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Lempertz

Mit Abstraktion und Linien zu guten Preisen

Von Richard Hagemann
 - 14:06

In der Frühjahrsauktion mit Moderner Kunst hat Lempertz in Köln Teile des Kunstbestands der kriselnden Kaufhauskette „Kaufhof“ versteigert, ausgewiesen als „Rheinische Unternehmenssammlung“. Als letzte Provenienz „Kaufhof“ stand nur bei Max Liebermanns großformatiger Darstellung der „Judengasse in Amsterdam“ von 1909, die sich seit 1954 im Besitz des Warenhauses befand. Das auf 600.000 bis 800.000 Euro geschätzte Gemälde ging zum Hammerpreis von 700.000 Euro an einen süddeutschen Sammler; inklusive Aufgeld bezahlt er „knapp über eine Million Euro“, so Lempertz. Ebenfalls aus der Kaufhof-Sammlung kommt der 1898 entstandene „Abend im Moordorf“ von Otto Modersohn, der beim Gebot von 110.000 Euro (Taxe 100.000/120.000) dem Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude zugeschlagen wurde. Aus einer rheinischen Privatsammlung geht Max Pechsteins Porträt „Das blaue Kleid: Bildnis Frau Dr. Plietzsch“ von 1921 für 140.000 Euro (150.000/200.000) auch in ein „deutsches Museum“.

Das mit einer Erwartung bis zu 600.000 Euro versehene „Gustav Finzlerbild“ von Kurt Schwitters, datiert auf 1926/36, erreichte seine Untertaxe von 400.000 Euro. Schwitters’ im Exil entstandene, auf Erinnerungen an die Heimat anspielende Collage „Ohne Titel (Counterfoil)“ von 1942/45 kam auf 320.000 Euro (300.000/ 500.000). Die „Blumen in Vase“, die Lovis Corinth 1923 in Öl malte, stiegen auf 260.000 Euro (150.000/200.000); Jawlenskys „Helle Erscheinung“ von 1916 (300.000/350.000) blieb liegen. Deutlich über ihre Schätzungen stiegen Georg Schrimpfs „Am Morgen“ von 1936 mit 160.000 Euro (60.000/80.000) und Mela Muters 1913 entstandene „Danse espagnole“ mit dem Zuschlag bei 220.000 Euro (100.000/150.000).

Schwungvolle Bilder

Das Spitzenlos bei den Zeitgenossen, Tony Craggs Bronze „Runner“ von 2014, die auf 300.000 bis 400.000 Euro taxiert war, wurde kurz vor der Auktion zurückgezogen. So gelangte Günther Förgs rot und schwarz quadriertes Bild „Ohne Titel“ von 1998, ebenfalls aus der „Kaufhof“-Sammlung, mit 250.000 Euro (250.000/ 350.000) auf den vordersten Platz. Förgs Arbeit profitierte auch von den Rückgängen der kleinen, roten „Ölskizze“ Gerhard Richters von 1998 (300.000/ 350.000) und des „Silberfächers“ von Heinz Mack (200.000/300.000). Auf 120.000 Euro (120.000/150.000) kam Richters kleines Aquarell „7.4.88“, das aus der Sammlung Olbricht eingeliefert wurde. In tschechische Privatsammlungen gehen die schwungvollen Bilder von Zdeněk Sýkora, des 2011 gestorbenen tschechischen Vertreters der Konkreten Kunst: „Linien Nr.34“ von 1985 erreichte 230.000 (150.000/200.000) und „Linien Nr.40“ von 1986 160.000 Euro (90.000/ 120.000). Für 210.000 Euro (180.000/ 220.000) erwarb eine österreichische Privatsammlung Kenneth Nolands „Immingle“ von 1976. Spanischer Handel sicherte sich für 90.000 Euro (100.000/120.000) Katharina Grosses fast drei Meter breite, mit Farben besprühte Leinwand „Ohne Titel“ von 2014/15.

Gleich drei Arbeiten aus dem einstigen Besitz des niederländischen Künstlers und Sammlers Joseph Henri Gosschalk firmierten im Katalog für die Alte Kunst. Anfang der vierziger Jahre zwangsverkauft, wurden sie im vorigen Jahr an die Erben Gosschalks restituiert. Die „Bewaldete Landschaft mit Salmakis und Hermaphroditos“ von Moyses van Uyttenbroeck brachte 300.000 Euro, deutlich über der Taxe von 80.000 bis 100.000 Euro. Das um 1616 ausgeführte Gemeinschaftswerk von Joos de Momper und Jan Bruegheld.Ä., eine „Felslandschaft mit zahlreichen Figuren bei einer Höhle“, konnte die obere Schätzung verdoppeln und erreichte 200.000 Euro. Nur Godefridus Schalckens „Der junge Zeichner an einem Tisch“, um 1670, blieb mit 45.000 Euro (50.000/60.000) leicht unter der Erwartung. Für eine filigrane „Dorfstraße mit tanzenden Bauern“ auf Kupfer von Jan Bruegheld.Ä. fiel der Hammer bei 290.000 Euro (230.000/300.000) und für Claude-Joseph Vernet „Küstenlandschaft am Nachmittag“ bei 150.000 Euro (150.000/ 200.000).

Bei der Kunst des 19.Jahrhunderts reüssiert die dritte Fassung des „Bildnis von Auguste Strobl“ von Joseph Karl Stieler; ein deutscher Sammler setzte sich mit 130.000 Euro (70.000/90.000) gegen die Konkurrenz durch. 70000 Euro (70.000/90.000) brachte Michael Nehers italienische „Straße in Tivoli“ von 1832. Barend Cornelis Koekkoeks „Bewaldetes Tal mit kleinem Bach“ kam auf 40.000 Euro (40.000/60.000). Insgesamt setzte Lempertz mit Moderne und Zeitgenossen knapp zwölf Millionen Euro um. Die Alten Meister und die Kunst des 19. Jahrhunderts kommen zusammen auf 3,6 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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