FAZ plus ArtikelBilder aus der Ukraine

Der Tanz in den Ruinen des Krieges

Von Steffi Hentschke
19.06.2022
, 08:29
Video "Stefania" von Kalush Orchestra
Video
In Musikvideos und Bildern der sozialen Medien werden die zerstörten ukrainischen Städte zur unheimlichen Kulisse ästhetischer Inszenierungen. Wie geht man damit um?
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Mit ihren weißen Schärpen sitzen die Jugendlichen auf ausgebrannten Panzern oder stehen in ausgebombten Häusern. Mit dem Blick Überlebender, ernst und echt, schauen sie in die Kamera. „Absolventen 2022“ steht in goldener Schrift auf den Schärpen. Es ist Anfang Juni in Tschernihiw, einer von der russischen Armee schwer verwundeten Stadt im Nordosten der Ukraine. Der 25-jährige Fotograf Stanislav Senyk ist von Lwiw nach Tschernihiw gefahren und hat den diesjährigen Abschlussjahrgang porträtiert. Jede Klasse habe für ihr Shooting einen Ort ausgesucht, der zeige, wie stark ihre Stadt zerstört sei, sagte Senyk der BBC. Über Instagram war eine Reporterin auf die Fotos aufmerksam geworden, Hunderttausende Male wurden die Bilder nach ihrem Bericht geteilt.

Seit Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine verfolgt die Welt in Echtzeit, wie die Menschen dort damit umgehen müssen. Dass es in keinem Krieg zuvor eine so schnelle, umfassende Versorgung mit Informationen gab, durch tägliche Pressebriefings der ukrainischen Armee, durch Satellitenbilder und Social Media, muss man niemandem mehr erklären. Auch, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Bürgerinnen und Bürger regelmäßig in Videobotschaften informiert und durch unzählige öffentliche Auftritte T-Shirt und Dreitagebart längst zu seinen Markenzeichen gemacht hat, kommt einem nicht mehr ungewöhnlich vor. Und trotzdem erzeugen die Bilder dieses Krieges noch immer Schockmomente, nicht nur, wenn sie besonders drastisch oder dramatisch sind. Sondern auch, wenn sich Realität und Inszenierung auf eine unheimliche Art vermischen. Selenskyj könnte man Inszenierung unterstellen, aber was ist mit den Schülern aus Tschernihiw? Mit den Routinen der Medienrezeption lassen sich solche Bilder kaum verarbeiten.

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Quelle: F.A.S.
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