Lauschaktion

BND soll weitere Journalisten überwacht haben

24.04.2008
, 08:39
Lange Jahre beim ZDF: Ulrich Tilgner
Neben der „Spiegel“-Redakteurin Susanne Koelbl hat der Bundesnachrichtendienst möglicherweise noch weitere Journalisten ausgespäht. Dies will der frühere ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner von einem Diplomaten erfahren haben.
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Die Affäre um die Bespitzelung von Journalisten könnte sich einem Zeitungsbericht zufolge ausweiten. Wie die „Berliner Zeitung“ schreibt, wurden möglicherweise noch im vergangenen Jahr deutsche Afghanistan-Korrespondenten ausgespäht. Der frühere ZDF-Korrespondent Ulrich Tilgner wurde mit den Worten zitiert, ein hoher deutscher Diplomat habe ihm im vergangenen Jahr in Kabul erklärt: „Sie müssen verstehen, dass Sie abgehört werden.“

Grund für die Lauschaktion seien telefonische Kontakte gewesen, die er damals mit dem in Afghanistan entführten deutschen Ingenieur Rudolf B. gehabt habe, sagte Tilgner. „Für mich war in diesem Moment klar, dass die Gesetze, die in Deutschland gelten, von deutschen Beamten im Ausland offenbar außer Kraft gesetzt werden.“ Er habe in der Angelegenheit aber nicht beim Bundesnachrichtendienst (BND) um Aufklärung gebeten.

In der Affäre um die Bespitzelung einer „Spiegel“-Journalistin durch den BND kommt das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages am Donnerstag zu einer zweiten Sitzung zusammen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob und wann BND-Präsident Ernst Uhrlau von dem Fall wusste. Zur ersten PKG-Sitzung forderten Mitglieder des Gremiums am Mittwoch personelle Konsequenzen. Ursprünglich war nach Angaben von Teilnehmern geplant, die nächste Sitzung erst in zwei Wochen abzuhalten. Der Aufklärungsdruck scheint aber so groß zu sein, dass ein weitaus früherer Termin angesetzt wurde. (Siehe auch: Spitzel-Affäre: BND-Chef Uhrlau in Bedrängnis)

Laut „Spiegel“ überwachte der BND von Juni bis November 2006 die E-Mail-Korrespondenz der Auslandsreporterin Susanne Koelbl mit einem afghanischen Politiker (siehe: BND hört mit: Geheime Leser). BND-Präsident Uhrlau unterrichtete Koelbl am vergangenen Freitag über die Aktion und bat um Entschuldigung. Die 42 Jahre alte Journalistin berichtet seit Jahren aus den Krisen- und Kriegsgebieten am Hindukusch.

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Quelle: AP
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