Teurer Alter Meister

Ein Nachtstück für die Emirate

Von Rose Maria Gropp
06.04.2021
, 15:58
Der Louvre Abu Dhabi verkündet den Ankauf von De la Tours „Fillette au braisier“. Überhaupt scheint das Museum auf Shoppingtour gewesen zu sein.

Als im vorigen November bei Lempertz in Köln George de la Tours Nachtstück „La fillette au braisier“ bei 3,6 Millionen Euro, in der Mitte der Taxe von drei bis vier Millionen, an einen ungenannten Bieter zugeschlagen wurde, hieß es danach, bei dem Käufer handle es sich um ein Museum, das mit Aufgeld also 4,34 Millionen Euro dafür bezahlt. Jetzt verkündet dieses Museum selbst den Ankauf: Der Louvre Abu Dhabi hat das „Mädchen, in ein Kohlebecken blasend“ erworben. Ihm galt immerhin der höchste Hammerpreis für einen Alten Meister jemals in Deutschland, zugleich der höchste Zuschlag 2020 hierzulande.

Überhaupt scheint der Louvre Abu Dhabi auf Shoppingtour gewesen zu sein im Jahr der Pandemie. Das Haus in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, das den Namen des berühmten Pariser Museums unter Lizenz trägt, meldet 27 neue Akquisitionen. Zu ihnen zählt auch Marc Chagalls „Entre chien et loup“, ein Liebespaar, dessen Gesichter im Schein der Sichel des abnehmenden Monds verschmelzen. Das Gemälde mit dem bekannten Motiv, entstanden in den Kriegsjahren 1938 bis 1943, befand sich zuvor in einer Privatsammlung. Hinzu kommen unter anderen ein weiteres Bild von de la Tour und zwei Bronzen von Auguste Rodin, die Büste Victor Hugos aus dem Jahr 1890 sowie „Der Ruf zu den Waffen“.

Nur einer fehlt noch immer, daran muss einmal wieder erinnert werden: jener „Salvator Mundi“, an den Leonardo da Vinci wenigstens Hand angelegt hat und der im November 2017 für bis heute uneingeholte 450,3 Millionen Dollar versteigert wurde – aller Kenntnis nach in den Besitz des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Seine Präsentation im Louvre Abu Dhabi war angekündigt, doch er kam nie dort an. Es grenzte schon an ein Wunder, sollte der Weltenretter nun zum Fest seiner Auferstehung am Persischen Golf erscheinen.

Quelle: F.A.Z.
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