Wittelsbacher-Auktion

Mit und ohne Krönchen

Von Brita Sachs
09.04.2021
, 13:48
Passend zur Jahreszeit: Liegendes Kaninchen, Nymphenburg, um 1917, Modell von Isabella von Bayern
um 1917, Porzellan, Höhe 13 cm, Zuschlag 5000 Euro (Taxe 600/700 Euro).
Gegenstände aus königlichem Besitz scheinen für manche unwiderstehlich: Ergebnisse der Auktion von Beständen aus dem einstigen Wittelsbacher-Schloss Nádasdy bei Neumeister.

Prinzessin Isabella von Bayern war das Geschick gegeben, ein lebensgroßes Kaninchen zu modellieren. Anders als Normalsterbliche mit gleicher Fertigkeit hatte sie aber auch die Möglichkeit, ihr Werk bei einer so berühmten Porzellanmanufaktur wie der Nymphenburger ausführen zu lassen, denn die ist eine Gründung der Wittelsbacher und ihnen seit je eng verbunden. Im Jahr 1917 schuf die Prinzessin das weiße liegende Tier, das in Schloss Nádasdy, dem ungarischen Besitz der Familie in Sárvár, aufbewahrt wurde – und das ihr Sohn Ludwig dort mit allerlei anderen Dingen einmauern ließ, bevor er 1945 mit sechzehn Gespannen vor der Roten Armee Richtung Bayern floh. Erst nach Drucklegung des Katalogs zur Auktion, in der Neumeister in München Objekte versteigerte, die die Wittelsbacher nach Jahren der Verhandlungen mit Ungarn zurückbekamen, wurde bekannt, wer das Karnickel formte. Dennoch oder deshalb erzielte das auf 600 bis 700 Euro taxierte, heiß umworbene Unikat 5000 Euro durch ein privates Gebot. Sind Adels-Auktionen ohnehin Selbstläufer, scheinen Gegenstände aus ehemals königlichem Besitz auf manche erst recht unwiderstehlich zu wirken.

Zwei Teller fürs Museum

Ein Spiegel, in dem sich Königin Marie Therese betrachtet haben könnte – den Silberrahmen schmückt ein „M“ mit Krone –, brachte 8000 statt der geschätzten tausend Euro. Die bedeutendsten Silberstücke stammten aus dem Tafelsilber der Bamberger Fürstbischöfe, das im Rahmen der Säkularisation an die Wittelsbacher gelangte und seither statt der ehemaligen Monogramme das königlich-bayerische Wappen trägt. Zwei der im 18. Jahrhundert in Augsburg gefertigten Teller sicherte sich das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg für 20.000 Euro (Taxe 6500/7000); die drei anderen Lose mit insgesamt zehn Platten und Tellern ergatterte ein süddeutsches Privatgebot für insgesamt 138.000 Euro, die dreifache Obertaxe. Bei insgesamt 67 Aufrufen fielen nur zwei Zuschläge unter Vorbehalt, und nicht nur Dinge mit bekrönten „A“ und „F“ und „O“ gingen weg wie geschnitten Brot. So fand ein silbernes, neobarockes Wandweihwasserbecken ohne Besitzerkennung bei 2200 Euro (350) einen Käufer, der es, wie Neumeister mitteilte, für seine „an Wittelsbacher Wald grenzende Hauskapelle“ erwarb.

Teuer wurde das drei Meter breite Gemälde „Turnier in Antwerpen“, entstanden wohl um 1600 in Deutschland oder Österreich: zum Hammerpreis von 100.000 Euro (20.000/25.000) nach Belgien abgegeben. Vier Porträts, die Hofmaler Joseph Stieler von Bayernkönig Maximilian I. Joseph und seiner Frau Karoline anfertigte sowie von ihren Enkelinnen Adelgunde und Hildegard als Bräute, erzielten, gemeinsam aufgerufen, 350.000 Euro und hängen zukünftig im Stieler-Haus am Tegernsee. Ein preußischer Fremdkörper im Angebot, eine große KPM-Panoramavase mit Berliner Ansichten, die König Friedrich Wilhelm III. von Preußen einst dem bayerischen Kronprinzen und späteren König Max II. schenkte, ging für 80.000 Euro (35.000/40.000) an ein Telefongebot – aus Berlin.

Quelle: F.A.Z.
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