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Londoner Auktionen

Es wird auf die Spitzenlose ankommen

Von Anne Reimers
 - 17:36

Die Februar-Auktionen mit Impressionismus und Moderne waren bis vor wenigen Jahren traditionell die umsatzstärksten in London und der erste große Markttest des Auktionsjahrs. Rekordumsätze – wie die 186,5 Millionen Pfund, die Sotheby’s vor fünf Jahren allein bei der Abendauktion mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus für 63 verkaufte Lose einspielte – scheinen jedoch in weite Ferne gerückt. Jetzt erwartet Sotheby’s für 33 Lose im Abendangebot 41,8 bis 59,6 Millionen; vor einem Jahr lag der Gesamtumsatz der gleichen Veranstaltung bei 87,7 Millionen Pfund für zwanzig verkaufte Lose.

Das erste Jahr von Sotheby’s als privates Unternehmen, nach seiner Übernahme durch den französisch-israelischen Unternehmer Patrick Drahi, wird mit besonderem Interesse verfolgt. Noch wichtiger als die aktuellen Londoner Auktionen sollen die Termine im Mai in New York sein. Sotheby’s, Christie’s und Phillips konkurrieren derzeit angeblich um die Akquise von zwei großen amerikanischen Privatsammlungen: der von Harry und Linda Macklowe, deren jüngst erfolgte Scheidung den Verkauf erfordert, und der des im Dezember gestorbenen Wall-Street-Unternehmers Donald B. Marron. Zusammen würden sie moderne und zeitgenössische Kunst im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar in den Auktionsmarkt spülen.

Christie’s hat in der kommenden Woche – wie schon im Februar 2019 – eine fast doppelt so hohe Gesamtschätzung wie die Konkurrenz Sotheby’s angepeilt. Für die 49 Lose in der Abendauktion mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus am 5.Februar erwartet man bei Christie’s 73,37 bis 108,78 Millionen Pfund. Im Februar 2019 setzte das Haus mit 67 Losen 165,67 Millionen Pfund um. Das Londoner Angebot in der kommenden Woche überzeugt bei beiden Auktionsfirmen dennoch mit Qualität und Marktfrische – auch wenn kein Los höher als zwölf Millionen Pfund geschätzt ist.

Der Abend bei Sotheby’s am 4. Februar wird angeführt von zwei Gemälden, die 2018 vom französischen Staat an die Erben des Sammlers Gaston Lévy restituiert wurden. Camille Pissarros 92 mal 92 Zentimeter messende „Geléeblanche, jeune paysanne faisant du feu“ – mit einer Erwartung von acht bis zwölf Millionen Pfund – entstand im Jahr 1888, als er sich intensiv mit der neoimpressionistischen Strömung auseinandersetzte. Das zweite Werk aus der Sammlung Lévy ist Paul Signacs „La Corne d’Or. Matin“ (Taxe 5/7 Millionen Pfund). Lévy erwarb beide Werke 1927. Sie wurden 1940 vom Nazi-Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg beschlagnahmt; zwei Jahre nach dem Krieg wurden sie dem französischen Staat übergeben. Ein drittes, an die Erben Lévys restituiertes Bild ist Signacs „Quai de Clichy. Temps gris“ (600.000/800.000), das 2012 in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt gefunden wurde; Augenzeugenberichte deutscher Soldaten, die 1940 an der Beschlagnahme teilnahmen, konnten es der Sammlung Lévy zuordnen.

Spitzenpositionen der Abendauktion

Zu den Highlights bei Sotheby’s gehört auch Ernst Ludwig Kirchners marktfrischer „Akt vor dem Spiegel“ (3/5 Millionen) aus dem Jahr 1915, der erst kürzlich in der Kirchner-Ausstellung der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen war. Er wurde eingeliefert von Erben Roman Norbert Ketterers, dem 2002 gestorbenen Galeristen und Nachlassverwalter Kirchners. Ketterer hatte das Bild 1957 aus dem Nachlass von Doktor Frédéric Bauer in Davos übernommen, dem Kirchner es 1937, wenige Monate vor seinem Freitod, geschenkt hatte.

Bei Christie’s teilen sich Tamara de Lempicka und Alberto Giacometti die Spitzenposition der Abendauktion am 5.Februar, mit auf je acht bis zwölf Millionen Pfund taxierten Werken. Giacomettis „Trois hommes qui marchent (Grand plateau)“ entstand 1948 und erzielte zuletzt 2008 bei Sotheby’s 9,4 Millionen Pfund inklusive Aufgeld. De Lempicka war die gefragteste Porträtmalerin des Art déco: Ihr etwa einen Meter hohes „Portrait de Marjorie Ferry“ zeigt die mit einem Finanzier verheiratete Pariser Kabarettsängerin in erotisch unterkühlter Pose – ein weißes Laken um die Hüften geschlungen, das ebenso kalt und hart wirkt wie die sie flankierenden Säulen. Der Einlieferer übernahm das Bildnis 2009 bei Sotheby’s in New York zum damaligen Rekordpreis von 4,9 Millionen Dollar inklusive Aufgeld aus der Sammlung des deutschen Modedesigners Wolfgang Joop. Der Veräußerer will offenbar von steigenden Preisen profitieren; denn im Oktober 2019 erzielte de Lempickas „La tunique rose“ in New York überraschend den Auktionsrekord von 13,36 Millionen Dollar inklusive Aufgeld.

Ein neuer Rekord steht auch für George Grosz, den sarkastischen Kritiker der politischen und sozialen Realität in der Weimarer Republik, an. Christie’s hat sein Gemälde „Gefährliche Straße“ (4,5/6,5 Millionen) aus dem Jahr 1918 mit einer Garantie abgesichert; der Rekord für Grosz liegt seit 1996 bei 1,43 Millionen Pfund. „Gefährliche Straße“ wurde eingeliefert aus einer Schweizer Sammlung, in der es sich seit etwa 1970 befand; es war zuletzt 1999 in der Ausstellung „Die Nacht“ im Haus der Kunst in München zu sehen.Von den zwanzig Stadtbildern, die Grosz um die Zeit des ersten Weltkriegs schuf, sind nur noch drei in privater Hand, zehn befinden sich in Museen, sieben sind verschollen oder zerstört. Beträchtlich zum Umsatz von Christie’s beitragen sollen auch zwei Stillleben von Picasso: „Intérieur au pot de fleurs“ (7/10 Millionen), entstanden 1953, und „Nature morte au chien“ (4/6 Millionen) von 1962.

René Magrittes Ölgemälde „À la rencontre du plaisir“ führt die separate Surrealismus-Versteigerung an und ist – wie de Lempicka und Giacometti – mit acht bis zwölf Millionen Pfund bewertet. Die Preise für Magritte haben in den letzten Jahren stark zugelegt, der derzeitige Rekord liegt bei 26,8Millionen Dollar. „À la rencontre du plaisir“ vereinigt typische Motive wie einen Mann im Anzug und mit Melone und blauen Himmel kombiniert mit nächtlicher Stimmung. Das Bild befand sich seit 1962, dem Jahr seiner Entstehung, in derselben Familiensammlung.

Quelle: F.A.Z.
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