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„Solo für Weiss“ im ZDF

Für Samstag hat er ein Alibi

Von Matthias Hannemann
29.11.2021
, 18:22
Nora Weiss (Anna Maria Mühe) trifft Dominik Kramer (Florian Lukas). Bild: ZDF
Im sechsten Fall von „Solo für Weiss“ haben alle ihr Päckchen zu tragen, während sie einen Frauenmörder jagen. Anna Maria Mühes Ermittlerin erwischt es besonders.
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Der Chef sucht zwei Jahre nach seiner verlorenen Tochter, und die besten Köpfe im Haus bekommen davon nichts mit? So soll es sich zugetragen haben: Kriminaldirektor Kurt Böhnisch (Hannes Hellmann) vom LKA Kiel hat lieber auf eigene Faust nach seiner verschwundenen Jasmin gesucht, als Untergebene wie Nora Weiss (Anna Maria Mühe) in die Ermittlungen einzubeziehen. Erst am letzten Tag vor der Pension legt er der Zielfahnderin den Schlüssel zu einer Hütte auf den Schreibtisch, in der seine Unterlagen zum Fall aufbewahrt sind – anschließend geht er in die Tiefgarage, um sich zu erschießen.

Weiss kann das Geschehen zunächst nicht einordnen. Aber sie nimmt sich schon mit Blick auf die trauernde Witwe der Suche an, und die Umstände dafür sind günstig: Ein frischer Fall der Kripo Lübeck, eine Krankenpflegerin, die vor vier Tagen verschwand und tot am Ostseestrand gefunden wurde, scheint mit dem Vermisstenfall von Böhnisch zusammenzuhängen. Der erste Verdächtige ist ein Exfreund der Toten, der als „mieser Typ“ beschrieben wird und als solcher auch augenblicklich in Erscheinung tritt. „Wo waren Sie Samstag Abend?“ Auf die klassische Frage, die man dieser Tage allenfalls noch vom Gesundheitsamt gestellt bekommt, weiß das HB-Männchen keine stimmige Antwort.

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Die sechste Ausgabe der Reihe „Solo für Weiss: Das letzte Opfer“, geschrieben von Mathias Klaschka, der mit Ausnahme der letzten Folge „Schlaflos“ an allen Episoden beteiligt war, interessiert sich allerdings mehr für die Befindlichkeiten der Ermittler als ihre dienstlichen Aufgaben. Da ist zum einen Noras direkter Vorgesetzter Jan Geissler (Peter Jordan), jetzt Böhnischs Nachfolger; er erhofft sich von der Beförderung positive Effekte für seine Ehe, landet stattdessen vor der Tür und sucht die Affäre mit Weiss per häuslicher Belagerung neu zu beleben. Da ist außerdem Weiss selbst, die den Suizid von Böhnisch beinahe verhindert hätte, dadurch angefasster ist als gewohnt – fast hätte man geschrieben: emotionaler – und sich in einer Bettszene der anderen Art um einen vereinsamten Ex-Polizisten (Florian Lukas) zu kümmern beginnt.

Trailer
„Solo für Weiss - Das letzte Opfer“
Video: ZDF, Bild: ZDF

Der Dritte in diesem Problem-Bunde ist Simon Brandt (Jan Krauter) von der Kripo in Lübeck. Er bekommt „eine letzte Chance als Papa“, was mit Blick auf den Alltag seines Berufsstandes natürlich zum Scheitern verurteilt ist. Das Vorhaben endet mit Verlustängsten, die sein Kind plagen, einem Toiletten-Pro­blem im Büro – „Was? Jetzt?“ – sowie einem dramatischen Zwischenfall, den man nicht mal den verständnisvollsten Ex-Frauen erklären könnte.

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Schon klar: Jeder in dieser Folge ist einsam und leidet, es ist ein Gefühl dieser Zeit. Und die Reihe braucht dieses Private auch, um sich weiterentwickeln zu können. In der kommenden Folge, abermals von Klaschka geschrieben, stehen größere Umbauten an. Der liebenswürdige, wenn auch keineswegs aalglatte Brandt – seit Serienbeginn 2016 das Korrektiv zur unnahbaren Nora Weiss und dem drögen Jan Geissler (vom Typ her eng mit Martin Brambachs Arne Brauner von der Kripo Flensburg verwandt, der in der Reihe „Unter anderen Umständen“ in einer auffällig ähnlichen Kon­stellation ermittelt) – soll durch einen Neuzugang namens Ben Salawi (Camill Jammal) ersetzt werden.

Nur tritt das Herzeleid der Ermittler hier einfach wieder zu stark in den Vordergrund. Die vorangegangene, zum Teil in Schweden spielende Episode „Schlaflos“ war trotz der lästigen Verzahnung von Privatem und Dienstlichem (Nora Weiss kannte die Tote) beinahe flottes Kino. Diesem Teil merkt man die Schwächen der Story trotz der dichten, von Kameramann Martin Neumeyer („Kokon“) und Filmmusiker Florian Tessloff geschaffenen Novemberblues-Atmosphäre zunehmend an.

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Menschen verfolgen sich nur deshalb zwischen Containern, damit es an Action nicht mangelt. Ein Mann wird erstochen, weil es offenbar noch nicht genug Tote gibt, ein anderer mit Schnurrbart und Retro-Pulli ist zu sehr Sonderling, um nicht Böses im Schilde zu führen, und am Ende befindet sich Nora Weiss – wie zu erwarten war – in just jenem gespenstischen Raum, in dem das Thriller-Intro stattgefunden hat: Darin war eine mit Klebeband gefesselte Frau erwacht, hatte sich befreit und war zu einer Steilküste gestürmt, an der sie ihrem Peiniger nicht weiter entkommen konnte. Wie es Weiss ergeht, das ahnt man schon – und so stirbt auch die Hoffnung nicht, dass die Reihe im nächsten Teil wieder ein wenig mehr Fahrt aufnimmt.

Solo für Weiss läuft um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.
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