Vekselberg gegen Christie’s

Falsche Odaliske?

Von Lisa Bingenheimer
07.05.2012
, 05:56
Hat er nun ein Original des Malers Kustodijew ersteigert oder nicht? Der russische Oligarch Viktor Vekselberg streitet mit Christie’s vor Gericht - er will die Farbprobe.

Nicht nur in den Vereinigten Staaten, auch in Großbritannien gibt es einen Rechtsstreit über eine mutmaßliche Kunstfälschung, wenngleich in kleineren Dimensionen. Während die New Yorker Galerie Knoedler und deren ehemalige Präsidentin Ann Freedman mit Klagen in Höhe von siebzehn und 25 Millionen Dollar überzogen wurden, geht es in London um 1,7Millionen Pfund. Bereits im Sommer 2010 hat der russische Oligarch Viktor Vekselberg Klage gegen das Auktionshaus Christie’s erhoben, auf Rückerstattung des Kaufpreises und Schadensersatz. Denn Vekselberg ist der Überzeugung, dass ein von ihm im Jahr 2005 bei Christie’s ersteigertes Gemälde einer „Odaliske“ nicht, wie das Auktionshaus sagt, von der Hand des bekannten russischen Malers Boris Kustodijew stammt.

Er stützt sich dabei hauptsächlich auf Untersuchungen, denen zufolge das Werk erst in den vierziger Jahren signiert worden sei - also mehr als dreizehn Jahre nach Kustodijews Tod. Um das beweisen zu können, beabsichtigt Vekselberg, naturwissenschaftliche Analysen vornehmen zu lassen, die zum Teil die Entnahme von Farbproben erfordern. Damit ist jedoch Christie’s nicht einverstanden, weil das Auktionshaus eine Beschädigung des Gemäldes befürchtet, wie die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtet. Außerdem hält Christie’s die Untersuchung für überflüssig, weil die Experten des Hauses von der Richtigkeit der stilkritischen Analyse ausgehen: Die Maltechnik, das für Kustodijew typische Sujet und der Vergleich mit anderen Werken des Künstlers haben sie überzeugt.

Naturwissenschaftliche Untersuchungen gehören bislang nicht zu den Usancen im Kunstmarkt, wenn grundsätzlich keine Zweifel an der Authentizität eines Werks bestehen. Erst die Vorkommnisse in jüngerer Zeit - allen voran der spektakuläre Skandal um den deutschen Fälscher Wolfgang Beltracchi, der internationale Kreise zog - brachten die stilkundliche Begutachtung als einziges Instrument der Beurteilung in die Kritik. Das Londoner Gericht jedenfalls ist sich der Schwierigkeiten bei der Authentifizierung des Gemäldes bewusst: Volle neunzehn Tage hat es für die Verhandlung angesetzt. Ohnehin werden, nach Informationen der Zeitung „Daily Mail“, die Kosten der Beweisaufnahme die Höhe des Kaufpreises übersteigen.

Quelle: F.A.Z.
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