FAZ plus ArtikelDoku zur Primaballerina Whelan

Der letzte Tanz

Von Wiebke Hüster
Aktualisiert am 05.08.2020
 - 07:09
 Am New York City Ballet wurde Wendy Whelan abserviert und begann dann eine Karriere als Ausbilderin. Doch sie kehrte im Triumph zu ihrer alten Compagnie zurück
Mit Mitte dreißig können die meisten Tänzer nicht mehr. Was dann folgt, ist oft bitter. In einer Filmdokumentation über die amerikanische Primaballerina Wendy Whelan wird das überdeutlich.

Manche Tänzer bleiben ganz ruhig. Dem Ende ihrer Karriere schauen sie ins Auge wie einer unausweichlichen Tatsache – schließlich stirbt man nicht daran. Anderen fällt das Abschiednehmen schwerer. Ein Teil von ihnen stirbt: Ihre Bühnenpersönlichkeit, jenes rätselhafte Wesen, das Tag um Tag Metamorphosen durchlebt, liebt, kämpft, untergeht, und dabei in Applaus gebadet wird, jener schillernde Körperarbeiter, den das heilige Monster, die Bühne, Abend für Abend verwandelt.

Es muss kein Drama sein. Aber wenn man einen Moment die Augen schlösse und sich vorstellte, man müsste den eigenen Beruf aufgeben und vollkommen von vorn anfangen – was würde man dabei empfinden? Was Tänzer fühlen, ist Beunruhigung, Zukunftsangst, Verlassenheit oder besser Ausgeschlossensein. Ihre erste Existenz verwandelt sich – oft über Nacht – in Vergangenheit, ein Leben, in das sie so viel investiert haben, von früher Kindheit an.

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Quelle: F.A.Z.
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