FAZ plus ArtikelPorzellan jüdischer Sammler

Der Stolz der Oppenheimers

Von Ursula Scheer
12.09.2021
, 08:11
Das Sammlerehepaar Franz und Margarethe Oppenheimer, hier Mitte der dreißiger Jahre mit ihren erwachsenen Kindern, dem Schwiegersohn und Enkeln.
Zerbrechlich wie das Leben: Sotheby’s versteigert das Meißener Porzellan jüdischer Sammler, das ins „Führermuseum“ kommen sollte und erst kürzlich an die Erben der Vorkriegsbesitzer restituiert wurde.

Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten erst aus Berlin, dann aus Wien von dem jüdischen Sammlerehepaar Oppenheimer notgedrungen abgestoßen; nach Amsterdam gelangt und dort von einem SS-Mann für Adolf Hitlers „Führermuseum“ gekauft; durch die alliierten Monuments Men im Salzbergwerk Bad Aussee sichergestellt; danach jahrzehntelang als Staatsbesitz der Niederlande im Amsterdamer Rijksmuseum, im Kunstmuseum Den Haag sowie im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam bewahrt und schließlich auf Empfehlung des niederländischen Restitutionskomitees an die Oppenheimer-Erben übergeben, die sich nun zum Verkauf entschlossen haben: Das ist in Kürze die Geschichte der exquisiten Sammlung von Meißener Porzellan aus dem frühen 18. Jahrhundert, die am 14. September in New York bei Sotheby’s live zur Versteigerung kommt.

Die Kollektion von Franz und Margarethe Oppenheimer steht für weit mehr als die höfische Verfeinerung des Dresdner Barocks mit „weißem Gold“ aus der 1710 gegründeten Meißener Manufaktur, in dem die 117 Lose mit einer Gesamterwartung von mehr als zwei Millionen Dollar ihren Ursprung haben. Die Provenienzgeschichte reicht von den Kabinetten Augusts des Starken und bedeutenden europäischen Privatsammlungen über den Zivilisationsbruch der NS-Zeit hinweg bis in unsere Tage, in denen vergangenem Unrecht durch Rückgaben Rechnung getragen werden soll – auch wenn die Wege der Kunstgegenstände verschlungen sind. In diesem Fall führen sie ins Hauptquartier des Auktionshauses nach Manhattan, das nur wenige Blocks entfernt von dem Gebäude in der East 86th Street liegt, in dem die Familie Oppenheimer nach 1941 wieder in Sicherheit lebte.

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Ursula Scheer
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