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Spanischer Kunstmarkt 2019

Gut gefedert

Von Clementine Kügler
 - 18:22

MADRID. Die Auktionshäuser in Spanien haben dem starken Beginn im ersten Halbjahr 2019 hochkarätige Angebote folgen lassen, doch die Nachfrage blieb zurückhaltend. Allerdings zeigte sich im Herbst wieder das Interesse an Kolonialkunst, das seit Jahren vor allem die Madrider Häuser beglückt. Auch der Staat gab sich wieder spendabler.

So steht der Italiener Giulio Cesare Procaccini (1574 bis 1625) mit dem „Porträt einer Dame mit Cupido“ beim Zuschlag von einer Million Euro unangefochten an der Spitze. Im Madrider Haus Abalarte war das Bild im Februar seiner Werkstatt zugeordnet und auf müde 5000 Euro geschätzt worden. Ein erdfarbenes Materialbild von Miquel Barceló, „7 Etagères“ von 1997, nimmt – mit einigem Abstand – mit 390.000 Euro (Taxe 285.000) den zweiten Platz ein: die Madrider Galería Tessera bot das zwei mal zwei Meter große Werk im April an. Dort gab es auch einen Auktionsrekord für die katalanische Künstlerin Lita Cabellut, deren fast drei Meter hohes Porträt von Janis Joplin 120.000 Euro (95.000) erzielte, Platz neun der spanischen Top Ten.

Ansorena in Madrid sicherte sich mit Werken Fernando Zóbels (1924 bis 1984) den dritten und den sechsten Rang: Im April stritten mehrere Bieter um das expressive Ölgemälde „Carbeca“ von 1959, bis der Hammer bei 260.000 Euro fiel, gegenüber einer Schätzung von 40.000 Euro. Im Dezember kletterte Zóbels Mischtechnik „Esperando Mayo (desde Monet)“ (Warten auf Mai) aus dem Jahr 1978 von 100.000 auf 170.000 Euro. Philippinische Künstler, auch wenn sie wie Zóbel jahrzehntelang in Spanien lebten, sind begehrt. Bei Abalarte hatten im Mai zwei Porträts des Philippiners Fernando Amorsolo (1892 bis 1972) Erfolg, als zahlreiche Bieter sie von 50.000 bis auf 90.000 Euro anhoben; sie zeigen Onkel und Tante Fernando Zóbels. Félix Resurrección Hidalgo y Padilla (1855 bis 1913), dessen „Tagalog-Paar am Fluss“ 2018 das Toplos in Spanien stellte, als es ein Sammler von den Philippinen für 950.000 Euro erwarb, war im September beim Auktionshaus Segre in Madrid mit einem „Volkstümlichen Porträt“ vertreten, vermutlich sein Modell María Yrritia. Er malte das Bild 1901 in Paris, zum Schätzpreis von 90.000 Euro ging es an einen Telefonbieter, außerhalb des Rankings.

Unter den Top Ten sicherte sich das Auktionshaus Segre den vierten und fünften Platz. Ein Materialbild von Antoni Tàpies aus dem Jahr 1998, „Mà sobre negre“ (Hand auf Schwarz), wurde dort im Mai bei 230.000 Euro (210.000) zugeschlagen. Eine Holztafel von Pedro Delgado, einem Maler des 16.Jahrhunderts aus Toledo, die einen „Heiligen Michael beim Besiegen des Teufels“ mit der Symbolkraft seiner Zeit darstellt, sollte im Oktober 295.000 Euro bringen, wurde aber schließlich für 200.000 Euro in neue Hände gegeben. Den siebten Rang nimmt ein weiterer Heiliger ein: Das Auktionshaus Isbilya in Sevilla vermittelte schon in Februar einen „Meditierenden heiligen Petrus“ vom Altmeister José de Ribera, zur Taxe von 150.000 Euro. Platz acht teilen sich die deutsche Künstlerin Katharina Grosse, deren Bild „O.T. #KG/M2015-1004L“ im März bei Fernando Durán in Madrid die Schätzung von 130.000 Euro einspielte, und eine „Virgen del Pópulo mit Erzengeln“ des mexikanischen Barockmalers Juan Correa. Hinter dieser Muttergottes mit Jesuskind sind ein siebenarmiger Leuchter und eine Bundeslade zu sehen, möglicherweise fertigte Correa das Werk für einen jüdischen Konvertiten an. Im Dezember wurde es bei Alcalá für 80.000 Euro aufgerufen, der Zuschlag erfolgte dann bei 130.000 Euro.

Auf dem zehnten Rang gibt es – beim Zuschlag von 110.000 Euro – gleich drei Werke: Aus einer spanisch-philippinischen Werkstatt kommt eine „Sagrada Familia“ aus Elfenbein, die bei Alcalá im März angeboten wurde (80.000). Kurz zuvor wurde bei Ansorena ein unheimlicher Maskentanz, „Máscaras de las escobas“ von José Gutiérrez Solana aus dem Jahr 1935 (90.000), verkauft. Durán rief im November ein kleines Feder-Bild mexikanischer Schule aus dem 19. Jahrhundert auf: Neben Ölfarben wurden vor allem Federn von Kolibris, Quetzals und anderen exotischen Vögeln benutzt, um ein bäuerliches Paar in einer üppigen Landschaft abzubilden – eine kostbare Technik, die ihre Erwartung von 110.000 Euro erfüllte.

Aktiver als in den Vorjahren zeigte sich der Staat. Drei Millionen Euro hat das Kulturministerium insgesamt für Kunstankäufe ausgegeben, das sind 41 Prozent mehr als 2018. Die meisten davon erfolgten allerdings über Vermittlung und nicht auf Auktionen. Christie’s Spanien vermittelte „Aeneas und die Harpyien“ des italienischen Renaissancemalers Dosso Dossi für 950.000 Euro aus einer privaten Sammlung an den Prado. Der Prado erhält auch eine „Büßende Magdalena“ von Alonso Cano für 200.000 Euro. Außerdem erwarb der Staat eine Skulpturengruppe mit Jungfrau, Jesus und Johannes, die von der ersten bekannten spanischen Bildhauerin Luisa Roldán (1652 bis 1706) geschaffen wurde, für 280.000 Euro, und noch im Dezember für 250.000 Euro eine „Unbefleckte Empfängnis“ von Juan de Mesa y Velasco, die ursprünglich das Auktionshaus Isbilya in Sevilla angeboten hatte.

Quelle: F.A.Z.
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