Messen während der Pandemie

Neu sortiert

Von Georg Imdahl
01.02.2021
, 11:12
Während einer Pandemie lassen sich Großveranstaltungen schlecht planen. Mit welchen Kunstmessen kann dieses Jahr überhaupt gerechnet werden und wann finden sie statt?

All die vielen Messen, so stöhnte die Kunstkarawane noch vor nicht allzu langer Zeit. Jetzt, da die Messen reihenweise verschoben oder gar abgesagt werden, wären viele heilfroh, wenn die Agenda wieder in gewohnter Dichte gefüllt wäre. Fürs Erste lichtet sich der Terminkalender weiter. So hat auch die Art Cologne – und in ihrem Schlepptau die Cologne Fine Art & Design – ihre für den April anberaumte Ausgabe in den Herbst verschoben: Beide Messen sollen vom 17. bis zum 21. November stattfinden.

Die Art Cologne war zweifellos gut beraten, ihre Entscheidung diesmal früher auszurufen als im vorigen Herbst: Da hatte man lange mit der sehr absehbaren Absage gezögert und einigen Ärger mit Ausstellern auf sich gezogen, der noch nachwirken dürfte. Mit der erneuten Verschiebung jetzt hat sich eine schon vor der Pandemie erwogene, dauerhafte Rückkehr der Kölner Traditionsmesse ins Frühjahr bis auf weiteres erledigt. Zwei Ausgaben in einem halben Jahr wären dann doch des Guten zu viel, selbst in Zeiten einer Rückkehr zur Normalität. Weil diese bis zum Juni aber nicht zu erwarten ist, verlegt sich auch die Art Basel an ihrem Heimatort in den September und räumt damit ihren angestammten Termin im Juni. Genau dorthin weicht indessen, einigermaßen gewagt, die Art Düsseldorf aus, nämlich vom 17. bis zum 20. Juni: Damit lässt die Messe in realistischer Einschätzung erkennen, dass sie mit einem größeren internationalen Publikum nicht rechnen kann. Die ohnehin überschaubare Art Düsseldorf will sich sogar um ein gutes Drittel, auf rund siebzig Aussteller, verkleinern, um mehr Platz für voraussichtlich weniger Besucher zu schaffen.

Unterdessen hält das Berliner Gallery Weekend an seinem angestammten Frühjahrstermin vom 30. April bis zum 2. Mai fest, wenn auch unter restriktiven Bedingungen: ohne zentrale Vernissagen, großes Dinner und ähnliche Events, stattdessen gestreckt über mehrere Preview-Tage. Tatsächlich birgt eine dezentrale Veranstaltung wie dieses anstehende siebzehnte Berliner Weekend weniger ökonomische Risiken in der Planung als eine Kunstmesse. Zudem haben sich die auf die Wochentage ausgedehnten, gemeinsamen Galerien-Eröffnungen im vorigen Jahr offenbar einigermaßen bewährt, als sie vom Frühling in den September verschoben werden mussten. Wobei auch da auf der Hand liegt, dass mit dem Andrang auswärtiger Sammler Ende April nicht zu rechnen ist. Vielleicht ja wieder im Spätsommer: Zusätzlich zum Frühjahr, so die Direktorin Maike Cruse auf Nachfrage, soll das Gallery Weekend künftig alljährlich auch im September stattfinden, gleich 2021 vom 15. bis zum 19. September, also direkt vor der verschobenen Art Basel. „Discovery“ lautet die Losung für die Ausstellungen, in denen die Galerien eben Entdeckungen und „unbekanntere Künstler“ zeigen sollen. Damit füllt sich der Terminkalender der Hauptstadt, nach dem Scheitern der Art Berlin, wieder etwas. Die Verhältnisse sortieren sich auf ihre Weise neu – im Fall von Berlin nicht einmal als Folge der Pandemie.

Quelle: F.A.Z.
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