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Vorschau: Ketterer

Näher am Olymp

Von Brita Sachs
 - 16:26
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Ketterer macht es diesmal ganz anders. Die bisherige Epocheneinteilung des Angebots wurde gestrichen und das gesamte Angebot der Moderne-Auktionen vom 6. bis 8. Dezember unter den Titel „Klassiker des 20. Jahrhunderts“ gestellt. Einzige Ausnahme ist eine kleinere „Contemporary“-Zugabe. Künstlern späterer Generationen wie Baselitz oder Uecker spricht die Maßnahme einen vergleichbaren „Klassiker-Status“ zu wie Altstars wie Nolde oder Corinth. Indem Ketterer außerdem die Lose aus Stil- oder Epochenklammern löst und sie bunt durcheinandermischt, lässt er, salopp gesagt, die Alten jünger, ihr Werk aktueller wirken, und die Jüngeren rückt es näher an den Olymp. In der attraktiven Hauptpartie am dritten Auktionstag umgibt also Jawlenskys „Abstrakter Kopf: Erleuchtung“ von 1919 (Taxe: 20.0000/30.0000 Euro) statt des vertrauten Umfelds „Klassische Moderne“ der thematische Kontext einer kleinen Folge von Köpfen. Eine Porträt-Lithographie Picassos von seiner schönen Geliebten „Françoise“ (50.000/70.000) ist darunter und vor allem Gerhard Richters Konterfei von Willy Schniewind. Richter malt den rheinländischen Unternehmer und Kunstsammler 1965 nach Art eines leicht verwackelten Schwarz-Weiß Fotos in einer Serie, die der Galerist Alfred Schmela angestoßen hatte. Drei Versionen entstanden, eine brachte vor acht Jahren bei Sotheby’s in London 1,43 Millionen Euro, die vorliegende – sie gehörte Schniewind selbst – stellt sich mit der Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro dem Verkauf.

Auktionshäuser legen größte strategische Sorgfalt in die Regie des Versteigerungsablaufs; man wird es zum Beispiel kaum erleben, dass nach einem besonders erfolgversprechenden Objekt gleich das nächste Großkaliber aufs Pult kommt. Der Saal soll sich nach heißen Gefechten erst mal wieder beruhigen. Ein geschickter Einbau der Highlights gibt dem ganzen Rhythmus, und um Überdruss vorzubeugen, werden längere Werkstrecken ein und desselben Künstlers in der Regel vermieden. Sechs Uecker-Arbeiten streute man bei Ketterer weit über die rund 90 Lose besagter Hauptpartie. Das früheste und mit 600.000 bis 800.000 höchstgeschätzte stammt aus dem Durchbruchsjahr des Künstlers 1964 und dürfte seinen Titel „Zärtlicher Garten“ von der rosenroten Färbung des sanft wogenden Nagelfelds herleiten. Eine größere Zahl von Aquarellen Emil Noldes setzt immer wieder Farbfunken (ab 40.000/60.000). Noldes großes, 1929 gemaltes Ölbild „Herbstwolken, Friesland“ mit Bernhard-Sprengel-Provenienz kehrt im Kreise jüngerer Gegenstandslosigkeit den hohen Abstraktionsgrad der fast vollständig in kräftigen Rot-, Blau- und Dunkeltönen aufgelösten Landschaft und atmosphärischen Erscheinungen hervor. Erwartet werden für das Bild 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Auch Baselitz’ „Mäanderlied“ adelt feine Herkunft: das große Ölbild von 1991 gehörte dem Verleger Alfred Neven-DuMont (300.000/400.000). Nach seinem Weltrekordzuschlag für Nay im vorigen Jahr (1,85 Millionen) kann Ketterer nicht über mangelnde Einlieferungen klagen; diesmal führt das Scheibenbild „Schwarze Sternenbahnen“ von 1955 mit 400.000 bis 600.000 Euro die Nay-Auswahl an. Gleich hoch taxierte man Kirchners farbige Pastellzeichnung „Selbstporträt mit Gerda“ – die Schwester seiner Lebensgefährtin Erna gibt er hier 1915 als Rückenakt mit Highheels.

Sonnengebräunt sitzt Erich Heckels 1914 signierte „Badende am Stein“ im Sand an der Flensburger Förde (500.000/700.000), während Otto Muellers „zwei Frauen“, eine Mischtechnik auf Papier, nackt am Bach sinnieren (80.000/120.000). In sich versunken wirkt auch ein Hinduknabe, den Carl Hofer auf einer Indien-Reise um 1911/12 unter Palmen malt (180.000/240.000). Aus August Mackes bester Zeit stammt eine Kostbarkeit: „Begrüßung“, eines der leuchtend farbigen Aquarelle, die 1913 am Thunersee entstanden, es strotzt nur so vor Licht und Lebensfreude (350.000/450.000). Tony Craggs glänzende, dunkelrot patinierte Bronze aus der Werkserie „Versus“ kommt in der „Contemporary“-Hauptauktion zum Aufruf (250.000/350.000). Für Figürliches sorgt Stephan Balkenhol unter anderem mit einem Frauen- und einem Männerkopf in Tondi, die er 1993 anlässlich einer Ausstellung für die Giebel der Hamburger Deichtorhallen schnitzte (80.000/120.000). Zwischen vielen gradlinigen Farbfeld- und Streifenarbeiten von Imi Knoebel und Katharina Grosses freieren Farbexperimenten schickt Karin Kneffel einen Dalmatiner über einen rot-weißen Fliesenboden (70.000/90.000), und Ding Yi ergeht sich in seinen Kreuzstrukturen, hier mit „Appearance of Crosses 2008-9“ (100.000/150.000).

Quelle: F.A.Z.
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