#erlaubtaberfalsch bei Twitter

Kannste machen, ist aber Mist

Von Ursula Scheer
Aktualisiert am 10.04.2020
 - 16:45
Einer von vielen: Bei Twitter ergötzen sich Humorvolle an einer Antwort der Polizei Mittelfranken.
In der Quarantäne kommt man auf Gedanken. Etwa bei der Polizei anzufragen, ob man seinen Freund besuchen darf. Die Polizei hat sogar eine gute Antwort und setzt einen Trend bei Twitter: #erlaubtaberfalsch hilft in der Krise weiter.

Kannste schon so machen, ist dann halt Kacke – so schnodderten vor einem Jahr noch Lästermäuler (sogar auf einem Buchtitel), wenn sie ihrem Gegenüber beibiegen wollten: Was du vorhast, ist zwar dümmer, unästhetischer oder sinnfreier, als die Polizei erlauben sollte, aber nicht verboten.

Seither hat Corona die Menschen zugleich ernster und des strapazierten Nervenkostüms wegen alberner gemacht. Symptomatisch dafür ist ein unter dem Hashtag #erlaubtaberfalsch sich verbreiteter Tweet der Polizei Mittelfranken.

Bei der hatte auf Twitter eine Bürgerin im Quarantäne-versus-Liebe-Dilemma angefragt, ob sie als allein lebende Frau von ihrem Wohnort in Bayern ohne Mitfahrer im Auto zu ihrem ebenfalls allein wohnenden Partner in Thüringen reisen dürfe.

Die Freunde und Helfer von der Exekutive antworteten in schönstem salomonischem Amtsdeutsch: „Rechtlich dürfen Sie es, ob dies auch richtig ist müssen Sie selbst entscheiden.“

Damit haben sie einen Nerv getroffen, ist doch das Leben vieler nun voller Mikroprobleme mit potentieller Makrowirkung, und ein Ventil für diesen Druck ist Blödelei. So steht nun in den sozialen Netzwerken „Rechtlich dürfen Sie das, ob dies auch richtig ist ...“ neben Bildern von Leberkäse als Berliner-Belag oder Menschen in fragwürdiger Bekleidung, wird als Antwort auf die ironische Frage gegeben, ob man die AfD wählen, warmes Bier trinken oder Deutschrap hören solle – und so weiter und so fort. Interpunktions-Erbsenzähler erfreuen sich daran, dass im Tweet der Polizei ein Komma fehlt, noch ein Fall von #erlaubtaberfalsch.

Was aber ist das Schönste an diesem neuesten viralen Trend? Er wird wie alle seine Vorgänger, von der „Ice Bucket“- über die „Bird Box“- bis zur „Ten Year“-Challenge verschwinden, einfach so, ohne Impfung, ohne Herdenimmunität, ohne Quarantäne. Das ist doch ungemein tröstlich.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Scheer, Ursula
Ursula Scheer
Redakteurin im Feuilleton.
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