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Sky-Chef Brian Sullivan

Wissen Sie, wie viele Fernsehserien in Amerika floppen?

 - 15:49

Sie haben letzte Woche eine Veranstaltung gehabt, die hieß „Generation Sky“. Klingt anspruchsvoll oder auch etwas vollmundig. Was soll es uns sagen?

Wir haben das lange diskutiert. Vor vier Jahren haben wir eine Strategie entworfen, wie Sky zu dem Fernsehangebot wird, das Deutschland braucht. Die letzten Puzzlestücke werden wir in wenigen Wochen beisammenhaben. Wir haben das hochauflösende HD-Fernsehen, wir haben mit Sky Go unser Programm für unterwegs, den Festplattenreceiver Sky Plus, den On-Demand-Service Sky Anytime, die Online-Videothek Snap, und in ein paar Tagen bringen wir Sky Go auf Android. Das ist das eine. Das Zweite ist, dass wir es unseren Kunden leichtmachen wollen, die Angebote von Sky zu bestellen. Das jüngste Projekt ist Sky Online. Damit bieten wir das meiste, das wir im Fernsehen haben, auch online an, es ist etwas anders verpackt und sehr flexibel. Das ist unser Angebot für eine mobile Generation. Deshalb auch der Name - es findet alles zusammen: Mit „Generation Sky“ meinen wir nicht eine bestimmte Gruppe, sondern jeden, der Fernsehen nach seinem Geschmack zu jeder Zeit auf allen Wegen zur Verfügung haben möchte.

Alles oder fast alles online anzubieten - widerspricht das nicht dem Gedanken und dem Geschäftsmodell von Pay TV, wo es darauf ankommt, umfangreiche Programmpakete zu verkaufen?

Die beste Fernseherfahrung bringt noch immer das gesamte Angebot auf dem großen Bildschirm. Sky Online dagegen ist praktisch, schnell und flexibel. Es geht auch nicht darum, etwas billiger zu machen. Sie bekommen bei uns das beste Programm. Aber es gibt eine große Zahl von Menschen, die sich nicht mit langfristigen Verträgen binden wollen. Dem tragen wir Rechnung.

Worin besteht dann der Unterschied zwischen Ihrem Angebot und dem von Online-Diensten wie Maxdome, Watchever oder Netflix? Ich nehme an, es sind die Inhalte - Serien, Blockbuster, Sport.

Damit haben Sie Ihre Frage selbst beantwortet.

Na ja. Sie haben die international bejubelte Serie „House of Cards“. Produziert hat die Netflix, und die sind jetzt in Europa selbst am Start. Als Zuschauer und potentieller Abonnent habe ich den Eindruck: Da läuft überall dasselbe.

Das ist eine unserer großen Herausforderungen - herauszustellen, wodurch wir besser sind. Es gibt übrigens nicht nur Netflix, es sind in Deutschland mehr als sechzig derartige Dienste auf dem Markt. Dazu zähle ich auch Sky Go, das mehr Abonnenten hat als alle Konkurrenten zusammen. Wir haben alle Kinofilme mindestens zwölf Monate vor allen anderen. Wir haben alle großen Serien, auch ein Jahr vor den anderen. Und natürlich den Live-Sport.

Welcher Wettbewerb ist entscheidend - der zwischen Pay TV und den Online-Diensten oder zwischen Bezahlfernsehen, werbefinanziertem privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk?

Unsere größte Aufgabe ergibt sich aus der Geschichte: Es gab in Deutschland lange kein gutes Pay TV zu einem guten Preis. Wir haben den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die werbefinanzierten Privatsender lange nicht richtig genug herausgefordert. Wir müssen zwar nicht von jetzt auf gleich alle 37 Millionen Haushalte, die Sky noch nicht haben, für uns gewinnen. Unsere Zielsetzung ist es, in diesem Geschäftsjahr um 400.000 bis 450.000 Kunden zu wachsen. Für uns kommt hinzu, dass es in einem deutschsprachigen Markt eine Herausforderung darstellt, in große Serien zu investieren.

Auf dem englischsprachigen Markt kann man, wie HBO, große Fernsehfilme und Serien produzieren, die sich in der ganzen Welt verkaufen. Wenn man Filme und Serien in deutscher Sprache produzieren will, muss man diese Investitionen vor allem aus Einnahmen aus dem heimischen Markt refinanzieren. Wenn wir auf dem gleichen Level wie HBO produzieren wollen, brauchen wir starke Partner. Genau dies setzen wir nun mit der ARD, Beta und X-Filme um, mit denen wir die Serie „Babylon Berlin“ auf die Beine stellen. Dahinter steckt dasselbe Investment und dieselbe kreative Anstrengung wie hinter - sagen wir mal - „Game of Thrones“. Jetzt muss es nur noch so erfolgreich werden. Wenn uns das gelingt, haben wir dem deutschen Fernsehen insgesamt einen Schub gegeben. Und wenn weitere Projekte dieser Qualitätsklasse am Horizont erscheinen, werden wir sie in Betracht ziehen. Es kommt darauf an, die richtigen Stoffe zu finden. Wir sollten nicht vergessen: Im Augenblick gibt es international mehr herausragendes Fernsehen als jemals zuvor.

Glauben Sie, die europäischen Sender und Produzenten kriegen je Serien wie die Amerikaner, wie HBO, hin?

