Zeitgenossen bei Phillips

Erfolg mit Frauen-Power

Von Anne Reimers, London
17.04.2021
, 10:32
Es lief nicht schlecht bei Phillips in London. Vor allem junge Künstlerinnen mit afrikanischem Hintergrund konnten ihre Erwartungen vervielfachen.

Phillips setzte bei seiner Londoner Frühjahrsauktion mit Zeitgenossen und Kunst des 20. Jahrhunderts siebzehn Prozent mehr um als bei der entsprechenden Veranstaltung im vorigen Jahr. Insgesamt wurden 24,8 Millionen Pfund eingespielt; dreißig von 33 Losen im Angebot, das sind 91 Prozent, wurden verkauft. Cheyenne Westphal, die deutsche Chairwoman von Phillips, hob nach der Auktion die Internationalität sowohl der Akquise als auch der Vermittlung hervor. Gebote wurden aus 33 Ländern entgegengenommen, asiatische Sammler waren besonders aktiv.

Junge Malerinnen mit afrikanischem Hintergrund, die in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien leben oder studiert haben, preschten vorneweg: Das erste Los stellte die 1994 geborene britisch-nigerianische Malerin Joy Labinjo, die in „Untitled“ sich selbst als junges Mädchen mit ihrer Tante dargestellt hat. Ihr Doppelporträt stieg auf 55.000 Pfund (Taxe 20.000/30.000), ein Teil des Erlöses wird der nichtkommerziellen South London Gallery zugutekommen. Neben Toyin Ojih Odutola und Jordan Casteel war Lina Iris Viktor mit ihrem Gemälde „Constellations III“ besonders gefragt: Es stiegt auf 155.000 Pfund (30.000/50.000). Von dem britisch-nigerianischen Maler Tunji Adeniyi-Jones kam das große Ölgemälde „Love Ritual“ zum Aufruf; dafür fiel der Hammer erst bei 120.000 Pfund (30.000/40.000). „Clarivel Right“, ein glitzerndes Damenporträt von Mickalene Thomas wurde knapp über seiner unteren Taxe bei 250.000 Pfund vermittelt.

Das Spitzenlos des Abends stellte Jean Dubuffet. Seine Collage auf Leinwand „La féconde journée“ aus dem Jahr 1976 gehört zu den größtformatigen Werken seiner gefeierten Serie „Théâtres de mémoire“ und war 2001 bei der wichtigen Retrospektive zu seinem hundertsten Geburtstag im Centre Pompidou zu sehen. Die Taxe lag bei 1,5 bis zwei Millionen, der Zuschlag erging erst bei 3,6 Millionen Pfund; der erfolgreiche Telefonbieter bezahlt mit Aufgeld 4,37 Millionen. Mark Rothkos „Untitled (Black Blue Painting)“ blieb mit 2,35 Millionen knapp hinter seiner unteren Erwartung von 2,5 Millionen Pfund zurück. Der Einlieferer machte einen Verlust, denn er ersteigerte das Werk 2018 bei Phillips in New York für umgerechnet drei Millionen Pfund. Auf 2,35 Millionen Pfund (2/3 Millionen) kamen auch Frank Stellas konzentrische Quadrate in „Scramble, Ascending Spectrum/Ascending Green Values“ von 1977. Der Einlieferer hatte 2006 bei Sotheby’s mit Aufgeld 1,92 Millionen Dollar bezahlt.

Der Wandbehang aus flachgepressten Aluminium-Flaschenverschlüssen „Plot a Plan IV“ des ghanaischen Bildhauers El Anatsui wurde innerhalb seiner Taxe für 760.000 Pfund verkauft. Ed Ruschas „Oxides“ verdoppelten mit 600.000 Pfund ihre untere Taxe. Zur Enttäuschung geriet Paula Regos ein wenig unheimliches Gemälde „The Aunt (Nada)“, das – geschätzt auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund – unverkauft blieb, trotz ihrer anstehenden Retrospektive in der Tate Britain. Etwa zehn Minuten lang wurde dagegen um Alberto Giacomettis marktfrische Bronze „Nu debout II“ aus einer japanischen Sammlung gerungen; das Gefecht endete bei 1,48 Millionen (800.000/1,2 Millionen). Für Banksys Spraybild „Gas Mask Boy“ aus dem Jahr 2009 fand Phillips noch kurz vor der Auktion einen externen Garantiegeber, und die obere Taxe wurde um 500.000 Pfund auf 2,5 Millionen angehoben. Zugeschlagen wurde das Werk allerdings schon zur unteren Taxe von 1,8 Millionen Pfund.

Quelle: F.A.Z.
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