Vorschau: Bassenge

Zebras in der Nacht

Von Camilla Blechen
23.11.2018
, 16:54
Zebras, Zirkuslöwen, spielende Hunde und eine Stubenfliege gibt es bei der Auktion Alter und Moderner Kunst bei Bassenge in Berlin zu entdecken.
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Eine Stubenfliege auf angetrockneten Brotscheiben berechtigt die Zuschreibung eines unsignierten „Stilllebens mit Kapaun, Austern und Artischocke“ an den Frankfurter Barockmaler Georg Flegel. Auf der vom 28.November bis zum 1.Dezember dauernden Versteigerung Alter und Moderner Kunst bei Bassenge in Berlin teilt das Bild – bei einer Taxe von 60.000 Euro – die Spitzenposition mit dem Aquarell „Venedig, Santa Maria della Salute“ von Emil Nolde, das nach dem Verkauf an einen Berliner Bieter vor neunzehn Jahren zu Bassenge zurückkehrt. Altmeistersammler warten gespannt auf teils hochkarätige Blätter von Dürer und Rembrandt, dessen „Landschaft mit der Hütte bei dem großen Baum“ für 30.000 Euro angeboten wird. Dürer ist mit 24 Blättern vertreten; besonders begehrt sein dürften die Kupferstiche „Der Liebesantrag“ (Taxe 28.000 Euro), „Das Meerwunder“ (24.000) und „Der Traum“ (12.000).

Je 6.000 Euro einspielen sollen Ansichten von Catania und Neapel, die dem brillanten Zeichner Louis-Jean Desprez während einer 1778 unternommenen Italien-Reise gelangen. Mehr als hundert Jahre später ließ Carl Morgenstern den Golf von Neapel in goldenem Morgenlicht erstrahlen (15.000). Als Maler, Zeichner und Graphiker präsent ist der auf die Flora und Fauna Afrikas spezialisierte Wilhelm Kuhnert, den die Frankfurter Schirn gegenwärtig in einer Retrospektive vorstellt: Radierungen kosten um 400 Euro, ein Ölbild „Tropennacht am Fluss“, auf dem eine Zebraherde im Mondschein festgehalten ist, soll 4.000 Euro bringen, ein „Ruhendes Zirkuslöwenpaar“ 6.000 Euro. Von besonderem Reiz sind zwei „Zimmerbilder“ von unbekannter Hand, in denen sich die französische Wohnkultur des Second Empire mit Sitz- und Schreibgelegenheiten spiegelt (je 1.800 Euro). Der aberwitzig aufgetürmte Hut einer „Modischen Dame“ gab Adolph Menzel Anlass, die absurde Kreation mit weichem Bleistift festzuhalten (6.000). Wie man um 1900 die Freizeit verbrachte, bezeugen Franz Skarbinas brieflesende junge Frau in schulterfreier Robe (12.000) und Max Liebermanns Skizze eines Biergartens in Blankenese (6.000). Bei der Skulptur erscheint Ernst Barlachs zur „Flamme“ stilisierte Gewand-Figur in einem postumen Guss von 1979 (30.000). Zwei „Spielende Hunde“ der Renée Sintenis sind für 16.000 Euro, ein „Kniendes Kälbchen“ von Ewald Mataré für 8.500 Euro angeboten. 25.000 Euro fordert Munchs Porträt des Jugendfreunds August Strindberg.

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Die Gegenwart vertritt ein leuchtend grünes, elektronisches Objekt von Jenny Holzer, das dem Betrachter in senkrecht angeordneten Versalien „Pleasure“ wünscht (8.000). Als Wandschmuck funktionieren soll eine aus Keramik gefertigte „Rastersonne“ von Otto Piene, die als Multiple immerhin 99-mal existiert (4500).

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Blechen, Camilla (C.B.)
Camilla Blechen
Freie Autorin im Feuilleton.
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