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Neues „Star Wars“-Videospiel

Das kann eben nicht Jedi

Von Axel Weidemann
Aktualisiert am 14.12.2019
 - 08:40
Put on my blue suede sword: Ritter Cal muss sich in „Star Wars Jedi: Fallen Order“ nicht nur den ikonisch gewordenen Sturmtruppen, sondern auch der Frage stellen, ob die Macht noch mit ihm ist.zur Bildergalerie
In fröhlicher Wut mit dem Lichtschwert in den Abgrund schlittern: Mit dem Videospiel „Star Wars Jedi: Fallen Order“ versucht „Electronic Arts“ an den Erfolg einstiger Titel anzuknüpfen. Lohnt sich der Sternenkriegerkampf als Weihnachtsgabe?

Advent, Advent ein Lichtschwert ... – halt, Moment, wir müssen feststellen, auch dieser Weihnachtsreim kam schon zu oft im Sternenkriegerkostüm mit entzündeter Taschenlampenklinge daher. So wie alles, was auf dieser Erde nach 1977 (und wahrscheinlich auch davor) existierte, einmal von George Lucas’ „Star Wars“-Filmreihe erfasst worden ist oder noch werden wird.

Das birgt für viele Sympathisanten und Fanatiker einen gewissen Zwiespalt: Uns berührt einerseits (peinlich) der auf der Internetseite von „real“ unter „Spielwaren zu Minipreisen“ angebotene „Swarovski Star Wars – Darth Vader, Groß, limitierte Ausgabe 2017“ („Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren, da Erstickungsgefahr durch verschluckbare Kleinteile“) für preiswerte 23.750 Euro, und andererseits der Versuch des Videospiel-Giganten „Electronic Arts“ (EA), dem auf dem Gaming-Markt zuletzt stark angeschlagenen Franchise neues, altes Leben einzuhauchen.

„Star Wars Jedi: Fallen Order“ heißt der jüngst erschienene Titel. Die Erwartung an das Spiel war groß. Vor allem, weil EA seit dem 2013 mit Disney abgeschlossenen Lizenzgeschäft mit seinen „Battlefront“-Spielen nur zwei neue Titel ins Programm genommen hatte, die zwar hübsch anzusehen, aber inhaltlich und spieltechnisch so fad und leblos waren wie die ausgeblichenen Knochen des Krayt-Drachen-Skeletts auf Tatooine in Episode VI.

Diese aber heißt nicht umsonst „Eine neue Hoffnung“. Und deshalb sollte mit dem neuen Lichtschwert-Action-Puzzle-Hüpf-und-Hangel-Titel alles anders, das heißt wie früher, werden. „Star Wars: The Force Unleashed“ (Lucas Arts, 2008) hatte vor mehr als einer Dekade eindrucksvoll vorgemacht, wie man eine alte Geschichte in einem interaktiven Spiel neu verpackt. Es verkaufte sich nicht nur gut, es gewann sogar einen Preis der „Writers Guild of America“ für das beste Videospiel-Skript. In Wirklichkeit aber waren viele Spieler schlicht von dem Umstand begeistert, dass man als fallender oder zumindest am Abgrund tänzelnder Darth-Vader-Padawan „Starkiller“ machtbesessen durch die Level fegen konnte, wie es nur ein – nun ja – eben wildgewordener Vader-Schüler kann.

Das gestaltet sich nun anders. Selbst wenn man die Schwierigkeitsstufe des Spiels nur auf „Jedi Ritter“ (normal) stellt und nicht auf „Jedi Meister“ oder „Großmeister“. Es gibt einen Story-Modus, aber von dem ist abzuraten, weil er wie „God-Mode“ wirkt und ein Großteil des lichtschwertbefeuerten Spielspaßes verlorengeht, wenn Gegner zu Pappkameraden werden. Wer seine Jedi-Reflexe trainieren will, ist bei diesem Spiel gut aufgehoben. Die Kampfsteuerung, die sich am japanischen Fantasy-Schwertfeger „Sekiro: Shadows Die Twice“ (FromSoftware, 2019) orientiert, verlangt vom Spieler, dass er das Parieren und Ausweichen in seinen Kampfstil integriert. Dazu gehört es, Schläge, Schüsse, Stiche und Bisse im richtigen Moment zu parieren, um gegebenenfalls zu kontern.

Sich an die Steuerung zu gewöhnen – ein gewaltiger Teil des Spiels besteht aus kniffligen Partien, in denen gesprungen, geklettert, gehangelt, geschlittert und an Wänden entlanggelaufen wird – bereitet zu Beginn noch großen Spaß, weil das Tutorial recht elegant mit der Einführung des Charakters Cal Kestis (Gesicht, Mimik und Gestik stammen von Cameron Monaghan) kombiniert wird. Wir treffen den ölverschmierten, aber topfrisierten Rotschopf auf dem Planeten Bracca, wo er sich als einstiger Jedi-Schüler verstecken muss, seit in Episode III „Die Rache der Sith“ mit Imperator Palpatines berühmter „Order 66“ die Auslöschung des Ordens der Jedi-Ritter befohlen wurde.

