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Keine Versteigerung

Ein Caravaggio fürs Met?

Von Gina Thomas
Aktualisiert am 28.06.2019
 - 16:41
Das vor fünf Jahren auf einem Dachboden entdeckte angebliche Werk von Caravaggio ist vor seiner geplanten Versteigerung in London verkauft.

Mehr als fünf Jahre liegen zwischen der Entdeckung des großen, als ein verlorenes Spätwerk Caravaggios angepriesenen Gemäldes mit der Enthauptung des Holofernes auf einem Dachboden im südfranzösischen Toulouse und seiner – eigentlich für Donnerstag dort anberaumten – Versteigerung: fünf Jahre eingehender Forschungen, Debatten unter Kunsthistorikern und Gespräche mit dem französischen Staat, der das exzeptionelle Bild im März 2016 zunächst als Nationalschatz einstufte und die Ausfuhr dreißig Monate sperrte, um dem Louvre Zeit zu geben, den Ankauf in aller Ruhe zu erwägen. Am Ende diese Frist hieß es, dass die Mittel fehlten; die Rede war von 120 Millionen Euro. Die anonymen Besitzer, die beraten wurden von dem angesehenen Pariser Experten Éric Turquin und dem Auktionator Marc Labarbe in Toulouse, entschieden sich daraufhin für die Versteigerung.

Obwohl namhafte Kunsthistoriker Turquins von akribischen Recherchen untermauerter Zuschreibung beipflichten, mutete es angesichts der Gegenstimmen, die sich bei jeder spektakulären Entdeckung in der Kunstwelt erheben, als riskant an, die dramatische Darstellung mit einer Erwartung von bis zu 150 Millionen Euro in Toulouse den Launen des Markts auszusetzen, obendrein ohne Reserve. Dass der Louvre zwei Wochen vor der Auktion durchsickern ließ, er habe das Bild nicht erworben, weil seine Konservatoren an der Authentizität zweifelten, dürfte weiter an den Nerven gezehrt haben. So verwundert es nicht, dass die Besitzer auf Nummer sicher gegangen sind. Zwei Tage vor der Auktion gaben Turquin und Labarbe bekannt, dass das Angebot eines ausländischen Käufers angenommen worden sei, der einem bedeutenden Museum nahestehe.

Über weitere Einzelheiten schweigen sie sich aus. Es wird spekuliert, dass es sich um den amerikanischen Finanzier J. Tomilson (Tom) Hill handeln könnte, der neben Werken der Moderne auch Renaissance-Bronzen und Altmeister-Gemälde auf höchstem Niveau sammelt. Dafür spricht nicht nur, dass Hill im Aufsichtsrat des Metropolitan Museum in New York sitzt, sondern auch, dass der renommierte Kurator Keith Christiansen, der sein positives Urteil im fast 170 Seiten starken Auktionskatalog zu Protokoll gibt, die Altmeister-Abteilung des Museums verantwortet. Der Caravaggio-Kenner führt mehrere Bespiele von anfangs skeptisch aufgenommenen Zuschreibungen an Caravaggio an, die inzwischen als eigenhändige Werke akzeptiert sind. Die Nachricht aus Toulouse erreichte die Kunstwelt kurz vor der um die Londoner Altmeister-Auktionen der kommenden Woche herum gestalteten „Art Week“. Sie lockt zum Saisonabschluss des Handels Sammler nach London – und bietet reichlich Stoff für leidenschaftliche Zuschreibungsdebatten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Thomas, Gina (G.T.)
Gina Thomas
Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.
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