In Kalifornien

Schauspieler Hardy Krüger ist gestorben

20.01.2022
, 09:43
Der Schauspieler Hardy Krüger ist tot.
Der Schauspieler starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren in Kalifornien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Krüger einer der wenigen deutschen Schauspieler, denen eine internationale Karriere gelang.
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Hardy Krüger ist tot. Der Schauspieler und Schriftsteller starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren in Kalifornien, wie seine Agentur am Donnerstag in Hamburg mitteilte. „Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen“, hieß es weiter.

In rund 75 Filmen spielte der gebürtige Berliner, der lange in Kalifornien und in Hamburg lebte, die Hauptrolle. Nach dem Krieg war er einer der wenigen deutschen Schauspieler, denen eine internationale Karriere gelang. Krüger schaffte den Durchbruch außerhalb Deutschlands in dem britischen Kriegsfilm „Einer kam durch“. An der Seite von John Wayne war er in „Hatari!“ zu sehen, gemeinsam mit James Stewart und Peter Finch in „Der Flug des Phoenix“.

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1963 erhielt das französische Filmdrama „Sonntage mit Sybill“ einen Oscar - Krüger spielte darin einen Vietnam-Veteranen, der sich die Schuld am Tod eines vietnamesischen Kindes gibt. Der Schauspieler selbst erhielt im Laufe seiner Karriere verschiedene Auszeichnungen, darunter den Bundesfilmpreis und das Große Verdienstkreuz.

Er war der „Weltenbummler“

Krüger stand mit Stars wie Claudia Cardinale, Sean Connery, Yul Brynner, Charles Aznavour, Cathérine Deneuve und Orson Welles vor der Kamera. Im Fernsehen schuf er als „Weltenbummler“ in der gleichnamigen ARD-Reihe einen Klassiker. Mit seinem Buch „Eine Farm in Afrika“ startete Krüger auch eine Karriere als Schriftsteller.

Momentaufnahme aus einer langen Karriere: Hardy Krüger im Jahr 1959 mit Romy Schneider auf dem Berliner Filmball.
Momentaufnahme aus einer langen Karriere: Hardy Krüger im Jahr 1959 mit Romy Schneider auf dem Berliner Filmball. Bild: dpa

Geboren wurde Hardy (eigentlich Franz Eberhard August) Krüger am 12. April 1928 als Sohn von Max Krüger, einem Ingenieur, und dessen Frau Auguste in Berlin-Wedding. Die Famile hatte noch eine Tochter Ilse. Wegen der Begeisterung seiner Eltern für Adolf Hitler kam Hardy Krüger an die Ordensburg in Sonthofen, ein nationalsozialistisches Elite-Internat, dessen Besuch er als Qual empfand. Mit 13 Jahren lernte er dort bereits das Segelfliegen. Im Alter von 15 Jahren wurde er von dem Ufa-Regisseur Alfred Weidenmann für den Film „Junge Adler“ (1943) entdeckt. Im Laufe der Dreharbeiten schloss Krüger Freundschaft mit dem wesentlich älteren Schauspieler Hans Söhnker, der in seinem Landhaus Juden versteckte und ihnen die Flucht in die Schweiz ermöglichte.

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Fast zum Tod verurteilt

Söhnker wurde Krügers Mentor, erzählte ihm von den Konzentrationslagern und nahm ihn als Kurier in die Gruppe seiner Fluchthelfer auf. 1945 wurde Hardy Krüger als Panzergrenadier in der Division „Nibelungen“ nach Tirol an die Front geschickt und „wegen Nichtausübung einer befohlenen Kampfhandlung“ fast zum Tode verurteilt. Es gelang ihm jedoch die Flucht in die Berge und die Rückkehr nach Berlin. Sein Vater wurde als NSDAP-Mitglied (und wegen seiner Tätigkeit als Lokomotiv-Konstrukteur) gegen Kriegsende in einem sowjetischen Lager interniert, wo er kurze Zeit später verstarb. Nach dem Krieg brachte Hardy Krüger seine Mutter aus der sowjetischen Zone zu Verwandten in der amerikanischen Zone.

