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Vorschau: Koller

Zwischen Berg und Bluff

Von Felicitas Rhan
 - 17:18
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Dieses Jahr starten die Dezember-Auktionen bei Koller in Zürich mit der Veranstaltung zur Schweizer Kunst. Das Haus offeriert am 7. Dezember 86 Lose mit einer Gesamterwartung von 2,8 Millionen Schweizer Franken. Den Auftakt macht ein nur 23 mal 29 Zentimeter großes Aquarell von Albert Anker: Die „Bauernküche“ ist zwar verlassen, dafür kommt das Blatt marktfrisch für 6.000 bis 9.000 Franken zum Aufruf. Preislich angeführt wird das Angebot mit einem farbintensiven Sonnenuntergang am Abendhimmel von Félix Vallotton. Das 1911 entstandene Ölgemälde „Coucher de soleil jaune et vert“ ist auf 700.000 bis 1,2 Millionen Franken taxiert – und das einzige Millionen-Los der Offerte. Adolf Dietrichs „Abendstimmung am Untersee“ entstand fünfzehn Jahre später (Taxe 200.000 bis 300.000 Franken). Verblüffend ist die formale und farbliche Ähnlichkeit zwischen beiden Landschaftsbildern, obwohl sich beide Künstler nicht kannten. Wie Vallotton, der seinen Sonnenuntergang in intensivem Gelb und zartem Violett widergibt, reduziert auch Dietrich seine Farbpalette auf Sonnengelb, Nachtblau und ein intensives Rose für die Schleierwolken. Ferdinand Hodler ist mit drei Werken in der Auktion vertreten, darunter eine kleine, schön karge „Landschaft mit Weidenbäumen“ von 1880 (150.000/250.000 Franken), die der Maler nach seiner Spanien-Reise anfertigte. Zwei idyllische Bergpanoramen kommen von Gottardo Segantini – „Sera d’Inverno“ von 1919, eine Schneelandschaft mit Blick von Maloja auf die Berge Piz Surlej und Corvatsch – und von Giovanni Giacometti – „Bergell mit Blick auf die Sciora-Gruppe“ von 1931. Beide marktfrischen Ölgemälde sind auf je 120.000 bis 180.000 Franken veranschlagt.

Den Katalogtitel zu Kollers Auktion mit Impressionismus und Klassischer Moderne, die ebenfalls am 7. Dezember stattfindet, schmückt Emil Noldes Ölgemälde „Doppelbild“ von 1918 mit einer Erwartung von 600.000 bis 900.000 Franken, das Toplos der Veranstaltung: Das in kräftigen Farben und markanter Formensprache gehaltene Doppelporträt spiegelt Noldes Interesse am psychologischen Abbild von Paarkonstellationen wider. Die Dargestellten sind zwar nicht identifiziert, wurden aber vom Maler bildlich sehr nah zusammengestellt und fügen sich kompositorisch durch die unterschiedlichen Profilansichten ineinander. Eine 25 mal 38 Zentimeter kleine Farbstift-Zeichnung „Nächtliche Landschaft“ von Paul Klee aus dem Jahr 1937 geht mit 80.000 bis 120.000 Franken an den Start. Vier Jahre zuvor malte Otto Dix sein Gemälde „Wintertag in Randegg“ (Taxe 70.000/100.000 Franken): Es entstand in einer Zeit, in der sich Dix vom Großstadtleben zurückzog und der Landschaftsmalerei zuwandte, weil seine Kunst von den Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkt und verboten worden war. Ebenfalls ins Auge stechen die um 1917/18 entstandene, zarte Arbeit auf Papier „Femme“ von Amadeo Modigliani (30.000/50.000 Franken) und die einzige Skulptur des Angebots: Antoniucci Voltis 80 Zentimeter lange Bronze „Nu allongé, Chiffonnette“ entstand 1967 und befindet sich seit 1988 in Privatbesitz (Auflage von 6; 20.000/30.000 Franken). Die 55 Lose sollen zusammen 1,5 Millionen Schweizer Franken umsetzen.

Einen Tag später, am 8. Dezember, auktioniert Koller seine Zeitgenossen. Von Victor Vasarely kommen zwei Bilder unter den Hammer, die beispielhaft für das Werk des Op-Art-Begründers sind: Das rechteckige Acryl-Gemälde im Hochformat „Tridium“ (24.000/28.000 Franken) unterliegt einem Geflecht aus geometrischen Formen in satten und leuchtenden Farben, durch die eine aktive Dynamik entsteht und die zugleich eine optische Täuschung von Bewegung veranlasst. Das zweite angebotene Acryl-Bild, das geometrisch schwarz-grau-weiße Gitterwerk „KASS-II“ (60.000/8. 000 Franken), entstand 1973 und gibt dem Auge des Betrachters ebenfalls den Eindruck einer fluktuierenden Bewegung. Pierre Soulages fertigte seine unbetitelte Gouache auf Papier auf Leinwand im selben Jahr an: Hier wird mittels Überlagerung eine fast grenzenlose Tiefe erreicht, die schwarzen und blauen Farbbänder scheinen sich bis ins Unendliche fortzusetzen. Das 75 mal 54 Zentimeter große Werk ist mit einer Taxe von 80.000 bis 140.000 Franken das Spitzenlos der Zeitgenossen-Auktion. Und einer von Andy Warhols „Mickey Maus“-Farbsiebdrucken mit Diamantenstaub soll 70.000 bis 90.000 Franken einbringen (Auflage von 200). Die Gesamterwartung für die 118 Lose liegt bei 750.000 Franken.

Quelle: F.A.Z.
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