Fragwürdiger Maskendeal

Influencer Fynn Kliemann unter Druck

07.05.2022
, 13:04
Jan Böhmermann (links) und Fynn Kliemann (r.)
Video
Eine Recherche des „ZDF-Magazins Royale“ macht dem bekannten Influencer Fynn Kliemann zu schaffen. Er soll mit Schutzmasken unehrliche Geschäfte betrieben haben. Seine Ausrede dazu fällt recht matt aus.
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Der Influencer und Musiker Fynn Kliemann steht nach einem TV-Beitrag des Satirikers Jan Böhmermann zum Geschäft mit Schutzmasken in der Kritik. Böhmermann veröffentlichte am Freitag einen Beitrag der Show „ZDF Magazin Royale“. Darin wurde der Verdacht nahe gelegt, dass Kliemann in ein zweifelhaftes Geschäft verwickelt sein könnte. Kliemann verbreitete ein langes Statement, in dem er sein Handeln kritisch reflektierte.

Darin hieß es: „Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun 'auf den ersten Blick' enttäuscht und geschockt sind.“ Er bat zugleich um einen differenzierten Blick. Manches stimme nicht.

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Es geht unter anderem um den Produktionsort von Schutzmasken, der bewusst nicht transparent gemacht worden sein könnte. Statt zu fairen Löhnen in Europa sollen ein Teil von Kliemanns Masken in Bangladesch und Vietnam hergestellt worden sein – für einen Lohn von 120 Euro im Monat. Kliemann hatte mit einer Textilfirma zusammen gearbeitet, um zu Beginn der Pandemie im Frühling 2020 nachhaltige Masken zu einem besonders günstigen Preis herzustellen. Auf Instagram hatte er damals andere Maskenproduzenten als “Profitgeier“ bezeichnet.

In seinem Statement nun hieß es: „Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte.“ Weiter hieß es: „Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung.“ Durch diese Versäumnisse, sich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe er viele enttäuscht. Auf seinem Instagram-Profil zeigten sich dann auch viele Nutzer verärgert und posteten wütende Kommentare.

„Wir haben unsere Produktion umgestellt und stellen nun fair produzierte, wiederverwendbare Mundbedeckungen aus Europa, aus 100% Polypropylen, zur Reduzierung des Infektionsrisikos her“, schrieb Kliemann am 31. März 2020 zu diesem Foto auf Instagram.
„Wir haben unsere Produktion umgestellt und stellen nun fair produzierte, wiederverwendbare Mundbedeckungen aus Europa, aus 100% Polypropylen, zur Reduzierung des Infektionsrisikos her“, schrieb Kliemann am 31. März 2020 zu diesem Foto auf Instagram. Bild: fimbim/Instagram

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Freitag sagte Kliemann: „Die Produktion aus Bangladesch war nur für Großkunden gedacht. Ich wusste zwar darüber Bescheid, diese Masken wurden aber nie über meine Webseite verkauft oder von mir nach außen kommuniziert.“ Er bezeichnete sein Vorgehen als „Riesenfehler“ und fügte hinzu: „Ich glaube, ich fand es einfach toll, im Rampenlicht zu stehen und von allen gelobt zu werden.“ Mit den Masken hat Kliemann laut eigenen Angaben einen Gewinn vor Steuern von 415.000 Euro gemacht. Seine Aussage, er habe mit den Masken nichts verdient, bezeichnete er nun gegenüber dem Spiegel als „übertrieben“.

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Böhmermanns Vorstoß hat schon zu Konsequenzen geführt

Wer Satiriker Böhmermann in Sozialen Netzwerken folgt oder ihm aufmerksam bei Podcasts zuhört, konnte die Spur sehen, die er schon länger gelegt hatte. Das wirkte erstmal vielleicht lustig, wie er den Influencer und Musiker Kliemann auf einem öden Parkplatz parodierte und vermeintliche Mitarbeiter gängelte. Kliemann ist vor Jahren mit einem außergewöhnlichen Projekt bekanntgeworden: Mit seinem „Kliemannsland“. Das ist ein Bauernhof nördlich von Bremen. Leute kommen vorbei, wohnen zeitweise dort und arbeiten, meist ohne Bezahlung. Es wird gebastelt, geschraubt, geplaudert, Musik gemacht.

Dass Böhmermann, der im ZDF-Hauptprogramm freitagabends mit seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ zu sehen ist, mit einer Recherche an ihm dran war, war auch daran zu sehen, dass Kliemann einen Fragenkatalog des Senders auf Instagram veröffentlichte und dazu Stellung nahm. Darin ging es um diverse Themen, auch um Spendengelder.

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Den Überblick verloren

Böhmermanns Vorstoß führte bereits zu ersten Konsequenzen. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis teilte mit, dass sie eine Auszeichnung aberkenne, die Kliemann 2020 für seine „außergewöhnliche Kombination aus Gründergeist, Kreativität und Fairness“ erhalten hatte.

Außerdem ließ der Online-Händler About You, der zum Otto-Konzern gehört, verlauten: „Das ZDF Magazin Royale Video hat uns erreicht und ist uns bekannt. Aktuell prüfen wir den Fall intern, um uns ein genaues Bild von dem Sachverhalt zu verschaffen.“ In einem ersten Schritt habe man Masken der Marke „Oderso“ offline genommen. Kliemann ist Geschäftsführer von Oderso.

© TarekMueller/Twitter

Die Firma, mit der Kliemann für die Produktion der Masken zusammen gearbeitet hat, ist die Textilmanufaktur Global Tactics. Kliemann hatte am Freitag mitgeteilt, dass About You Bescheid gewusst habe, dass die Lieferungen aus verschiedenen Ländern, auch außerhalb Europas stammten. About-You-Co-Chef Tarek Müller schrieb daraufhin auf Twitter: „Das stimmt nicht. Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt. (...) Sogar der Verantwortliche von Global Tactics hat unserer Einkäuferin am Telefon heute bestätigt, dass wir nie eine Info erhalten haben über Produktionen außerhalb Europas.“ Später sagte Kliemann dem Spiegel, er habe zu dem Zeitpunkt nicht mehr überblicken können, an welche Partner die Masken aus Bangladesch verschickt wurden.

Global-Tactics-Gründer Tom Illbruck erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: Masken seien in dem betreffenden Zeitraum 2020 auch in Bangladesch produziert worden, nicht nur in Europa. Wenn zum Beispiel ein Großkunde keinen Wert darauf gelegt habe, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, „haben wir Masken angeboten, ohne explizit an jeder Stelle zu sagen, wo die Masken herkommen“. Nachgefragt zu About You sagte Illbruck: „Nach dem, was uns an Dokumenten vorliegt, gibt es keine Absprachen mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal gekommen sind und das ist an keiner Stelle schriftlich versichert worden.“

Quelle: jbm./eis.
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