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Münchner Ergebnisse I

Jüngling mit Hund, Frau mit Marder

Von Brita Sachs
 - 10:05

Die Bilanz des ersten Halbjahrs belegt Ketterers größte Stärken, erneut bei Werken der Klassischen Moderne und, wie schon mehrmals zuletzt, bei Arbeiten der Zero-Künstler. Hier zunächst zu den Klassikern der mit weitem Abstand umfangreichsten Münchner Veranstaltung: Wieder gelangte Max Pechstein ins Spitzenfeld, der dem Haus seit einigen Jahren exzellente Preise in Millionenhöhe beschert. Diesmal kam „Stürmisches Wetter an der Ostsee (beschienene Wellen)“ zum Aufruf, gemalt 1919 an der Kurischen Nehrung, wo, so empfand es Pechstein, „der unselige Krieg keinen Eindruck auf die Natur mit ihrem ewig gleichen Rhythmus und ihrer je nach Jahreszeit wechselnden Farbharmonie“ hatte hinterlassen können. Ein Schweizer Privatgebot über 560 000 Euro machte das auf 350 000 bis 450 000 Euro taxierte Bild zum teuersten Los der drei Auktionstage; inklusive Aufgeld bedeutet das 700 000 Euro. Rotglühender Sonnenuntergang an der Nordsee bei Borkum begeisterte Jawlensky 1928, das Ergebnis sicherte sich für 420 000 Euro, knapp über Obertaxe, ein deutscher Sammler. Als weiterer Musterexpressionist schaffte Otto Mueller mit der marktfrischen helltonigen Idylle „Zwei Mädchen auf einer Waldwiese“ von 1910 die obere Schätzung von 300 000 Euro.

„Solide Ergebnisse und zufriedene Kunden“, so lautete das diesmal etwas moderater ausgefallene Resümee: Erstmals seit längerem verzeichnete das Haus - statt eines neuen Umsatzrekords - mit zwanzig Millionen Euro insgesamt einen Rückgang um vier Millionen gegenüber dem Vorhalbjahr. Das geht sicherlich auch auf das Konto der engen Materiallage oder auf das solcher potentiellen Einlieferer, die ihre abwartende Haltung aufgrund diverser politischer Unsicherheiten erst einmal noch beibehalten. Dennoch kann sich die Reihe der im sechsstelligen Bereich veräußerten Werke sehen lassen: „Drei Akte mit Schildkröte“, von Campendonk um 1920 gemalt und bis 1971 Eigentum seiner ersten Frau Adda, gingen für 180 000 Euro (Taxe 200 000) an ein Telefon, und eine schöne „Blaue Figur“ von ihm in Mischtechnik auf Velin schaffte 105 000 Euro (70 000/90 000). Karl Hofers „Mann (Jüngling) mit Hund“, eine von drei Versionen des introvertierten Motivs, übernahm für 140 000 Euro (120 000/140 000) ein Ehepaar im Saal.

„Humunkulus aufsteigend“

Kerzengerade Profilhaltung wählte Schlemmer für einen Rotschopf, eine „Sitzende“ aus dem Jahr 1929; auch sie war heiß umworben und wurde mit 210 000 Euro (140 000/180 000) honoriert. Nolde- Aquarelle gipfelten in Sonnenblumen für 120 000 Euro und einer prächtigen „Brandung“ für 100 000 Euro (um 70 000). Unter den Erwartungen von 400 000 bis 600 000 blieb mit dem Hammerpreis von 350 000 Euro das höchsttaxierte Los, Kandinskys Aquarell „Kleines Warm“ von 1928, das der Künstler einst Jawlenskys Freundin Lisa Kümmel schenkte. In einer mit Sonderkatalog begleiteten Privatsammlung tat sich Hans Purrmanns „Hafen von Porto d’Ischia“ hervor, der mit 80 000 Euro die Obertaxe erreichte. Und als gesuchte Papierarbeiten reüssierten dort Pechsteins Aquarell „Badende an der Buhne“ von 1912 mit 30 000 Euro (10 000/15 000) oder Kirchners um 1910 in wenigen farbigen Kreidestrichen genial erfasstes liegendes Mädchen mit 36 000 Euro (40 000/60 000).

