FAZ plus ArtikelKardinal verklagt Magazin

Er würde gerne Papst werden

Von Matthias Rüb, Rom
Aktualisiert am 22.11.2020
 - 16:11
Kardinal Becciu bei einer Pressekonferenz in Rom, Ende September.
Der sardische Kardinal Giovanni Angelo Becciu hegt Ambitionen auf den Heiligen Stuhl. Doch nun hat ihn der amtierende Papst Franziskus wegen angeblich krummer Geschäfte entmachtet, über die „L’Espresso“ berichtet hatte. Der Kardinal wittert ein Komplott und – klagt.

Der von Papst Franziskus entmachtete sardische Kardinal Giovanni Angelo Becciu hat die italienische Wochenzeitung „L'Espresso“ auf Schadensersatz von zehn Millionen Euro verklagt. Wie italienische Medien unter Berufung auf Gerichtsakten berichten, wirft der 72 Jahre alte Bischof dem Blatt vor, mit der Veröffentlichung „durchweg unbegründeter“ Vorwürfe sein „Ansehen als Mensch und als Priester bewusst zerstört“ zu haben. Becciu wolle das Geld im Falle eines Schuldspruchs gegen die Zeitschrift für karitative und soziale Zwecke spenden, teilte sein Anwalt Natale Callipari mit.

Die Wochenzeitung hatte in ihrer Ausgabe vom 24. September geschrieben, Becciu sei für Fehlinvestitionen des Vatikans in Millionenhöhe in eine Luxusimmobilie im Londoner Stadtteil Chelsea verantwortlich, habe Unternehmen seiner Brüder mit Aufträgen aus dem Vatikan begünstigt und einer dubiosen Sicherheitsberaterin hohe Honorare zukommen lassen. Ebenfalls am 24. September setzte Papst Franziskus, bei einer kurzen Begegnung in offenbar aufgeheizter Stimmung, Becciu als Präfekten der Heiligsprechungskongregation ab und entzog ihm alle Rechte eines Kardinals, nicht jedoch den formalen Titel. Damit kann Becciu nicht am Konklave zur Wahl eines neuen Papstes teilnehmen.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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