Ich denke, das deutsche Fernsehen ist großartig und macht sich ab und zu ein wenig zu klein. Das amerikanische Fernsehen war sehr lange bei weitem nicht so gut wie heute. Erinnern Sie sich doch bitte an die Zeiten von „Denver“ und „Dallas“. Wir haben erst seit rund zehn Jahren Erfolgsserien wie „CSI“, „NCIS“ oder „Law & Order“. Und wer hatte schon ein Jahrzehnt vorher eine weltweit einzigartige Qualitätsreihe, die auch noch dazu die meisten Zuschauer findet? Die ARD mit dem „Tatort“.

Sie haben Verträge mit dem amerikanischen Qualitätssender HBO, die Ihnen alle dessen Stücke sichern. Ohne die kommen Sie nicht aus.

Wir haben den Vertrag für den Rest des Jahrzehnts verlängert - bis 2020. Daran können Sie erkennen, welchen Wert wir auf die Zusammenarbeit legen.

Das zeugt von großem Vertrauen oder - großer Abhängigkeit. Was machen Sie, wenn HBO mal richtig abschmiert?

Es wird auch einmal etwas schiefgehen. Wenn Sie die HBO-Leute fragen, werden sie Ihnen sagen: Aber klar, das passiert. Wissen Sie, wie viele Serien in Amerika floppen? 83 Prozent! Aber ich kenne keinen anderen Produzenten, der so konstant so hochklassiges Fernsehen produziert wie HBO.

83 Prozent? Dann sehen wir nur die restlichen siebzehn.

Fernsehen zu machen sieht leicht aus - wenn es denn gelingt. Ist es aber nicht. Aber wenn wir auf die Erfolgsgeschichte von HBO blicken, zeigt sich: Einen besseren Partner für Filme und Serien gibt es für uns nicht.

Wie wichtig ist für Sky der Sport, ist der Fußball, ist, dass der FC Bayern alle Endspiele gewinnt?

Welche Meisterschaft gewinnen die nicht? Deutscher Meister, Pokalsieger, davor die Champions League.

Schon, aber der Fußball ist unfassbar teuer. 485 Millionen Euro zahlen Sie pro Jahr. Zahlt sich das aus?

Ja, es rentiert sich. Fußball gehört zu unserer DNA und ist wichtig für uns, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Investitionen ausgeglichen bleiben, damit wir unsere Partnerschaft auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen können. Aktuell haben wir eine gute Balance zwischen Fußball, anderen Sportarten, Filmen und unserem Serienangebot.

Als Sie 2010 nach Deutschland gekommen sind, dürften Sie gewusst haben, dass sich Ihre Vorgänger die Zähne daran ausgebissen haben, den Deutschen Pay TV nahezubringen.

Ich habe mich vorher lieber nicht so genau informiert (lacht). Fünfzehn Jahre lang habe ich mich um den britischen Markt gekümmert. Als ich hierherkam, war das schon eine Art Blind Date. Aber es klang einfach spannend.

Was macht Sky heute anders als noch vor ein paar Jahren?

Wir haben die Ansprache an unsere Kunden verbessert. Zuerst hat niemand geglaubt, dass wir je drei Millionen Abonnenten haben würden.

Jetzt sind es fast vier Millionen.

Wir sind auf gutem Wege dorthin. Gestern erlebten wir einen historischen Moment in der Sky-Geschichte. Wir haben zum ersten Mal ein positives Nettoergebnis verkündet. Ohne Zweifel, ein gutes Gefühl. Zu Ihrer Frage: Früher hatte Sky zu wenig Raum, eine zu geringe finanzielle Basis und zu wenig Ressourcen. Das haben wir geändert, wir haben viel investiert, wir haben unsere Kundencenter aufgemöbelt, wir haben in mobile Dienste investiert und - um auf das Entscheidende hinzuweisen: Wir haben ein Programm, für das die Kunden gerne etwas bezahlen. Und, noch etwas: Wir haben die nötige Zeit. Trödeln dürfen wir natürlich nicht. Den jetzigen Stand haben wir übrigens mit dem Team erreicht, das schon da war, bevor ich anfing. Wir haben einfach unsere Kräfte freigesetzt. Man muss sich eben auf den stetigen Wandel einstellen. Nur wer den Wandel begrüßt, kann erfolgreich sein. Wer ihn ignoriert oder bekämpft, geht unter. Das gilt nicht nur für uns, sondern selbstverständlich für alle Branchen und Industrien, die der digitale Wandel herausfordert.

Davon kann die Presse ein Lied singen.

Stimmt wohl. Aber ich sage Ihnen eines, auch angesichts der Herausforderungen durch die Spielregeln der digitalen Ökonomie: Wenn ich noch einmal am Anfang meiner Karriere stünde, würde ich Lehrer oder Journalist werden wollen.

Sollte das eine Schmeichelei sein?

Von wegen. Wer will sich eine Welt vorstellen, in der unsere Kinder ohne unabhängigen Journalismus aufwachsen? Ich nicht.

Brian Sullivan, geboren 1962 in Philadelphia, führt die Sky Deutschland AG seit April 2010. Zuvor war er fünfzehn Jahre lang bei Rupert Murdochs britischem Konzern BSkyB. Davor wirkte er in den Vereinigten Staaten, unter anderem bei Viacom. Mit Sky Deutschland hat Sullivan Tempo aufgenommen: Auf 3,9 Millionen ist der Kundenstamm des Bezahlsenders angewachsen, der zu BSkyB gehört. Im letzten Quartal sind 96.000 Abonnenten hinzugekommen. Zudem erreicht Sky Deutschland erstmals die Gewinnschwelle: Der Umsatz lag im letzten Quartal bei 431 Millionen Euro, unter dem Strich blieb ein Gewinn von zwölf Millionen Euro.

Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Quelle: F.A.Z.
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