New Yorker Auktionen

David Hockney bleibt Favorit

Von Anne Reimers
Aktualisiert am 08.11.2019
 - 15:37
Die Abstrakten Expressionisten marschieren auf: In New York beginnt die Auktionswoche mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips. Eine Vorschau.

Die Auktionswoche mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen in New York bietet ein vollgepacktes Programm. Ein Schwerpunkt sind Werke des Abstrakten Expressionismus aus den fünfziger und sechziger Jahren.

Christie’s bietet prominente Provenienz und macht mit seiner „20th Century Week“ am 11. November den Auftakt. Die Abendauktion mit Impressionismus und Moderne enthält 61 Lose mit einer Gesamterwartung von 148,3 bis 219,2 Millionen Dollar. Picasso stellt die beiden teuersten Lose des Abends: „Femme dans un fauteuil (Françoise)“ entstand 1949 und trägt ein Preisschild von zwölf bis achtzehn Millionen Dollar; seine „Buste d’homme“ (Taxe 9/12 Millionen Dollar), das Porträt eines Musketiers aus dem Jahr 1968, wurde eingeliefert aus der Sammlung der kürzlich gestorbenen New Yorker Broadway-Theaterproduzentin Terry Allen Kramer. Aus ihrem Besitz stammt auch Camille Pissarros spätsommerlicher „Jardin et poulailler chez Octave Mirbeau, Les Damps“ (4/6 Millionen) aus dem Jahr 1892.

Außerdem wurde Christie’s der Verkauf der auf rund fünfzig Millionen Dollar geschätzten Sammlung aus Chicago anvertraut, die die im August gestorbene Sammlerin Marilynn Alsdorf mit ihrem Mann James zusammentrug. Aus ihrem Bestand kommt Kandinskys Komposition in Pastelltönen „Pfeil zum Kreis“ aus dem Jahr 1930 (4/6 Millionen). Erwähnung gebührt Ernst Ludwig Kirchners pink und violett leuchtendem Gemälde „Reitende Artilleristen“ (3/4 Millionen), entstanden 1915 und eingereicht von den Erben des Stuttgarter Geschäftsmanns Max Fischer, in dessen umfangreicher Kollektion Klassischer Moderne es sich seit etwa 1954 befand. Das Bild war 2010 in der Staatsgalerie Stuttgart in einer Ausstellung der Sammlung Fischer zu sehen.

In der Zeitgenossen-Auktion bei Christie’s am 13.November sind 55 Lose im Angebot. Die Gesamtschätzung von 270,3 bis 397,8 Millionen Dollar ist die höchste der gesamten Auktionswoche. An der Spitze stehen zwei Gemälde: Ed Ruscha mit seinem ironischen „Hurting the Word Radio#2“ für dreißig bis vierzig Millionen – das Wort „Radio“ in gelben Buchstaben auf leuchtend blauem Grund zwischen zwei Schraubzwingen geklemmt.

Und David Hockney mit der Rückenansicht eines Mannes, der von einem Balkon aus ein Meer von Palmen überblickt; „Sur la terrasse“ ist versehen mit der breiten Taxe von 25 bis 45 Millionen Dollar und entstand 1971 nach Fotografien eines Urlaubs von Hockney mit seinem damaligen Partner Peter Schlesinger im Hotel „La Mamounia“ in Marrakesch. Eingeliefert wurde das Bild marktfrisch aus einer europäischen Sammlung, in der es sich seit den siebziger Jahren befand; zuletzt öffentlich ausgestellt war es 1973 in Paris. Mit hochkarätiger Provenienz kommt „Untitled4, 1950“ vom amerikanischen Abstrakten Expressionisten Barnett Newman (7/9 Millionen), das aus drei schlanken, 188 Zentimeter langen roten Streifen besteht. Das Gemälde gehörte – wie auch das weiße „Untitled“-Bild mit den typischen, reduzierten schwarzen Pinselzügen von Franz Kline aus dem Jahr 1955 (3/5 Millionen) – zur Sammlung des im Mai gestorbenen chinesisch-amerikanischen Architekten I.M. Pei, dessen bekanntester Entwurf die Glaspyramide des Louvre in Paris ist.

