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Die Art&Antique in der Hofburg

Unter Kult-Wienern

Von Nicole Scheyerer
 - 15:15

WIEN, im November

Der Rahmen dieser Kunstmesse ist schon seit einem halben Jahrhundert höchst feudal: Seit 1968 nämlich findet in der Wiener Hofburg die beliebte Art&Antique statt, die jetzt ihr fünfzigstes Jubiläum feiert. Das Kunstereignis in der ehemaligen Kaiserresidenz hat sich im Lauf seines Bestehens verjüngt und internationalisiert. Zunächst auf Antikes und österreichische Kunsthändler beschränkt, reicht die Angebotspalette heute bis in die Gegenwart, und zahlreiche Galerien reisen aus dem Ausland an. Die Messe, die seit 1976 auch mit ihrem Ableger in der Salzburger Residenz viel Erfolg hat, zog im Vorjahr mehr als 18000 Besucher an und wird seit mehr als vier Jahrzehnten von denselben Betreibern organisiert.

Die aktuelle Jubiläumsausgabe legt einen Schwerpunkt auf die Wiener Moderne, verstarben doch vor hundert Jahren die Jugendstilgrößen Gustav Klimt, Egon Schiele, Koloman Moser und Otto Wagner. Der Kunsthandel Giese&Schweiger präsentiert Klimts Bleistiftzeichnung eines „Liegenden Halbakts nach links“ von 1912/13. Mit lasziven Blick adressiert das sich räkelnde Modell dort den Betrachter. Klimts Schützling Egon Schiele hat sich selbst immer wieder nackt dargestellt: Seine 1911 entstandene Zeichnung „Stehender männlicher Akt mit erhobenen Armen“ ähnelt dem Frühexpressionisten jedoch nur durch den kantigen Körper und die signalhafte Pose. Dieses Blatt, das rückseitig eine Baumstudie zeigt, war bereits in zahlreichen Ausstellungen vertreten und ist mit 560000 Euro beziffert. Am Stand von Schütz Fine Art hängt Kolo Mosers quadratisches Bild „Die Badenden“ von 1912/13, das jüngst in einer Museumsausstellung in Linz zu bewundern war.

Unter den Möbeln aus dem Fin de siècle lockt ein schwarzer Thonet-Hocker, den Otto Wagner 1905 für sein Hauptwerk, die Postsparkasse, entwarf (20000 Euro). Der Kunsthandel Kolhammer hat aber auch noch eine vierteilige Sitzgarnitur von Wagner zu bieten, die J.&J. Kohn in Bugholz ausführten (12500 Euro). Außerdem stammt von Wagner und dem dänischen Kunstgießer Lauritz Rasmussen ein original erhaltener, bronzener Handspiegel (16000 Euro). Und die Galerie Susanne Bauer stellt noch einen eleganten Schreibtisch von Kolo Moser vor (16000 Euro).

Der Galerist und Antikenhändler Christoph Bacher trifft derzeit auf viel Interesse für die Kombination von Alt und Neu und bringt entsprechend an seinem Stand Schieles souveräne Zeichnung „Kauernde“ von 1917 mit einer 2500 Jahre alten attischen Terrakotta-Kanne zusammen; die darauf dargestellte Göttin wird dem Maler Nikoxenos zugeschrieben (38000 Euro). Die Londoner Galerie David Aaron kommt zum ersten Mal in die Hofburg. An ihrem Stand döst ein „Ruhender Ibis“, der zwischen 663 und 632 vor Christus in Ägypten aus Bronze und mit einem Holzkorpus hergestellt wurde. Seelenruhig wirkt auch der achtzig Zentimeter hohe, polychrome Holz-Samurai aus der Edo-Periode, den die belgische Handlung Blue Elephant/Blue Art mit im Gepäck hat. Die Galerie Darya aus Karlsruhe präsentiert die japanische Skulptur einer Bauersfrau aus Elfenbein und patinierter Bronze aus der Meji-Zeit.

Keine Art&Antique kommt ohne die Evergreens des lokalen Kunsthandels aus, wie zum Beispiel einem „Feldblumenstrauß“ von Olga Wisinger-Florian, der bei KovacekSpiegelgasse farbig leuchtet (48000 Euro). Auch Szenerien des vielgereisten Aquarellmalers Rudolf von Alt, wie sein Bild „Die Schreckbrücke in Badgastein“ bei Giese&Schweiger (95000 Euro), erfreuen sich steter Beliebtheit. Waldmüllers „Kirchgang im Frühling“ von 1863 ist, bei der Galerie Kovacek, mit einem Preisschild über 650000 Euro versehen. Alfons Waldes unzählige Male kopiertes Winterbild „Auracher Kirchl“ hängt bei Kovacek&Zetter, während seine „Winteridylle“ den Blick auf Bergbauernhöfe im Schnee richtet (285000 Euro). Einen rührenden Anblick bietet Emil Noldes Ölbild „Junge Familie“ aus dem Jahr 1949 bei Schütz Fine Art, das an das Neue Testament gemahnt.

Den zeitgenössischen Blick auf ein verschneites Bergmassiv bietet Peter Brandl, der – wie Walde – auf einen blitzblauen Himmel setzt. Der Popstar Falco, der als einziger österreichischer Musiker in den Olymp der amerikanischen Charts aufgefahren ist, leuchtet rot am Stand der Neuen KunstGallery aus Karlsruhe: Die Chancen für Nikolai Makarovs auratisches Porträt des vor zwanzig Jahren gestorbenen Kult-Wieners (38000 Euro) stehen gut. Blaue Pantoffeltierchen vor Knall-Orange hat hingegen ein pastoses Ölbild von Gunter Damisch bei der Galerie422 Margund Lössl zu bieten. Und ungewöhnlich farbstark für Max Weiler fiel sein „Blumenstrauß“ in Eitempera-Farben auf Papier aus, den der Tiroler Künstler 1990 gemalt hat (58000 Euro). Ein Großformat von Josef Mikl stellt Lilly’s Contemporary Art Exclusive Antiques, Wien, mit der fast drei Meter hohen „Großen Ebene mit Rot“, entstanden 1985/86, aus (120000 Euro).

Art&Antique. In der Hofburg, Wien; bis zum 18.November. Eintritt 13Euro.

Quelle: F.A.Z.
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