Picasso-Versteigerung

Begehrter „alter weißer Mann“

Von Ursula Scheer
24.10.2021
, 15:36
Im Auktionssaal: Pablo Picasso, „Femme au béret rouge-orange“, 1938, Öl auf Leinwand, 46 mal 38 Zentimeter, verkauft für 40,47 Millionen Dollar brutto (Taxe 20/30 Millionen).
Die Sammlung des Bellagio in Las Vegas soll diverser werden. Deshalb trennte sich der Betreiber des Luxushotels von elf Werken Picassos. Bei der glamourösen Auktion wechselten sie für mehr als 100 Millionen Dollar die Besitzer.
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Für diese glamouröse Versteigerung wurde eigens der Auktionssaal von Sotheby's New York im fernen Las Vegas nachgebaut, um die perfekte Kulisse abzugeben: Elf Werke von Pablo Picasso aus der Kunstsammlung des Bellagio kamen am Samstag in dem Luxushotel unter den Hammer. Erworben hatte sie der Casino-Mogul Steve Wynn in den neunziger Jahren für das 1998 von ihm eröffnete Hotel.

Die heutigen Betreiber des Etablissements, MGM Resorts, haben allerdings andere Pläne. Sie wollen die mehr als 900 Objekte zählende Kunstsammlung des Bellagio vielfältiger gestalten und mehr Werke von Frauen, indigenen Künstlern, Vertreter der LGBTQ-Community oder Menschen mit Behinderung in sie aufnehmen. Deshalb trennten sich nun, kurz vor dem 140. Geburtstag des berühmtesten Künstlers des 20. Jahrhunderts, von knapp einem Dutzend seiner Arbeiten.

Mit Erfolg: Bei 70,5 Millionen Dollar lag die untere Gesamtschätzung; erzielt wurden brutto 108,9 Millionen Dollar. Das Glanzstück der Sammlung mit dem Titel „Frau mit rot-oranger Mütze“, auf 20 bis 30 Millionen Dollar taxiert, wurde am Samstag für 40,47 Millionen verkauft. Die Gesichtszüge zweier Frauen, mit denen Picasso Liaisons unterhielt, scheinen in dem 1938 gemalten Porträt zu verschmelzen: Marie-Thérèse Walter und Dora Maar. Zuletzt wurde das Bild 1987 bei Christie’s in New York für 880.000 Dollar versteigert. Steve Wynn erwarb es knapp zehn Jahre späer bei Acquavella Galleries.

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Auch zwei Werke aus den letzten Lebensjahren des Künstlers kamen zum Aufruf: Das großformatige Gemälde „Mann und Kind“ erzielte 24,4 Millionen Dollar mit Aufgeld, die „Büste eines Mannes“ 9,5 Millionen. Eine kleinere Keramikarbeit, „Le Dejeuner sur l'herbe“ übertraf seine Taxe mit einem Ergebnis von 2,1 Millionen Dollar um ein Vierfaches. Die Namen der Käufer blieben ungenannt. Leer werden die Wände des Picasso Restaurants im Bellagio nach der Versteigerung nicht sein: Zwölf andere Gemälde des Künstlers aus der hauseigenen Sammlung werden dort künftig zu sehen sein.

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Quelle: FAZ.net / eer.
Autorenporträt / Scheer, Ursula
Ursula Scheer
Redakteurin im Feuilleton.
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