Blau über Rot

Die Abendveranstaltung mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby’s am 12. November bietet 53 Lose im Gesamtwert von 186,8 bis 265,8 Millionen Dollar an. Die Schätzungen reichen von 200.000 Dollar für Honoré Daumiers eine Rede schwingenden Verteidiger im Gerichtssaal „Un défenseur habile“ bis zur oberen Taxe von dreißig Millionen Dollar für Claude Monets fast abstrakte Komposition der die Themse überspannenden „Charing Cross Bridge“ in London, einer Version des Motivs, von dem zwischen 1899 and 1905 insgesamt 37 Versionen entstanden. Das Gemälde kommt aus der Sammlung der im Mai gestorbenen New Yorker Sammlerin und Holocaust-Überlebenden Andrea Klepetar-Fallek wie auch Pierre Bonnards „Jeune femme se déshabillant“ (1,5/2,5 Millionen). Für „Richard Gallo et son chien Dick, au Petit Gennevilliers“ von Gustave Caillebotte, das Porträt seines engen Freundes beim Spaziergang mit dem Hund, werden achtzehn bis 25 Millionen Dollar erwartet. Zu den Highlights bei Sotheby’s zählt außerdem Vilhelm Hammershøis „Interiør, Strandgade 30“ (2,5/3,5 Millionen). Und René Magritte bleibt populär und ist gleich mit fünf Losen vertreten.

Zum Abendtermin mit den Zeitgenossen am 14. November fährt Sotheby’s 51 Lose auf, die zusammen zwischen 213,7 und 300,3 Millionen Dollar erzielen sollen. Angeführt wird die Auktion von einem Triumvirat Abstrakter Expressionisten: Das energiegeladene Gemälde „Untitled XXII“ von Willem de Kooning aus dem Jahr 1977 soll 25 bis 35 Millionen Dollar einspielen; de Koonings Auktionsrekord liegt bei 66,3 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld). Zu ihm gesellen sich Mark Rothko mit „Blue Over Red“ bei 25 bis 35 Millionen und Clyfford Still mit „PH-399“ für zwölf bis achtzehn Millionen Dollar: Diesen drei Spitzenlosen ist durch Garantien der Verkauf bereits sicher. Ein Leckerbissen anderer Art sind Wayne Thiebauds zuckrige Kuchen in einer Vitrine, „Encased Cakes“ von 1965/66 für sechs bis acht Millionen Dollar. Auch Sotheby’s hat einen Hockney, für sein Bild „Yves-Marie in the Rain“ aus dem Jahr 1973 werden acht bis zwölf Millionen Dollar erwartet.

Kleine Denkerin

Der „20th Century&Contemporary Art Evening Sale“ bei Phillips am 14. November bietet 42 Lose mit einer Gesamtschätzung von 92,2 bis 131,5Millionen Dollar. Das Spitzenlos ist Jean Michel Basquiats Mann mit Speer vor rotem Grund in „The Ring“ (10/15 Millionen) aus dem Jahr 1981. Sein Einlieferer bezahlte 2012 bei Sotheby’s 7,64 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld), damals lag die Taxe bei vier bis sechs Millionen Dollar. Marktfrisch ist Juan Mirós bunter Vogel auf grünem Grund „Paysan catalan inquiet par le passage d’un vol d’oiseaux“ (7/10 Millionen), der sich seit 1954 in derselben Familiensammlung befand. Zu den Highlights gehört auch „Johns Painting With Two Balls“ (500.000/700.000), entstanden 1987, von der 2014 gestorbenen Künstlerin Elaine Sturtevant, das sich strategisch die Bildsprache von Jasper Johns aneignet. Nach dessen jüngstem Rekordpreis von umgerechnet 24,9 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) bei Sotheby’s in Hongkong hofft Phillips jetzt entsprechend auf Erfolg mit Yoshitomo Naras „Little Thinker“ (3/4 Millionen) aus derselben Serie, einem im japanischen Manga-Stil entworfenen kleinen Mädchens im roten Kleid.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot