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Galerie Setareh in Düsseldorf

Nur wenige fanden Aufnahme in den Club der malenden Männer

Von Georg Imdahl
 - 15:30

Als die Royal Academy in London vor zwei Jahren der „New York School“ einen großen Auftritt bereitete, waren für die Malerinnen selbst Nebenrollen nur sehr sparsam vorgesehen. Immerhin hatte das Denver Art Museum in Texas, ebenfalls 2016, den Künstlerinnen ebenjenes Abstrakten Expressionismus einen Überblick gewidmet, der jetzt die Düsseldorfer Galerie Setareh zu einer Schau angeregt hat: Die dreizehn Malerinnen der Ausstellung legten – mehrheitlich in New York, aber auch in Europa – durchaus eine expressive Abstraktion an den Tag, fanden aber nur in wenigen Fällen Aufnahme in die exklusiven Kreise und Clubs der Männer. Die Maler wiederum wurden in großer Zahl ausgerechnet von den zwei Avantgarde-Galeristinnen vertreten, nämlich Peggy Guggenheim und Betty Parsons.

Die Namen der in Düsseldorf versammelten Malerinnen sind, bis auf Helen Frankenthaler und Lee Krasner, alles andere als geläufig. Und von ihnen allen würde man gern mehr sehen als jeweils zwei bis drei Bilder aus den fünfziger und sechziger Jahren. Vor allem von der 1923 in Kapuvár geborenen Ungarin Judit Reigl und den energisch gerakelten Bildern aus ihrer Reihe „Écriture en masse“: Auf stattlichem Querformat verteilt Reigl mit dem Spachtel bizarre Inseln von kohlrabenschwarzer Ölfarbe auf schneeweißem Grund und hinterlässt die Spuren des Malakts auf der Leinwand – kraftvoll, diese Kontraste. Der Surrealist André Breton begeisterte sich für Reigls Art zu malen und organisierte in den fünfziger Jahren erste Ausstellungen für die Künstlerin, die heute in Frankreich lebt.

Michael Corinne West (1908 bis 1991) hatte in den dreißiger Jahren auf der Privatschule von Hans Hofmann in New York studiert und hielt es später für ratsam, sich auch einen männlichen Vornamen zuzulegen, auf dass ihr der eindeutig feminine Name bei der Karriere nicht im Weg stehe. Mit einer aufwühlenden Gestik und materialsatten Farbsetzungen reagiert die in Chicago geborene Künstlerin auf die Existenzängste des Atomzeitalters. Grace Hartigan nimmt 1950 als eine von wenigen Malerinnen an der Ausstellung „Twelve Americans“ im Museum of Modern Art in New York teil. Im selben Jahr suchen der Kritiker Clement Greenberg und der Kunsthistoriker Meyer Shapiro sie für die Schau „New Talents“ in der Samuel Kootz Gallery aus. Bei Setareh ist ihr semi-figurales Bild „St. Serapion (after Zurbaran)“, nach dem spanischen Barockmaler also, aus dem Jahr 1952 ausgestellt. Hartigans Arbeiten sind in Museen und Ausstellungen hierzulande ebenso wenig präsent wie die eher gediegen anmutende, gleichwohl qualitätvolle Malerei einer Charlotte Park.

Oder das Informel der 1928 in New York geborenen Amaranth Ehrenhalt, die es auf eine Abstraktion „in dauernder Bewegung“ abgesehen hat: „tanzend, vibrierend, kreisend, schimmernd, sich streckend und hüpfend“ sollten die farbigen Texturen in ihren Bildern nach ihrem eigenen Bekunden erscheinen. Bereits verkauft ist ein „Self Portrait Abstract“ von Mary Abbott. Als eine der wenigen Künstlerinnen wurde Abbott, wie neben ihr Perle Fine und Yvonne Thomas, in den von Malern dominierten „The Club“ aufgenommen. Mit Pinselzügen in unterschiedlichen roten Nuancen und in collagierten Feldern erfasst die 1921 in New York geborene, heute in den Hamptons lebende Malerin sich als „Self Portrait Abstract“ in einem Bild von 1957.

Ob es der Düsseldorfer Auswahl gegeben sein wird, mit dem Klischee des „AbEx“ als maskulinem Stil wirklich „aufzuräumen“, wie es die Galerie im Katalog deklariert, muss wohl vorerst noch bezweifelt werden. Aber es ist gut möglich, dass manche der Malerinnen, die es noch zu entdecken gilt, demnächst in eigenen Ausstellungen in Deutschland wieder auftauchen. (Bis zum 23. Februar. Die Preise reichen von 19.000 bis 1,26 Millionen Euro.)

Quelle: F.A.Z.
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