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Corona-Krise trifft Galeristen

Wie verkauft man Kunst im virtuellen Raum?

Von Brita Sachs
Aktualisiert am 25.03.2020
 - 12:47
2019 strahlte die Art Basel Hong Kong noch über der Stadt
Zwischen Hoffnung auf verlässliche Sammler und Mut zu virtuellen Neuerungen: Der Kunstmarkt leidet unter der Corona-Pandemie. Für manche Galeristen ist das eine „katastrophale Vollbremsung“.

Die tiefen Einschnitte, die Covid-19 ins öffentliche Leben setzt, treffen die Kunstgalerien mit derselben Wucht wie die meisten Branchen. Und außer den Galeristen werden ihre Mitarbeiter, die Künstler, Transporteure, Fotografen und andere mehr die Folgen spüren. Wir haben einige Galeristen gefragt, wollten hören, welche Überbrückungspläne sie für die temporäre Schließung haben, wie sie Ausfall oder Verschiebung der Kunstmessen verdauen wollen und ob sie Prognosen wagen. Alle Befragten haben inzwischen weitestgehend auf Homeoffice umgestellt.

Eine „katastrophale Vollbremsung“ nennt Rüdiger Schöttle aus München die Sachlage und spricht damit wohl allen aus der Seele. Man habe bereits Hilfe für Kurzarbeit beantragt. Wie sämtliche deutsche Kollegen fordert er die Befreiung von Belastungen, vor allem die zügige Rücknahme des Mehrwertsteuersatzes von neunzehn Prozent auf Kunst. Gerd Harry Lybke sucht das Positive. „Ich bin offen für Veränderung“ sagt der Inhaber der Galerie Eigen & Art mit Sitz in Leipzig und Berlin: Die DDR, in der er seine Tätigkeit begann, habe er ebenso untergehen sehen wie andere Systeme, jedes Mal habe sich etwas grundsätzlich Neues entwickelt. So vielleicht auch jetzt. Dass die Struktur in großen Galerien und Messen über Macht, Einfluss und Geld geregelt werde, lasse einer jungen Generation wenig Chancen. Wer wie er für vierundzwanzig Mitarbeiter verantwortlich sei, könne es sich finanziell kaum noch leisten, junge Unbekannte zu zeigen. Aber man steige nicht zweimal in denselben Fluss, sagt Lybke und vermutet, dass es nach der Corona-Krise wieder mehr um Inhalte gehen werde.

Er sei nie ein großer Freund vom virtuellen Umgang mit der Kunst gewesen, bekennt Thaddaeus Ropac. Aber, so der Galerist mit fünf Standorten in Salzburg, Paris und London und mit mehr als hundert Mitarbeitern, gerade konnte man beim Online-Auftritt der abgesagten Art Basel Hong Kong eine Arbeit von Lee Bul veräußern. Auch der neu eingeführte Online Viewing Room auf der Galerie-Website sei mit einem Verkaufserfolg für den Maler Jules de Balincourt gestartet. Nicht nur Ropac registriert auffallend viele Internetzugriffe aus Asien. Schwierig sei die Planungsunsicherheit, sagt Ropac, bereits jetzt hat er Ausstellungen auf 2021 verschoben. Die Galerie habe einige gute Jahre gehabt, die schafften jetzt das nötige Polster, aber wer wisse schon, wie sich der Wegfall des sehr aktiven Frühjahrs auswirke und dann eine Ballung von Messen im Herbst.

„Es geht nicht nur ums Geschäft“

Die Messen sind für Hauser & Wirth weniger relevant, nur fünfzehn Prozent der Verkäufe 2019 erfolgten dort. Das konstatiert Ivan Wirth, Präsident über neun Galerien zwischen Zürich, New York und Hongkong. Er weiß um die Chance von Krisen: Seine erste Galerie, einen Einmannbetrieb, habe er 1987 am Vorabend des Börsencrashs eröffnet, ein unvergessener Schreck. „Weitere Krisen 1997, 2001 und 2008 haben uns gelehrt, dass ein gesundes Unternehmen durchaus gestärkt aus ihnen hervorgehen kann und die Chance für Innovation und Reflexion nutzen sollte.“ Der Verkauf konzentriert sich derzeit ganz auf die digitalen Plattformen. Von kommender Woche an folgen eigens kuratierte Online-Ausstellungen. Wirth ist sich der wachsenden Bedeutung digitaler Vermittlung sicher: „Die kommerzielle Kunstwelt wird sich der Entwicklung von Retail und Mode anpassen.“

„Es geht nicht nur ums Geschäft“, betont Philomene Magers, sondern auch um einen „kulturellen Auftrag“, den die Galerie Sprüth/Magers an ihren Adressen in Berlin, London und Los Angeles verfolge: „Unser Publikum mag uns dafür, dass wir immer davon ausgehen, wie wir am besten für die Künstler arbeiten können.“ Deshalb sind jetzt „Video Chat Exhibitions“ abrufbar, und ab sofort werden Clips gepostet, auf denen Künstler Einblicke in ihre Atelierarbeit geben; George Condo war der Erste.

Manch einer prophezeit das Ende kleiner Galerien. Deborah Schamoni in München stimmt dem zu, zeigt aber Zuversicht. Im Zweipersonenbetrieb managt sie ihre Galerie mit internationalen Künstlern, sitzt im Komitee der Art Cologne und erfreut sich eines „verlässlichen Sammlerkreises“. Der Ausfall von Messen und Schauen spare Kosten: „Es ist eine Zeit zum Nachdenken, übers Programm, über Struktur.“ Zum Internet meint Schamoni, wer Kunst als Investment betrachte, sei da gut aufgehoben, aber „auf meinem Level sind die Leute Liebhaber, die möchten die Werke physisch sehen“.

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Corona-Krise
Kultur leidet unter Ausfällen

Philipp Pflug, der seine ebenfalls kleine Galerie in Frankfurt auf ähnlichem Niveau betreibt, geht anders vor. Er fühlt sich schöpferisch herausgefordert, hat gleich einen Clip gedreht, der seine aktuelle Ausstellung attraktiver wiedergeben kann als Standbilder. Wie Pflug baut auch Christian Lethert in Köln, der mit vier festen Mitarbeitern durch die Krise steuern wird, stark auf die Art Cologne im Herbst: „Wir machen immer sehr gute Umsätze dort, brauchen diese Messe dringend.“ Vielleicht komme es auch auf diesem Sektor zur Marktbereinigung, „alle zwei Wochen eine Kunstmesse, das war einfach zu viel“.

Quelle: F.A.Z.
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