Ausfälle in der Filmbranche

Weiterhin Geld für den Film

Von Helmut Hartung
10.09.2021
, 20:52
Die Filmbranche wurde hart getroffen durch Corona. Ausfallfonds sollen die Verluste auffangen. Mit Blick auf den Herbst werden diese nun verlängert.
Bei coronabedingten Drehausfällen übernehmen Versicherungen weder die zusätzlichen Kosten noch die wirtschaftlichen Verluste. Um den daraus resultierenden Unsicherheiten entgegen zu wirken, werden die Ausfallfonds nun verlängert.
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„Babylon Berlin“ ist die aufwendigste und teuerste Serie, die bisher in Deutschland gedreht worden ist. Seit dem Frühjahr wird die vierte Staffel produziert. Dutzende Schauspieler sowie ungefähr 2000 Komparsen, dazu Produzenten, Kameraleute, Regisseure, Techniker und Assistenten lassen die Weimarer Republik wieder lebendig werden. Das Kernteam besteht aus etwa 150 Beschäftigten. Die Dreharbeiten laufen unter strengen Hygieneauflagen: Täglich erfolgen Schnelltests, mehrmals pro Woche PCR-Tests. Es gibt am Set zudem eigene Covid-Units, die die Maßnahmen überprüfen. Da Versicherungen weder zusätzliche Kosten noch wirtschaftliche Verluste bei coronabedingten Drehausfällen übernehmen, haben Bund und Länder im vergangenen Jahr einen Corona-Schutzschirm für die Filmwirtschaft, die Ausfallfonds I und II, beschlossen, um bei Kino- und TV-Produktionen die negativen Auswirkungen der Pandemie abzumildern. Beide Fonds sollten am 30. September 2021 enden, werden nun aber verlängert.

Der Ausfallfonds I wird mit 69 Millionen Euro durch den Bund und mit 31 Millionen Euro durch Länder mit starken Filmstandorten finanziert. Er soll Ausfallkosten bei Kinofilmproduktionen und Serienproduktionen absichern. Schäden werden mit bis zu 1,5 Millionen Euro berücksichtigt, wobei der Produzent fünf Prozent der Schadenssumme selbst tragen muss. Wie die Staatsministerin für Kultur und Medien (BKM) der Produzentenallianz jetzt mitgeteilt hat, kann der Anteil des Bundes an diesem Fonds bis 31. Dezember 2021 und bei Bedarf bis zum 31. März 2022 in Anspruch genommen werden.

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Um den zweiten Fonds, der Fernsehproduktionen absichern soll, haben die Produzentenallianz, die Länder und TV-Sender lange gerungen. Schließlich trat er Anfang des Jahres in Kraft. Zwölf Länder beteiligen sich mit 48,5 Millionen Euro an diesem Hilfspaket. Diese Bundesländer übernehmen bis zu 57,5 Prozent des anerkannten Covid-19-Ausfallschadens, die Fernsehanbieter und auch Streamingdienste 32,5 Prozent. Die Selbstbeteiligung der Produzenten beträgt zehn Prozent, mindestens aber 10.000 Euro. Wie die F.A.Z. aus Länderkreisen erfahren hat, wird auch dieser Fonds bis 30. Juni 2022 verlängert.

„Die Film- und Fernsehwirtschaft in Deutschland steht weiterhin vor dem Problem, dass es bisher keinen adäquaten Versicherungsschutz gegen drohende pandemische Wellen zu vertretbaren Bedingungen gibt“, erläutert Dr. Christoph Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz, die Bedeutung beider Ausfallfonds. Die Produktionsunternehmen würden bei ihren Drehs zwar sehr effektiv, aber auch sehr kostenintensiv auf umfangreiche Hygienemaßnahmen setzen, doch eine hundertprozentige Sicherheit gebe es in diesen Zeiten nicht. Mit Blick auf den Herbst und die steigenden Infektionszahlen sei es für die Branche daher von großer Bedeutung, dass die Ausfallfonds I und II fortgesetzt werden. Nur so könnten zurzeit audiovisuelle Produktionen aufgrund der Corona-Lage vor unkalkulierbaren Risiken geschützt und eine erhebliche branchenweite Verunsicherung verhindert werden, so Palmer.

Sowohl der Ausfallfonds I als auch der Ausfallfonds II sollen bisher, wie aus Staatskanzleien bestätigt worden ist, zu weniger als fünf Prozent in Anspruch genommen worden sein. Sowohl die Produzentenallianz als auch Experten der Filmwirtschaft führen das auf die sehr gute Umsetzung der Corona-Hygienekonzepte zurück. „Wie viel gedreht wird, das finde ich wirklich beeindruckend." Den Einsatz von Hygiene-Maßnahmen habe man „hervorragend hinbekommen, das war eine irre Leistung“, sagte dazu Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin der Filmförderung des Medienboard Berlin-Brandenburg, gegenüber dem rbb. Diesen positiven Trend bestätigt auch Thomas Schreiber, Geschäftsführer der ARD Degeto gegenüber dieser Zeitung: „Ein Großteil unserer Produktionen - jährlich über 100 Filme und Serien sowie mehr als 400 Folgen der beiden ARD Daylies - konnten in diesem Jahr wie geplant produziert werden. Es gab bei den von uns beauftragten Produktionen erfreulicherweise keine weitreichenden Drehabbrüche. Bei einigen wenigen Produktionen (etwa sechs) gab es Drehverzögerungen oder Umplanungen. Aufgrund der umfassenden Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen am Set, basierend auf den Empfehlungen der Berufsgenossenschaft ETEM, ist das Infektionsgeschehen weitestgehend unter Kontrolle. Wir freuen uns daher sehr, dass zum Beispiel gerade ein neuer Donnerstags-Krimi aus der "Kommissar Dupin"-Reihe in der Bretagne gedreht werden kann."

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Quelle: F.A.Z.
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