Krüger spielte auch in Attenboroughs dritter Regiearbeit „Die Brücke von Arnheim“ (1977) mit.
Krüger spielte auch in Attenboroughs dritter Regiearbeit „Die Brücke von Arnheim“ (1977) mit. Bild: dpa

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging Hardy Krüger nach Hamburg, um Schauspieler zu werden, und begann als Statist am Deutschen Schauspielhaus. Seinen Unterhalt verdiente er sich auch als Sprecher beim Nordwestdeutschen Rundfunk. 1947 erhielt er ein Engagement an der Niedersächsischen Landesbühne in Hannover, kehrte aber 1948 nach Hamburg zurück an die „Junge Bühne“. Er feierte hier Triumphe in „Mordprozess Mary Dugan“, „Ich bin 17“, „Glasmenagerie“ und „Sie trafen sich wieder“. Ein Engagement an den Münchner Kammerspielen folgte 1951. Zwölf Jahre stand Krüger insgesamt auf der Bühne, ehe er sich endgültig für den Film entschied. Erfolg war ihm noch 1985 mit einem seiner wenigen Ausflüge zurück ans Theater, dem Zweipersonenstück „Wiedersehen im Herbst“, als alternder Tom Sawyer an der Seite von Mario Adorf beschieden und desgleichen 2005 in dem eigenen Stück „Zarte Blume Hoffnung“ an der Seite von Judy Winter am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg.

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Nach ersten Filmengagements 1949/1950 konnte sich Hardy Krüger im deutschen Unterhaltungsfilm rasch durchsetzen. Die Rolle des ewigen Sonnyboys garantierte ihm Beifall, der Durchbruch zu internationalem Ruhm aber gelang ihm erst mit der Hauptrolle in dem englischen Kriegsfilm „The One That Got Away“ (1956; dt. Einer kam durch). Er war der erste deutsche Schauspieler, der es nach dem Krieg zu internationaler Anerkennung brachte. In rund 75 Filmen spielte er Hauptrollen, wie in Howard Hawks Afrika-Streifen „Hatari“ (1961) und Serge Bourginons „Les Dimanches de Ville-d'Avray“ (dt. Sonntage mit Sybill), der 1962 mit dem Oscar als bester ausländischer Film ausgezeichnet wurde, oder in dem Klassiker „Flight of the Phoenix“ (1965; dt. Der Flug des Phoenix) als pedantischer deutscher Tüftler, dem es gelingt, das bei einer Notlandung in der Wüste zerstörte Flugzeug wieder zusammenzubasteln.

Widerstandskämpfer und Western-Held

Der Film „Le Franciscain de Bourges“ (1962), in dem K. den Franziskaner Alfred Stahnke aus Bayern darstellte, der die von der Gestapo gefolterten Widerstandskämpfer pflegte, hatte in Frankreich ein großen Erfolg, wurde in Deutschland jedoch ignoriert und erst 2004 auf der Berlinale gezeigt. Mit „Potato-Fritz“, einem nicht sehr erfolgreichen Western, drehte Krüger nach längerer Pause auch wieder einen deutschen Kinofilm.

Deutscher Weltstar als „Potato Fritz” im Jahr 1975
Deutscher Weltstar als „Potato Fritz” im Jahr 1975 Bild: dpa

Durch sein zunehmendes Engagement als Schriftsteller nahm Hardy Krüger gegen Ende der 1970er Jahre nur noch selten internationale Filmangebote an, so noch in dem Kriegsfilm „A Bridge Too Far“ (1977; dt. Die Brücke von Arnheim), an der Seite von Sir Roger Moore und Richard Burton in „The Wild Geese“ (1978; dt. Die Wildgänse kommen) oder in Richard Brooks „Wrong is Right“ (1981; dt. Flammen am Horizont).

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Nach zwei Jahrzehnten Pause war Hardy Krüger 2003 noch einmal in einem Kinofilm zu sehen. In dem dokumentarischen Porträt „Von Werra“ spielte er den Jagdflieger Franz von Werra, der im Dritten Reich als Ritterkreuzträger sehr bekannt war und dessen Geschichte 1956 in Großbritannien mit Krüger in der Hauptrolle verfilmt worden war.

Die Fernsehzuschauer erlebten Hardy Krüger in der von ihm selbst produzierten Serie „Hardys Bordbuch“ (1963-1968). In dem amerikanischen Mehrteiler „Der Feuersturm“ (1987) stand er als Feldmarschall Rommel vor der Kamera. 1986 schrieb er für die NDR-Reihe „Geschichten aus der Heimat“ das Drehbuch „Sonnenschauer“ und spielte in dieser Folge auch die Hauptrolle. Als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller der NDR-Serie „Weltenbummler“ präsentierte er von Oktober 1987 bis Ende 1995 in einem sehr persönlich gehaltenen „Reisetagebuch“ spektakuläre Gegenden und ihre Menschen. Nach vielen Jahren Pause erschien Krüger 2011 in dem TV-Drama „Familiengeheimnisse“ wieder auf dem Bildschirm.

