Russische Behörden lenken ein

Fußball-Experte Robert Kempe auch für St. Petersburg akkreditiert

13.06.2021
, 11:37
Robert Kempe erhält nun doch Zugang zu allen Spielstätten der EM. Nach Berichten des ARD-Journalisten über die Rolle Gazproms im europäischen Fußball hatte Russland die Akkreditierung für St. Petersburg zunächst verweigert.

Nach einem „Hintergrund-Screening“ hatten russische Behörden die Akkreditierung des ARD-Journalisten Robert Kempe für die EM-Stätten in St. Petersburg zunächst abgelehnt. Jetzt hat der UEFA-Experte doch eine komplette Akkreditierung für das am Freitag gestartete Turnier bekommen. Kempe hatte in Dokumentationen die WM 2018 in Russland und das Wirken des Internationalen Olympischen Komitees kritisch beleuchtet. Ende Mai hatte er sich in einem Film für die ARD-„Sportschau“ und im Podcast „Sport inside“ mit dem russischen Staatskonzern Gazprom und dessen Verbindungen in den europäischen Fußball befasst. Gazprom ist größter Anteilseigner des Fußballvereins Zenit St. Petersburg und einer der Sponsoren der diesjährigen EURO 2020. Robert Kempe arbeitet seit zehn Jahren für WDR und ARD.

Das Einlenken der russischen Behörden kommentierte die WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni: „Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, Öffentlichkeit herzustellen. Wir müssen als Medien wachsam sein und nachdrücklich benennen, wenn unsere Journalistinnen und Journalisten nicht frei berichten können.“ Zuvor hatte sie die Ablehnung als „Einschränkung der Pressefreiheit, die für uns nicht akzeptabel ist,“ bezeichnet.

Seine Akkreditierung für die EURO 2020 hatte Robert Kempe Anfang Mai zunächst durch die Europäische Fußball-Union (UEFA) bestätigt bekommen. Ende des Monats wurde ihm dann jedoch schriftlich mitgeteilt, die lokalen Behörden eines Landes hätten seine Akkreditierung nach einem „Hintergrund-Screening“ abgelehnt. Auf Nachfrage teilte die UEFA der ARD mit, es handele sich dabei um russische Behörden. Die russische Stadt St. Petersburg ist einer von elf Spielorten der paneuropäischen Fußball-Europameisterschaft. Eine Akkreditierung für die Fußball-EM ermöglicht zugleich ein vereinfachtes Visum-Verfahren.

Vor drei Jahren war dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt das Visum für die Einreise zur Fußball-WM nach Russland verwehrt worden. Auch damals war die Entscheidung – auf internationalen Druck – von Russland wieder zurückgenommen worden. Nach massiven Warnungen deutscher Sicherheitsbehörden hatte Seppelt die Reise aber abgesagt. Seppelt hatte wesentlich zur Aufklärung des systematischen Sportbetrugs in Russland beigetragen und war deshalb in dem WM-Ausrichterland angefeindet worden.

Quelle: FAZ.NET
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