Auf einem Schiffsfriedhof machen wir uns mit den Turn-Fähigkeiten der Figur vertraut, während es um uns herum funkt, fiept, dröhnt, sprazzt, rattert, rumpelt, schwere Schiffe vorbeifliegen und der Controller in der Frequenz ihres Antriebs vibriert. Naturgemäß lässt die Einführung dem Spieler wenig Freiheiten, ist aber bis zu dem Punkt, an dem der angehende Jedi-Ritter auf seine obligatorischen Gefährten trifft, ein Schmaus für Auge, Ohr und Tastsinn sowie die gebeutelte Fan-Seele: Freundschaft, Verlust, Heldenmut, Rettung, Schwert-Akrobatik und eine weibliche Vader-Schülerin verursachen ein Kribbeln, das anderweitig nur mehr der golden glänzende Rollschriftzug auf der Kinoleinwand in Kombination mit John Williams Titelmusik hervorzurufen vermochte. Da macht es auch nichts, dass schon wieder nicht erklärt wird, warum seit Darth Vader nun jeder Bösewicht eine Maske zu tragen hat, obwohl keiner von ihnen je in Lava baden musste, noch irgendwelche hässlichen Narben zu bedecken hat.

Das Schicksal, die Macht oder die Macht des Schicksals würfelt uns nach einer ersten Nahtoderfahrung durch besagte Imperiale Inquisitorin, genannt die „zweite Schwester“, mit unseren drei Verbündeten zusammen: der von der Macht abgeschnittenen und im Spiel etwas kränklich dreinblickenden, einstigen Jedi-Ritterin Cere Junda („Mad TVs“ Debra Wilson), dem vierarmigen Piloten, der heißt, wie er aussieht: Greez Dritus, und dem liebevoll herumhühnernden Mini-Droiden-Sidekick BD-1 (hier fiept und tutet der Erfinder der R2-D2-Stimme und des Lichtschwertsummens, Ben Burtt, persönlich), der als eine Art Pfadfindermesser-Fernglas auf zwei Beinen auch im Spielgeschehen auf unserer Schulter kauert, die Umgebung scannt und uns im Notfall mit einer heilenden Kapsel versorgt. Mit ihnen machen wir uns im „Mantis“ genannten Raumschiff auf die Suche nach einer versteckten Liste des Jedi-Meisters Eno Cordova, der machtbegabte Kinder überall in der Galaxie aufgespürt und -gelistet hat. Mit der Liste sollen wir den Jedi-Orden im Geheimen wieder aufbauen – und das ist, so abgedroschen es auch sein mag, in diesen dunklen Zeiten eine ehrenvolle Aufgabe, von der unsere Galaxie profitieren würde.

Doch der atmosphärische Zauber der Geschichte verflüchtigt sich, trotz einiger gelungener Überraschungen, sobald der Spieler beginnt, die Planeten von Bogano bis Kashyyyk auf eigene Faust zu erkunden. Macht das Herumstromern zunächst noch neugierig, mindert das System die Freude in Sachen Spielfortschritt bald. Denn auch die besagte normale Schwierigkeitsstufe hält frustrierende Begegnungen mit Gegnern (schlimm: die hohe Monsterredundanz), geheimen Boss-Monstern oder Passagen bereit, die man oft erst später im Spiel mit ausgebauten Lichtschwert- und Macht-Fähigkeiten bewältigen kann. Erkennbar ist das selten, sorgt aber häufig für steigenden Blutdruck. Ähnliches gilt für Rätsel und versteckte Wege, für die man dann wieder auf bereits besuchte Planeten zurückkehren muss. Hier wird das Spiel unübersichtlich. Auch das zeitverschlingende Speicherpunktsystem, das dem Spieler nur an bestimmten Punkten erlaubt, den Spielfortschritt zu speichern, und eigentlich bereits besiegte Gegner wiederauferstehen lässt, zerknirscht. Für derlei Geschicklichkeitsübungen und das Durcheinander an Verstecken und Geheimnissen, die begehrte Lichtschwert-Komponenten als Belohnung bereithalten, werden auch halbwegs geübte Spieler die Geduld eines Großmeisters aufbringen müssen.

Man ist also beschäftigt mit diesem neuen Titel, der zumindest mehr Substanz enthält als alles, was EA trotz all seiner Macht zuvor geboten hat. Viel Interessantes wird der Spieler beim ersten (und vielleicht letzten) Durchspielen links liegenlassen müssen – das ärgert. Loslassen aber fällt schwer. Allerdings gehört es wohl zur Lektion eines Jedi, selbst wenn er Großmeister ist, manche Dinge unvollendet zu lassen. Nur für EA scheint diese Lektion der Fluch zu sein, der im einstigen Segen der „Star Wars“-Lizenz liegt.

Star Wars Jedi: Fallen Order ist für PlayStation 4, Xbox One und den Windows-PC erhältlich und kostet etwa 60 Euro.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weidemann, Axel
Axel Weidemann
Redakteur im Feuilleton.
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