Kunst bei Van Ham

Chagall sieht doppelt

Von Felicitas Rhan
Aktualisiert am 27.11.2020
 - 11:35
Paul Kleinschmidt, „Gähnende Dame“, 1937,  Öl auf Leinwand, 115 x 75 Zentimeter, Taxe 43.000/60.000 Euro.
Seit langem gibt es wieder ein Plastik von Fernando Botero auf dem deutschen Kunstmarkt. Ein Ausblick auf die Herbstauktion bei Van Ham in Köln.

Seit 2016 wurde keine Plastik mehr von Fernando Botero auf dem deutschen Kunstmarkt angeboten. Nun bringt Van Ham in seiner Herbstauktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst gleich zwei Exemplare unter den Hammer: Boteros monumentales Werk „Still life with watermelon“ von 1976/77 ist das Highlight unter den 320 angebotenen Losen, die am 2. Dezember in Köln auktioniert werden. Die zwei Meter lange und 150 Zentimeter hohe Bronze gleicht in ihrer schlichten Sachlichkeit einem skulpturalen Porträt gewöhnlicher Alltagsobjekte und ist auf 150.000 bis 200.000 Euro geschätzt (Exemplar von 6). Boteros ebenfalls 1976 entstandene Bronze „Bird on a column“ erstreckt sich in 221 Zentimeter Höhe und soll 70.000 bis 90.000 Euro einbringen (Exemplar von 6).

Von Günther Uecker kommt die marktfrische Arbeit „Bunker“ von 2002 mit einer Taxe von 150.000 bis 200.000 Euro zum Aufruf: Auf der 200 mal 160 Zentimeter messenden Leinwand sind Golfbälle mit Nägeln fixiert. Imi Knoebel malte 2004 das überdimensionale Acrylbild „Bank Holiday“ auf Aluminium (Taxe 100.000 bis 150.000 Euro); dreißig Jahre zuvor entstand das minimalistische Ölbild „Early Spring“ vom in Taiwan geborenen Richard Lin (80.000/120.000). Sol LeWitt fertigte seine farbintensive Gouache „Cube (A)“ 1994 an (100.000/150.000). Das Pendant „Cube (B)“ erzielte in diesem Frühjahr bei Van Ham 110.000 Euro. Auf Ernst Wilhelm Nays Gemälde von 1935 versammeln sich „Elch und Elchkuh“ (70.000/100.000). Und von Fritz Winter kommen zwei Werke: die monochromen, 135 mal 171 Zentimeter großen „Sturmvögel“ von 1961 (60.000/80.000) und das abstrakte Ölbild „Planung“ von 1954 (40.000/60.000).

Max Ernsts 1961 entstandenes blaues Ölbild „Enseigne pour une école de moustiques“ ist mit einer Erwartung von 100.000 bis 150.000 Euro das Toplos der Moderne. Im hohen Alter von neunzig Jahren stellt sich Marc Chagall in „Peintre au double profil“ von 1977 doppelköpfig dar, halb als Mensch, halb als Ziege – die marktfrische Gouache kommt aus der Sammlung des Fotografen Eddy Novarro (80.000/120.000). Von Louis Marcoussis stammt das 1920 entstandene kubistische Stillleben „Nature Morte (à l’Ananas)“ (70.000/90.000), das eine kuriose Provenienz hat: Nachdem der Pianist und Komponist Georg Antheil das Bild von der Galerie „Der Sturm“ in Berlin Anfang der zwanziger Jahre erworben hatte, schickte er vor seiner Abreise nach Paris 1923 seine Sammlung zur sicheren Verwahrung nach Amerika, vergaß jedoch, an wen. Zum Glück meldete sich sechzehn Jahre später seine frühere Gönnerin aus Philadelphia, ob er die Gemälde noch zurückhaben wolle. Marcoussis’ Weggefährte Pablo Picasso bannte 1954 mit wenigen Tuschestrichen eine Frau samt Hündchen auf Velin. Die marktfrische, 32 mal 24 Zentimeter messende, unbetitelte Zeichnung soll 70.000 bis 90.000 Euro einbringen.

Bei den Zeitgenossen überzeugen Wolfgang Tillmans’ Unikat „paper drop (black)“ von 2001 (100.000/150.000) und das 2014/15 entstandene Gemälde „Exiting Celine. Monaco“ von Tom Blackwell: Bei diesem handelt es sich um eines der größten und detailreichsten Bilder aus der „Storefront“-Serie des Künstlers (80.000/120.000). Die Gesamterwartungen der Auktion liegen bei 5,05 bis 7,2 Millionen Euro

Quelle: F.A.Z.
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