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Eine Farm in Tansania

Bereits als Zwölfjähriger hatte Hardy Krüger mit dem Schreiben begonnen. In der Nachkriegszeit wurde er von dem Hamburger Buchhändler Felix Jud zum Schreiben ermutigt und fand zu seiner zweiten Karriere als Schriftsteller, auch durch das Land Tansania und seine Farm Momella Lodge. Die Lodge hatte er 1960 gekauft und ihr ein Hotel sowie eine eigene Fleischfabrik angegliedert. Das Unternehmen geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1973 von der Staatsbank von Tansania übernommen.

Der Mensch war ihm immer ein Anliegen. Hardy Krüger 1987 auf einer Berliner Infoaktion zur Aidshilfe.
Der Mensch war ihm immer ein Anliegen. Hardy Krüger 1987 auf einer Berliner Infoaktion zur Aidshilfe. Bild: dpa

Überdies war Krüger klar geworden, dass die Vorfahren der Farmbesitzer nicht rechtmäßige Besitzer gewesen waren. 1970 veröffentlichte er mit „Eine Farm in Afrika“ sein erstes Buch. Es folgten weitere Romane, Kinderbücher und eine dreibändige Ausgabe zur Fernsehserie „Weltenbummler“, die er zusammen mit den Fotografien seiner Frau Anita herausbrachte. Unter dem Titel „Wanderjahre. Begegnungen eines jungen Schauspielers" erschienen 1998 Krügers Memoiren über seine Kindheit und Jugendzeit unter dem Nationalsozialismus und besondere Erlebnisse mit berühmten Schauspielerkollegen und Politikern, aus denen auch Freundschaften, wie etwa mit Helmut Schmidt, entstanden waren. Von Hardy Krügers weiteren Veröffentlichungen wurde vor allem der Briefroman „Zarte Blume Hoffnung“ (2005) durch seine Umsetzung in ein Theaterstück, in dem 2005 Krüger die Hauptrolle spielte, von der Kritik beachtet.

Hardy Krüger engagierte sich auch persönlich politisch. Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag startete er eine Initiative gegen rechte Gewalt. Bei ihm waren es die Schauspieler Hans Söhnker und Albert Florath, die seine Ansichten radikal veränderten. „In einem halben Jahr haben sie es geschafft, aus dem Adolf-Hitler-Schüler einen Anti-Nazi zu machen“, sagte Krüger seinerzeit bei der Vorstellung des Projekts in Hamburg. Auch in seinem letzten Buch, „Was das Leben sich erlaubt - Mein Deutschland und ich“, nahm er sich des Themas an und erzählte von seinem Aufwachsen in NS-Deutschland.

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„Unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn“

Seine damaligen Ko-Autoren sowie Agenten, Olaf Köhne und Peter Käfferlein, schrieben in der Mitteilung zum Tod Krügers am Donnerstag: „Der Schauspieler, Schriftsteller und Weltenbummler engagierte sich zeitlebens gegen das Vergessen der Naziverbrechen. Der Kampf gegen Rassismus und die Aufklärung der Jugend waren sein persönliches Lebenswerk. Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen.“

Berlin bezeichnete Hardy Krüger, der zuletzt in Kalifornien lebte, als seine wirkliche Heimat. Seit 1978 war er in dritter Ehe mit der Amerikanerin Anita Park verheiratet. Aus seiner zweiten Ehe mit der italienischen Malerin Francesca Marazzi (1964-1977) stammen die Tochter Malaika und der Sohn Hardy jr., der wie Hardy Krügers Tochter Christiane aus erster Ehe mit Renate Densow (1950-64) die Schauspiellaufbahn eingeschlagen hat.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat die „künstlerische Kraft“ des Schauspielers gewürdigt. Krüger habe über Jahrzehnte hinweg Millionen Menschen als Schauspieler, Schriftsteller und Weltreisender in seinen Bann gezogen, sagte die Grünen-Politikerin. „Auch als Grenzgänger und überzeugter Demokrat bleibt sein bewundernswertes Engagement gegen Rechtsextremismus unvergessen.“

Quelle: miha. mit dpa/Munzinger
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