Facebook-Moderatoren

Wer weiß, was zu verschweigen ist?

Von Fridtjof Küchemann
16.02.2021
, 16:43
 Die irische Zentrale von Facebook am Grand Canal Square in Dublin
Irische Facebook-Moderatoren beklagen ihre Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen gemahnt an ihre Verpflichtung zur Verschwiegenheit. Dabei sagen sie, dass sie nie eine Kopie dieser Verpflichtung erhalten haben.

#stayathome: Mit diesem Hashtag versieht Leo Varadkar einige der Twitter-Botschaften an seine irischen Landsleute, in denen es immer wieder um die Beiträge der Bürger zur Eindämmung der Covid-Pandemie geht. Mitte Januar hatte der Vorsitzende der irischen Partei Fine Gael und ehemalige Premierminister sich mit Facebook-Moderatoren treffen wollen, die diesem Rat nur zu gern gefolgt wären. Allerdings waren sie angewiesen, auch im strengen irischen Lockdown ihre Arbeit nicht etwa von zu Hause aus, sondern in der Dubliner Facebook-Niederlassung zu verrichten. Der Betreiber des größten sozialen Netzwerks begründet das mit seinen Verpflichtungen zum Schutz persönlicher Daten seiner Nutzer.

Die Belastung, auch im Lockdown ins Büro fahren zu müssen, war, wie der „Guardian“ berichtet, eines der Gesprächsanliegen der Moderatoren. Sie beklagen zudem entwürdigende Überwachungsmaßnahmen. Sogar die Zeit, die sie auf der Toilette verbringen, werde gestoppt. Vor dem Gespräch mit dem Politiker hatten sich die Moderatoren von Facebook versichern lassen wollen, dass sie ohne Furcht vor Entlassungen über ihre Arbeitsbedingungen sprechen könnten. Zur Antwort bekamen sie den Hinweis auf die vertraglichen Vertraulichkeitsverpflichtungen, die sie an ihrem ersten Arbeitstag unterschreiben mussten.

Eine solche Vereinbarung, zitiert der „Guardian“ eine Stellungnahme Facebooks, habe das Unternehmen nicht mit den Moderatoren selbst geschlossen. Die Moderatoren sind bei der Firma Covalen beschäftigt, die sich beeilt zu versichern, dass sie das Recht ihrer Mitarbeiter respektiere, sich mit Politikern zu treffen. Allerdings ermutige sie ihre Beschäftigten, bei Problemen zunächst die Lösungswege innerhalb des Unternehmens zu gehen.

Glaubt man Covalen, erhält jeder Beschäftigte zusammen mit dem Arbeitsvertrag per E-Mail eine Vertraulichkeitsvereinbarung, die er unterschrieben zurücksenden solle. Jedem Mitarbeiter habe also eine solche Vereinbarung vorgelegen. Sollte sie verlorengegangen sein, schicke die Personalverwaltung gern eine Kopie. Glaubt man den Moderatoren, haben sie eine solche Erklärung vor ihrer Anstellung zwar unterzeichnet. Sie sei ihnen allerdings nur ein einziges Mal in einer einzigen Ausfertigung vorgelegt worden. Als sie vor dem Termin mit Varadkar um die Zusendung der Vereinbarung gebeten hätten, hätten weder Facebook noch Covalen geantwortet.

Quelle: F.A.Z.
Fridtjof Küchemann  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Fridtjof Küchemann
Redakteur im Feuilleton.
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