FAZ plus ArtikelSerienregisseur Alvart

„Was ich ganz gut kann, ist Verdichtung und Überhöhung“

Von Bert Rebhandl
07.12.2018
, 06:25
Felix Kramer und Fahri Yardim spielen in „Dogs of Berlin“ die Herren von der Soko „Rote Karte“
Fußball, Betrug und der Mord an einem Sportler: Regisseur Christian Alvart hat „Dogs of Berlin“ zur Netflix-Serie gemacht. Ein Gespräch über Genrekino für Nerds und die Schwächen der Hauptstadt als Drehort.

Herr Alvart, wer sind den die „Hunde“ in „Dogs of Berlin“?

Na, alle. Das gesamte Ensemble sind die Dogs of Berlin. Es gibt diese metaphorische Ausgangslage in einer Szene am Ende der ersten Folge, wo sich Kurt Grimmer (eine der beiden männlichen Hauptfiguren) Gedanken macht, was in der Frage des freien Willens den Hundebesitzer vom Hund unterscheidet. In meiner Jugend liebte ich einige Filme mit diesem Vergleich: „Hunde wollt ihr ewig leben“, „Die Hunde des Krieges“, „Reservoir Dogs“. Die Hunde sind die Außenseiter, die nicht ganz reinpassen, die ein bisschen räudiger sind, ein bisschen mehr auf der Straße daheim. Der Titel sollte einfach zeigen, dass wir nicht in der hohen Welt der Politik und der Finanzen sein werden, sondern auf der Straße.

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Christian Alvart und „Dogs of Berlin“

Ist es denkbar, dass jemand die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft manipuliert? In „Dogs of Berlin“ tritt ein Mann auf, der solche Andeutungen macht – die sich bei einer Begegnung zwischen Deutschland und der Türkei pointiert auflösen. Zu Beginn der Serie aber steht ein Mord: Ein deutsch-türkischer Fußballstar fällt ihm zum Opfer. Die Soko „Rote Karte“ wird eingesetzt, mit den Beamten Grimmer und Birkan ist auch sie deutsch-türkisch besetzt. Sie durchquert Berliner Milieus, Klassen und Welten (Halb-, Unterwelten und nationalistische Gruppen inklusive). Christian Alvart, geboren 1974 in Jugenheim nahe Darmstadt, machte 2005 mit dem Science-Fiction-Film „Antikörper“ auf sich aufmerksam. Er gilt heute als wichtiger Vertreter des deutschen Genrekinos. Mit Til Schweiger hat er „Tatorte“ und einen Spielfilm gemacht. Mit den Stilmitteln der „Überhöhung und Verdichtung“ wolle er, sagt Alvart, nicht zuletzt einen politischen Effekt erzielen. Er will das Publikum „impfen“ gegen einseitige Bilder, aus denen leicht Feindbilder werden. Dogs of Berlin beginnt heute bei Netflix.

Quelle: F.A.Z.
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