Taktisch geschickt absolvierte Robert Ketterer die Versteigerung der Gegenwartsofferte vor dem Kapitel „Kunst nach 1945“, womit ein starker Schlussakkord gewährleistet war. Bei den Zeitgenossen nämlich warteten keine großen Sensationen: Mit 60 000 Euro (60 000/80 000) für Jason Martins „Evangelist“, eine wie gekämmtes Blondhaar wirkende Acryl-Gel-Struktur auf Edelstahlraute, war das Ende der Fahnenstange schon erreicht. Anselm Reyle folgte mit 52 000 Euro (50 000/70 000) für eine Streifenreihung aus Folien, Farbe und Acrylglas von 2007.

Die Kunst nach 1945 legte sich dann gleich mit Baumeisters „Homunkulus aufsteigend“ von 1953 ins Zeug, wenngleich 290 000 Euro nicht ganz die Schätzung trafen, anders Hans Hartungs blautonige Komposition „T1965-H 8“ mit 120 000 Euro oder auch Josef Albers’ Studie eines grau gerahmten blauen Quadrats „Framed Sky“ mit 150 000 Euro und Yves Kleins „Monochrome bleu (IKB 262)“ mit 180 000 Euro. Mit Kleins Schwager Günther Uecker betrat dann der Zero-Großmeister die Bühne mit mehreren Werken, um Platz zwei der gesamten Veranstaltung mit einem dunklen Nagelfeld von 1979 zu erobern, das gegen internationalen Ansturm eine Dame aus Bayern für 420 000 Euro (200 000/300 000) an sich brachte. Mit 210 000 Euro (200 000/300 000) davon die Hälfte musste später der Käufer eines „Weißen Felds“ von 1988 aufwenden. Andere Zero-Künstler standen gleichfalls bestens da: Pienes „Luther Rose“, 1962 in die rote Ölfarbe gebrannt, kam auf 280 000 Euro (150 000/200 000), Heinz Macks „Schwarzes Licht im Relief“ aus Wellpappe auf anvisierte 110 000 Euro und Schoonhovens weißes Waffelrelief „R70-41“ auf 155 000 Euro (um 70 000). Auch Sean Scullys „Small Grey Window“ von 1999 gelang ein Riesensprung, von 60 000 auf 175 000 Euro. Figürliche Abwechslung verdankte sich Maria Lassnigs „Ich bin der Hlg. Franziskus der Waldtiere (Selbstporträt mit Marder)“: Das Ölgemälde spielte 180 000 Euro (100 000/ 150 000) ein.

Mary mit Äpfeln in den Händen

Den Saisonanfang bestritt Ketterer mit einer neuerdings auf das 19. und das frühe 20. Jahrhundert begrenzten Auktion älterer Kunst. Dass ihr Gesamterlös von 1,45 Millionen Euro 500 000 Euro über dem der vorigen Auktion Alter Kunst liege, bestätigt nach Ansicht des Hauses das neue Konzept. Kräftig geholfen haben dabei süddeutsche Künstler, vor allem Franz von Stuck: „Frühling“ hieß der Renner, ein bislang unbekanntes Gemälde von 1900/ 1901 mit der halbfigurigen Profildarstellung einer jungen Frau mit Blütenkranz und Blumenstrauß. Stuck-Freunde weltweit, sogar aus Russland und Hongkong, umwarben es, bevor dann doch ein bayerischer Sammler bei 240 000 Euro (30 000/ 40 000) den Sieg davontrug. Karriere machten auch Stucks Kentaur im „Sonnenuntergang“ von 1891, als der Hammer bei 74 000 Euro (um 30 000) fiel, sowie das Porträt von Stucks Frau Mary mit Äpfeln in Händen, das für 46 000 Euro (um 25 000) nach England ging. Überraschend teuer wurde mit 34 000 Euro (10 000/ 15 000) Alfred Weisgerbers „Dame im Park“; der Schüler Stucks malte 1910 seine Frau unter Bäumen, eine ansehnliche Komposition, für die es Gebote hagelte.

In Süddeutschland bleiben Ludwig von Hofmanns „Tanzende in weiter Landschaft“ für 60 000 Euro (50 000/70 000). Auch im lebhaften Gerangel um Jan Chelminskis „Parforcejagd“ von 1876 behielt ein inländischer Interessent mit 78 000 Euro (12 000/15 000) die Nase vorn, vor besonders polnischen Geboten.

Quelle: F.A.Z.
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