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Lempertz in Köln

Ein Dromedar auf Pergament

Von Felicitas Rhan
 - 15:46

Emsig knabbert das Eichhörnchen an einer Haselnuss, während der kleine Fink auf einem üppig gefüllten Korb mit Weintrauben sitzt. Einige andere ihrer Artgenossen hatten weniger Glück, sie liegen erlegt auf dem großen Holztisch: Das prächtige „Jagdstillleben mit Früchten, Vogel und Eichhörnchen“ von der Antwerpener Malerin Clara Peeters misst 53 mal 73 Zentimeter und kommt mit einer Erwartung von 200.000 bis 260.000 Euro am 16. November bei Lempertz in Köln zum Aufruf, zusammen mit 128 weiteren Losen. Das Spitzenstück der Auktion mit Alter Kunst ist Peter Paul Rubens’ Darstellung der heiligen Theresa von Avila, die auf 250.000 bis 350.000 Euro taxiert ist. Das Ölbild auf Holz entstand vermutlich um 1614, im Jahr der Seligsprechung der Mystikerin und Schutzpatronin von Spanien; es ist Teil einer Gruppe von Aufträgen, die der Orden der Barfüßigen Karmeliter Anfang des 17. Jahrhunderts an Rubens vergab. Von Bernardo Strozzi, selbst Kapuzinermönch, liegt eine „Vision des heiligen Franziskus“ vor (Taxe 130.000/200.000 Euro). Und aus der Werkstatt von Bernhard Strigel stammt die liebevoll gestaltete Darstellung des heiligen Christopherus, der mit riesigen Schritten das kleine Christuskind auf seinen Schultern über das Wasser trägt (100.000/120.000).

Unter den 44 angebotenen Zeichnungen fällt besonders Nicolas Maréchals filigranes Abbild eines Dromedars auf (20.000/25.000): Das 25 mal zwanzig Zentimeter kleine, marktfrische Aquarell kommt aus einer süddeutschen Privatsammlung und wurde auf Pergament gemalt, was seine Zartheit noch unterstreicht. Es gehört zu einer Gruppe von Vorlagen, die für das mehrbändige Werk „La Ménagerie du Museum d’Histoire Naturelle ou Description et Histoire des Animaux“ von 1804 in Auftrag gegeben wurden. Adolph von Menzel fertigte 1889 das „Brustbild eines Mannes mit Bart“ in Kreide, das mit einer Erwartung von 9000 bis 12.000 Euro unter den Hammer kommt.

Aus dem 19. Jahrhundert werden 54 Lose angeboten, darunter zwei marktfrische Ölgemälde von Constantin Ivanovitch Gorbatoff: die stimmungsvolle Landschaft „Wintertag“ (20.000/30.000) und „Häuser im Gegenlicht“ – Stillleben vor Capri“ (30.000/40.000). Im Jahr 1849 porträtierte Carl Christian Vogel von Vogelstein vermutlich die kleine Prinzessin Anna von Sachsen, die Tochter des sächsischen Königs JohannI. Das Mädchen posiert mit ihren Puppen vor einem offenen Balkonfenster, durch das man den malerischen Verlauf der Elbe sehen kann. Das 130 mal 96 Zentimeter große Porträt kann auf eine bedeutende Provenienz zurückblicken: Ursprünglich befand es sich in der Sammlung des Hauses Wettin, anschließend im Sammeldepot von Schloss Pillnitz in Dresden und in der Galerie der Neuen Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Dann erfolgte 1999 die Rückübereignung an den Verein Haus Wettin, der es 2011 für 22.500 Euro bei Bolland & Marotz in Bremen versteigern ließ. Nun soll das Ölgemälde 30.000 bis 35.000 Euro erzielen.

Bei den achtzig Skulpturen besticht ein gut erhaltenes, bunt gefasstes, vermutlich um 1500 entstandenes Relief der Geburt Christi aus der Werkstatt des spätgotischen Bildschnitzers Hans Klocker (75.000/90.000). Insgesamt liegt die Erwartung für die Auktion mit Alter Kunst bei 5,1 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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