Neue Twitter-Richtlinie

Staatsnahe Medien bekommen Kennzeichnung

Aktualisiert am 07.08.2020
 - 16:35
Den Nutzern zu Orientierung: Neue Twitter-Kennzeichnung bei RT
Accounts von Regierungsmitgliedern und Medien, die in Verbindung zu Staatsorganen stehen, will Twitter von nun an kennzeichnen. Es gehe um Kontext und Transparenz.

Twitter versieht eine Reihe von Nutzerkonten mit Verbindung zu Regierungen künftig mit Symbolen. Die Nutzer sollen auf diese Weise eine bessere Orientierung erhalten. Kleine Flaggen zeigen ab sofort an, wenn es sich um den Account von Mitgliedern von Regierungen oder Spitzendiplomaten handele – oder Organe, bei denen ein Staat Kontrolle über Inhalte durch „finanzielle Mittel, direkten oder indirekten politischen Druck oder eine Kontrolle von Produktion und Verbreitung“ ausübt. Das teilte der Kurzmitteilungsdienst am Donnerstag mit. Facebook handhabt die Kennzeichnung bereits so.

Betroffen seien auch staatsnahe Medien sowie deren Herausgeber und hochrangige Journalisten. Solche Medienkonten würden ab sofort auch nicht mehr anderen Nutzern für Abonnements empfohlen. Die chinesische Staatsagentur Xinhua trägt seit Donnerstag das Label „Staatsnahe Medien in China“, das russische Medium RT bekam den Hinweis „Staatsnahe Medien in Russland“.

Laut Twitter sollen die Maßnahmen der besseren Einordnung von Informationen im öffentlichen Diskurs dienen. „Ein wichtiger Teil dieser Arbeit besteht darin, den Menschen einen Kontext zu bieten, damit sie fundierte Entscheidungen darüber treffen können, was sie sehen und wie sie sich auf Twitter engagieren.“ Die Nutzer hätten das Recht zu wissen, ob ein Konto bei Twitter direkt oder indirekt in Verbindung zu einem staatlichen Akteur stehe.

Nicht gesondert gekennzeichnet werden sollen Medien, die zwar staatliche Mittel erhalten, in ihrer Berichterstattung aber unabhängig sind. Als Beispiele nannte Twitter die britische Rundfunkanstalt BBC und die teilweise öffentlich finanzierte amerikanische Radioanstalt National Public Radio.

Staaten wie Russland wird regelmäßig vorgeworfen, sich im Ausland in Wahlen und politische Debatten einzumischen, unter anderem über von ihnen kontrollierte, vermeintlich objektiv berichtende Medien. In Amerika wächst vor der Präsidentschaftswahl im November die Sorge vor Manipulationsversuchen aus dem Ausland.

Quelle: dpa
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