FAZ plus ArtikelAggressive Cybertrolle

Hass aus dem Internet wird real

Von Benedikt Mahler
05.09.2018
, 14:04
Wenn die Wirklichkeit vorbeischaut: Teilnehmer einer Hass-Demo gegen den Youtuber „Drachenlord“. Trotz eines Versammlungsverbots waren mehrere Hundert Menschen zu der Demonstration gekommen.
Internet-Trollen ging es früher nur um alberne Streiche. Heute schrecken sie vor nichts mehr zurück – erst kürzlich wurde ein Grab geschändet. Wie entstand aus einer harmlosen Bewegung eine Cyberarmee der neuen Rechten?
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Wer wird im Land so sehr gehasst, dass er den Tod verdient? Diese Frage stellen sich die Menschen in einer Episode der Netflix-Serie „Black Mirror“ und stimmen darüber online ab. Unwissentlich begehen die Beteiligten dabei einen Mord im Kollektiv, denn der virtuelle Pranger bewirkt, dass sich hunderttausend insektenähnliche Mikrodrohnen auf den Weg machen, um den Geächteten zu töten. Zu Schaden gekommen ist bei dem Vorfall, der sich vorvergangene Woche in der fränkischen Provinz ereignete, zwar niemand – und doch ist die Geschichte nah dran am fiktionalen Plot der „Black Mirror“-Folge: Ein Cybermob materialisierte sich im beschaulichen Altschauerberg, einem Dorf mit gerade einmal vierzig Einwohnern, um einen Youtuber namens Drachenlord „das Fürchten zu lehren“. 50.000 sogenannte Hater und Trolle kündigten ihr Kommen an. Erschienen sind dann zwar nur 800, aber immer noch genug, um ein Großaufgebot der Bundespolizei auf den Plan zu rufen, das von einem Fußballspiel in Fürth abkommandiert werden musste.

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Begonnen hatte die im Internet organisierte Hatz schon vor Monaten. Anfangs war alles noch ein Spiel, selbst für den Lord, der mit bürgerlichem Namen Rainer Winkler heißt. Winkler ist sicherlich ein spezieller Fall. Der bekennende Metalfan und Legastheniker fabuliert in der Halböffentlichkeit des Internets gerne mal über Sex mit Tieren oder bezeichnet den Holocaust als eine „nice Sache“. Immerhin 75.000 Menschen haben seinen Kanal auf Youtube abonniert. So weit, so grotesk. Vor kurzem dann geriet der Drachenlord ins Epizentrum einer Hasskampagne, an der sich Zehntausende im Netz beteiligten.

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Quelle: F.A.S.
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