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Neue Videospiele auf Gamescom

Rockstars und Kinderrätsel in der Post-Apokalypse

Von Matthias Hannemann
Aktualisiert am 23.08.2019
 - 19:21
Mit Händchen fürs Grobe: Rockstar Johnny Silverhand, dem der Schauspieler Keanu Reeves in „Cyberpunk 2077“ das Gesicht leiht, kann auch rauhe Töne anschlagen.
Mehr als nur ein Hype? Die Videospielmesse Gamescom in Köln schürt die Neugier auf Spiele-Highlights des kommenden Jahres, wirft aber auch die Frage auf, ob die Spiele halten, was Hersteller bildgewaltig versprechen.

Das Schönste auf einem Rummelplatz wie der „Gamescom“ in Köln, der größten Computerspielmesse der Welt, ist die Wirklichkeitsverpuffung, die sich ereignet, sobald man nur endlich einen der Rechner erreicht hat, auf dem neue Videospiele ausprobiert werden dürfen, oder eines der Kinos, in denen der Blick auf kommende Highlights gelenkt wird. Zwei Sekunden, und der monströse Lärm in den Hallen ist vollkommen egal.

Besonders spaßig geht es im Fachbesucherbereich der Messe zu, wo die Entwickler des für den kommenden Sommer erwarteten Spiels „Man-Eater“ zeigen, wie es sich als Hai lebt, der einen Streifen der amerikanischen Küste ungeniert mit blutigen Attacken überziehen darf und umso stärker gejagt wird, je mehr Fischer und Strandgäste er verfrühstückt hat. Besonders viel Trubel herrscht an den Ständen des Herstellers Electronic Arts, an dem sich die jüngsten Ausgaben des Racing-Klassikers „Need for Speed“ und des Fußballspiels „Fifa“ – hier mit einem Streetfootball-Modus, der gemischte Teams aus Männern und Frauen ermöglicht – anspielen lassen.

Für uns interessanter sind vier Titel, in denen die Geschichte im Mittelpunkt steht: Ubisoft gestattet einen Blick auf den dritten Teil der Hacker-Saga „Watch Dogs“ und spricht von einer „Fantasy that speaks to our contemporary world“. „Watch Dogs: Legion“ wird im März erscheinen und spielt, nachdem der sehr clevere zweite Teil vom Kampf gegen die Datenkraken im Silicon Valley handelte, in einem düsteren London, dessen Bevölkerung von den Schergen eines Polizeistaats mit allen technischen Mitteln überwacht und unterdrückt wird.

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Videospieltrailer
„Watchdogs: Legion“

In diesem London, in dem man wie gewohnt frei umherlaufen kann, ist durchaus noch Raum für Protest: Am Trafalgar Square etwa sind Demonstranten zu sehen, die „Remember Democracy“ auf ihre Plakate geschrieben haben. Ob das Regime überwältigt werden kann, hängt aber nicht zuletzt davon ab, in welcher Breite das Hacker-Kollektiv „Dedsec“, das sich diesen Kampf auf die Fahne geschrieben hat, den Widerstand organisieren kann. Der spannende Punkt ist, dass sich in „Watch Dogs: Legion“ jede Figur, die herumläuft – wirklich jede – spielen und in die Story hineinziehen lässt.

In dem Kapitel, das Ubisoft auf der „Gamescom“ präsentierte, fanden wir uns zunächst als alte Frau wieder, die zu den Hackern von Dedsec gehört und ganz offensichtlich nicht zimperlich ist. Über sie galt es ein neues Mitglied für den Widerstand zu rekrutieren. Wir liefen in Westminster gleich in das erstbeste Pub, wählten rein zufällig die Kellnerin aus – und schon hat die Konsole uns nicht nur mit biographischen Rahmendaten und Online-Suchgeschichten der jungen Dame namens Valentina Hofer versorgt, sie hat Hofer auch bereits in die nächsten animierten Zwischensequenzen integriert. Das Kapitel endete damit, dass wir bei „New Scotland Yard“ eindringen, um erpresserisches Material über Hofer, das dort gespeichert war, von einem Server zu löschen. Inwiefern sich diese Freiheit, über die Protagonisten selbst zu entscheiden, mit der Story und der Charaktertiefe der einzelnen Figuren verträgt, wird man bei der Veröffentlichung des Spieles sehen. Doch die Atmosphäre stimmt schon mal.

