlich bei zwei Millionen Euro (Taxe 400.000/600.000). Beinah so hoch – auf 1,9 Millionen Euro (300.000/ 500.000) – stieg Ludwig Deutschs orientalischer „Palastwächter“ aus dem Jahr 1888.

Eine Gruppe von zwölf Gemälden Bernard Buffets aus den fünfziger Jahren bildete das persönliche Herzstück von Bergés alle Sparten von Kunst und Design umfassenden Sammlung. Das höchste Gebot erging mit 580000 Euro (80.000/ 120.000) für „Couple nu assis“, gefolgt von Buffets „Autoportrait sur fond noir“ mit 550.000 Euro (100.000/ 150.000). Sotheby’s versteigerte 2018 insgesamt zwanzig Sammlungen, darunter im zweiten Halbjahr die kenntnisreiche Kollektion von Elizabeth Pryce mit ozeanischer Stammeskunst oder die Werke des 20.Jahrhunderts der Galeristen Natalie Seroussi und Daniel Cordier. In den Auktionen mit Gegenwartskunst im Dezember erging der höchste Zuschlag für ein Werk von Jean-Paul Riopelle: Mit 3,7 Millionen Euro erfüllte das monumentale Gemälde „Forestine“ die obere Erwartung.

Nach dem Ausnahmejahr 2017 fiel Christie’s 2018 mit einem Umsatz von 234,3 Millionen Euro wieder auf das Niveau von 2015 zurück. In diesem Jahr wird es an der Führungsspitze einen Wechsel geben, François de Ricqlès wird von der Art-déco- und Design-Spezialistin Cécile Verdier abgelöst, die nach zehn Jahren bei Sotheby’s zu Christie’s zurückkehrt. Der höchste Preis im Haus von François Pinault wurde im ersten Halbjahr in der Auktion mit Gegenwartskunst bewilligt: Das Blumenstillleben „Fleurs“ von Nicolas de Staël verdoppelte mit 7,2 Millionen Euro seine untere Schätzung. Im zweiten Halbjahr gab es auch bei Christie’s für namhafte Werke eher ausgewogene Ergebnisse. In der speziellen Offerte „Paris-Avant-Garde“ während der Fiac-Woche überflügelte ein kubistischer Picasso – „Guitare, bouteille et compotier“ von 1922 – mit 3,4 Millionen Euro knapp die obere Erwartung. Zao Wou-ki bestätigte seinen Rang mit dem Gemälde „Bonne année“ von 1953, das bei 3,4 Millionen Euro etwas über der unteren Schätzung abgegeben wurde; sein „01.04.1986“ verdoppelte allerdings mit 2,4 Millionen Euro die obere Taxe. Pierre Soulages bewies einmal mehr sein hohes Preisniveau, als „Peinture 97×130 cm, 5juin 1962“ auf 2,2 Millionen Euro (1,5/2 Millionen) schnellte. Im Moderne-Angebot konnte nur Marc Chagall die Millionengrenze mit „Les mariés au bord de la Seine“ überschreiten, die für 1,28 Millionen Euro (1/1,5 Millionen) den Besitzer wechselten.

Einen Weltrekord gab es in der zweiten Hälfte bei Christie’s im Bereich der Alten Meister. Im November kletterte ein empfindsames Bild des italienischen Renaissancemalers Bernardino Luini, das zuvor einmal Leonardo da Vinci zugeschrieben worden war, auf eine Million Euro (400.000/600.000). Die Holztafel mit der „Büste einer Heiligenfigur mit Palmwedel, die Schriften lesend“ befand sich einst in der Sammlung der Herzogin von Berry.

Auch bei Artcurial, dem französischen Auktionshaus der Industriellenfamilie Dassault, erwies sich das erste Halbjahr stärker als das zweite. Ein herausragender Moment war im April die Versteigerung von 10.000 Objekten aus dem Hotel Ritz, die mit 7,3 Millionen Euro das Siebenfache der Gesamtschätzung einspielte. Das Toplos des Jahres kam bei Impressionismus und Moderne im Juni zum Aufruf: „Landschaft mit Netzflickerinnen“ von Vincent van Gogh hatte Seltenheitswert; der Zuschlag erfolgte erst bei sechs Millionen Euro (3/5 Millionen). Insgesamt schloss Artcurial das Jahr 2018 mit einem Umsatz von 195,3 Millionen Euro ab, etwa auf dem Niveau der vorherigen zwei Jahre, und nimmt wieder den dritten Platz in Frankreich ein. Selbst wenn ein knappes Drittel des Umsatzes von Auktionen mit Sammler-Automobilen erzielt wird, ist Artcurial in einigen Sparten zu einem direkten Mitbewerber von Sotheby’s und Christie’s avanciert. Vizepräsident François Tajan sieht die Konkurrenz allerdings eher als mit den beiden internationalen Giganten bei den Standorten, wobei „sich die Alternative London oder Paris in Zukunft zugunsten von Paris entwickeln könnte“. Artcurial baut eine Nord-Süd-Achse aus, um sich von der Ost-West-Achse der Angloamerikaner abzusetzen. So wird sich das französische Haus in Zukunft mit Lempertz in Köln für Stammeskunst-Versteigerungen in Brüssel zusammentun, außerdem seine Auktionsplätze Monaco und Marrakesch verstärken.

Bei der Gegenwartskunst konnte Artcurial sein Spitzenlos bereits im ersten Halbjahr zuschlagen: mit 2,9 Millionen Euro für „01.06.88“ von Zao Wou-ki. Der Umsatz dieser Sparte stieg 2018 um 26 Prozent. Ein Banksy-Effekt zeigte sich – nach der aufsehenerregenden Teilzerstörung seines „Girl with Balloon“ Anfang Oktober bei Sotheby’s in London – dann doch, allerdings gemäßigt in den Preisen: Banksys Schablonenzeichnung auf Karton „Kill Mom?“ wurde im November bei 470.000 Euro (250.000/350.000) abgegeben. Bei den Design-Auktionen blieb das Fauteuil „Bibendum“ der allzu teuer gewordenen Designerin Eileen Grey mit, immerhin noch, 500.000 Euro an der unteren Schätzung hängen, während der „Grashopper“-Sessel von Finn Juhl bei 250.000 Euro seine mittlere Taxe erreichte.

Zum traditionsreichen Pariser Versteigerungsdomizil Drouot gehören derzeit 65 Auktionshäuser, die gemeinsam einen stabilen Umsatz von 376 Millionen Euro einspielen. Aguttes aus Neuilly-sur-Seine hält mit 51,5 Millionen Euro und einem Gewinn von vierzehn Prozent den vierten Platz im französischen Markt. Bei der Zerstreuung der Aristophil-Sammlungen im ersten Halbjahr versteigerte Aguttes auch sein Spitzenlos für 2018: das Petau-Stundenbuch für 3,3 Millionen Euro (700.000/900.000).

Bei Tessier-Sarrou stellte sich im Dezember noch eine Überraschung zum Jahresende ein, als im Drouot ein bronzener Drachenkopf des 19.Jahrhunderts aus Indochina – gegenüber einer Schätzung von 20.000 bis 30.000 Euro – auf stolze 2,4 Millionen Euro hochgetrieben wurde.

Quelle: F.A.Z.
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