Corona-Risiko für Produzenten

Corona-Ausfallfonds zahlt weiter

Von Helmut Hartung
14.01.2022
, 07:42
Wer sichert Dreharbeiten gegen ein Corona-Risiko ab?
Versicherungen lehnen es ab, Dreharbeiten gegen ein Corona-Risiko abzusichern. Bund, Länder und Sender springen mit knapp 150 Millionen Euro ein.
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Wieder steigende Corona-Inzidenzen und schärfere Schutzmaßnahmen führen auch bei der Filmwirtschaft zu Verunsicherung und wirtschaftlichen Verlusten. Kinos mussten erneut schließen beziehungsweise mit deutlich reduzierter Besucherzahl den Betrieb aufrechterhalten. Auch bei Fernseh- und Kinofilmproduktionen gab es vereinzelt Drehunterbrechungen. Jetzt haben sich der größte Teil der Bundesländer sowie die vier großen Sendergruppen verständigt, den Ausfallfonds für Fernsehproduktionen bis zum 30. Juni fortzuführen. In Bayern, NRW und Berlin können bereits wieder Anträge eingereicht werden, bei den anderen acht Bundesländern, die sich am Fonds beteiligen, wird das in Kürze möglich sein. Nur Thüringen ist nicht mehr dabei. Ansprüche können rückwirkend zum 1. Oktober geltend gemacht werden, da die bisherige Regelung zum 30. September 2021 auslief. Die Entscheidung war zeitraubend, da die Mittel des Fonds erst mit dem Finanzhaushalt des jeweiligen Bundeslandes bewilligt werden konnten.

Für die Produktionsfirmen und Sender ist das ein wichtiges Signal, auch angesichts eines größeren Risikos durch die Omikron-Variante. Senderkreise bestätigen, dass im vergangenen Jahr trotz der Corona-Pandemie mehr TV-Produktionen in Auftrag gegeben wurden. Die Dreharbeiten laufen nach wie vor unter strengen Hygieneauflagen: Regelmäßig erfolgen Schnell- und PCR-Tests. An vielen Sets gibt es Covid-Units, die die Maßnahmen durchsetzen.

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Seit Januar 2021 insgesamt nur 49 Schadensfälle gemeldet

Nach Informationen aus den beteiligten Staatskanzleien wurden dank dieser aufwendigen Schutzmaßnahmen seit Januar 2021 insgesamt nur 49 Schadensfälle gemeldet, für die 1,5 Millionen Euro an Kostenerstattungen bezahlt worden sind. In den 49 Ausfallmeldungen sind auch die Anträge mit einberechnet, die bisher noch nicht bewilligt werden konnten.

„Ich freue mich über die Verlängerung des Ausfallfonds bis zum 30. Juni 2022. Dank der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Sendern wurde mit den Fonds ein zentrales Instrument geschaffen, trotz pandemischer Lage Produktionen zu ermöglichen“, sagt Christoph Palmer, Geschäftsführer der Allianz Deutscher Produzenten, im Gespräch mit der F.A.Z. „Die geringe Inanspruchnahme zeigt aber auch die stabilisierende Wirkung der Fonds. Sie ist ein Indiz für hohe Standards bezüglich Vorsichts- und Hygienemaßnahmen bei Dreharbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass die Branche bei coronabedingten Schäden auch in der Zukunft nicht alleingelassen wird.“

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Nach wie vor sind Versicherungen nicht bereit, coronabedingte Drehausfälle abzusichern. Ein erneutes Gespräch zwischen Vertretern der Filmwirtschaft, den Sendern und der Politik hat zu keinem Sinneswandel bei der Versicherungswirtschaft geführt. So sind Länder und Bund gezwungen, mit einem Corona-Schutzschirm, den Ausfallfonds I und II für Kino- und TV-Produktionen, die Folgen der Pandemie abzumildern.

An den bisherigen Regelungen bei möglichen Drehunterbrechungen und der Absicherungssumme ändert sich nichts. Der Ausfallfonds II trat Anfang vergangenen Jahres in Kraft. Das Hilfspaket der elf Länder hat einen Umfang von 48 Millionen Euro. Die Länder übernehmen bis zu 57,5 Prozent des anerkannten Covid-19-Ausfallschadens, die Fernsehanbieter und Streamingdienste 32,5 Prozent. Die Selbstbeteiligung des Produzenten beträgt 10 Prozent, mindestens aber 10 000 Euro. Seit Ende 2020 sichert zudem der Ausfallfonds I, der mit 69 Millionen Euro durch den Bund und mit 31 Millionen Euro vor allem durch die Länder mit starken Filmstandorten finanziert wird, Ausfallkosten bei Kinofilmproduktionen und hochwertigen Serienproduktionen ab. Schäden werden mit bis zu 1,5 Millionen Euro berücksichtigt, wobei der Produzent fünf Prozent der Schadenssumme selbst tragen muss. Dieser Fonds wurde bis 31. März dieses Jahres verlängert.

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Quelle: F.A.Z.
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