Film- und Fernsehmacher

Produzenten befürchten Insolvenzwelle

Von Helmut Hartung
05.02.2021
, 21:01
Krisenmodus in der Filmbranche: Für viele Filmemacher ist Corona existenzbedrohend
Jeder dritte Film- und Fernsehmacher erachtet die Corona-Krise als existenzbedrohend. Christoph Palmer von der Produzentenallianz erklärt, was für die Branche auf dem Spiel steht.
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Wie geht es den Film- und Fernsehproduzenten, da sich das Land im zweiten Lockdown befindet und die Corona-Pandemie nun knapp ein Jahr währt? Der Befund einer aktuellen Umfrage der Produzentenallianz und des Produzentenverbandes ist deutlich und alarmierend: Ein Drittel der befragten Mitgliedsunternehmen erachtet die Folgen der Corona-Krise als existenzbedrohend. Das sind mehr als hundert Unternehmen.

„Eine Insolvenzwelle“, sagt Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Produzentenallianz im Gespräch, „würde den deutschen Film- und Fernsehmarkt erheblich zurückwerfen. Nicht nur die internationale Konkurrenzfähigkeit, die sich die Branche in den vergangenen Jahren hart erarbeitet hat, steht auf dem Spiel.“ Die Zahl deutscher Produktionen würde drastisch sinken, massenhaft würden Arbeitsplätze verlorengehen, kreatives Potential läge brach, was selbstverständlich auch erhebliche Auswirkungen auf die Programmversorgung und -qualität hätte.

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Kinofilm leider massiv in Krise

Gerade angesichts der hohen Nachfrage nach deutschen und europäischen Produktionen wäre diese Entwicklung katastrophal, nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell, sagt Palmer. Die von Bund und Bundesländern initiierten Ausfallfonds, für welche die Produzentenallianz lange gekämpft habe, zählten zu den Instrumenten, mit denen man diesem Szenario entgegenwirken wolle. Der Ausfallfonds II für Fernsehproduktionen ist erst seit Januar in Kraft. Allerdings können sich Unternehmen rückwirkend zum 1.November 2020 anmelden. Die Corona-Absicherung für Kinoproduktionen und aufwendige Serien läuft hingegen schon seit September des vergangenen Jahres. Für diesen Hilfsfonds des Bundes hätten sich, so Palmer, bereits 53 Produktionen angemeldet.

Die Produzentenallianz sieht die Versicherungswirtschaft, die zu Corona-Schäden bislang nichts anbietet, trotz dieser Absicherung durch Bund, Länder und Sender weiterhin in der Verantwortung. Man hoffe darauf, dass, wenn das Coronavirus unter Kontrolle sei, Versicherungen angeboten würden, die bei Zahlung entsprechender Prämien ein Pandemierisiko versicherbar machen könnten.

Hofft auf staatliche Hilfsgelder für die Branche: Christoph Palmer, Geschäftsführer Allianz Deutscher Produzenten.
Hofft auf staatliche Hilfsgelder für die Branche: Christoph Palmer, Geschäftsführer Allianz Deutscher Produzenten. Bild: Produzentenallianz/Alexander Knoedel

Auch wenn die Krise des Jahres 2020 die gesamte Produktionsbranche schwer getroffen habe, gehört der Kinofilm nach Einschätzung des maßgeblichen Produzentenverbandes zu den größten Leidtragenden der Corona-Krise. Man wisse nicht, wann es wie wieder losgehe und ob die große Zahl verschobener Filme zu einer Kannibalisierung führe und die zu den Streamingdiensten abgewanderten Zuschauer wieder ins Kino zurückkehren, wenn die Filmtheater wieder öffnen dürfen.

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Erholung für die Kinos?

Die Risiken bestünden für die Produzenten aktuell vor allem darin, dass niemand einschätzen könne, wie lange der „Recovery-Prozess“ brauche. Die Regelungen aus dem neuen Filmförderungsgesetz (FFG), die eigentlich erst von 2022 an gelten und bei höherer Gewalt eine unbürokratische Flexibilisierung bis hin zum Verzicht auf die Kinoauswertung zuließen, sollten deshalb bereits in diesem Jahr Anwendung finden, sagte Palmer. Unabhängig davon fordert er eine Diskussion über „eine allgemeine Reduzierung der Sperrfristen und mehr Möglichkeiten zur Erprobung alternativer Verwertungskonzepte“.

Da die Filmförderungsanstalt des Bundes, die Sender und die Verleiher infolge von Covid-19 mit knappen Mitteln zu kämpfen hätten und deshalb die Finanzierung ausreichend budgetierter Filme schwieriger geworden sei, sollten die Mittel des Deutschen Filmförderfonds (DFFF), die 2020 nicht ausgegeben wurden, ins Jahr 2021 übertragen werden, meint Palmer.

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Im vergangenen Jahr standen hier 125 Millionen Euro zur Verfügung. Zudem müsse die Förderung durch diesen Fonds durchgehend auf dreißig Prozent angehoben werden. Die Produzenten erwarten, dass sie – wie auch andere Branchen – angemessen an den allgemeinen staatlichen Hilfsprogrammen partizipieren können. Die Abwicklung lasse teilweise sehr zu wünschen übrig. „Hoffentlich wird Deutschland hier schneller“, sagte Palmer.

Quelle: F.A.Z.
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