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„Death Stranding“

Das polnische Studio CD Project Red, berühmt durch die Rollenspielserie „The Witcher“, die auf Romanen von Andrzej Sapkowski basieren, versprach unterdessen Neues vom heiß ersehnten, weil mit allerhand Marketingmaschinerie ausgestatteten „Cyberpunk 2077“, das im Frühjahr erscheinen soll. Es wird unter anderem von Pen-and-Paper-Autor Mike Pondsmith beraten, und spätestens seit der Nachricht, dass „Matrix“-Star und Netz-Liebling Keanu Reeves in der Rolle des Rockstars Johnny Silverhand zu sehen sein wird, können Genrefans vor lauter Vorfreude kaum schlafen.

Die fünfundvierzig Minuten frisches Gameplay, die in Köln von einem Entwickler am Controller gezeigt wurden, führten in eine großartig kaputte Mall eines unvollendeten, längst von allerlei Kriminellen bewohnten Küstenviertels von Night City. Am Ende der actionreichen Sequenz traf Storyheld V, der je nach Gusto des Spielers Mann oder Frau sein kann, in misslicher Lage auf Silverhand – um sich wenig später, nun in einem Eisbad liegend, in eine Art Matrix zu wagen.

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„Cyberpunk 2077“

Ebenfalls große Erwartungen lasten auf dem japanischen Entwickler Hideo Kojima („Metal Gear Solid“), der für sein Endzeit-Abenteuer „Death Stranding“, das Ende des Jahres erscheinen soll, gleich eine ganze Reihe von Hollywood-Schauspielern wie Mads Mikkelsen und Guillermo del Toro gewinnen konnte und damit noch einmal den enormen Bedeutungszuwachs der Branche unterstreicht. In der Hauptrolle, als Paketbote Sam, wird Walking-Dead-Star Norman Reedus zu sehen sein.

Trailer zu „Death Stranding“ gab es auch schon vor Köln. Nur wird man auch nach den neuesten Bildern noch nicht recht schlau, was die zu erwartende Story betrifft. Alles sehr bedeutungsschwanger und nichtssagend. Wir sehen: Sam, der auf seinem Bauch eine Art Tank mit Baby herumschleppt und es nach einem Schreianfall zu beruhigen versucht; Sam beim Pinkeln in postapokalyptischer Landschaft; Sam im Gespräch mit einem Prepper, der sich den „United Cities auf Amerika“ nach Sams Besuch anzuschließen gedenkt, und schließlich Sam im Weißen Haus, wo ihn die blonde Präsidentin Amelie (Lindsay Wagner) in Form eines Hologramms um die Retttung der Nation bittet. Kojima weiß zumindest, wie man einen Hype anfacht, der jedoch erst noch halten muss, was er verspricht.

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„Erica“

Ganz anders „Erica“, ein Videospiel des winzigen Londoner Studios Flavourworks, um das wir beinahe einen Bogen gemacht hätten, weil es kein Spiel ist, sondern ein interaktiver Film. Das gibt es schon lange, und unser Bedürfnis nach modernen Varianten war nach dem Netflix-Experiment „Black Mirror: Bandersnatch“ im vergangenen Dezember gedeckt. Unerwarteterweise aber hat das Ergebnis viel Charme.

Der Gruselfilm „Erica“ erzählt die Geschichte einer mädchenhaften Frau (Holly Earl), die als Kind die Ermordung des Vaters erlebte und nun mit einer Gemeinschaft in Kontakt kommt, deren Mitgliedern beizeiten reichlich Blut aus dem Nasenloch schießt. Der Clou: Über eine Handy-App kann der Zuschauer Einfluss auf den Gang der Handlung nehmen, bis nach neunzig Minuten eines von fünf möglichen Enden erreicht ist. Gleichzeitig muss er mit dem Finger auf dem Display scheinbar banale Bewegungen Ericas ausführen: das Entzünden eines Feuerzeuges oder das Durchblättern eines Notizblocks. Doch der Effekt dieses kleinen Tricks ist enorm: Man fühlt mit, fragt sich nach dem rätselhaften ersten Durchgang, was man an Puzzleteilen verpasst hat, erinnert sich daran, dass es laut Entwickler insgesamt dreieinhalb Stunden Film oder mehr geben soll, beginnt noch einmal von vorn. „Erica“ ist die Überraschung einer ansonsten fast nur die Ungeduld auf bislang Unfertiges schürenden Gamescom.

Quelle: F.A.Z.
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