Privatdetektiv Julian H.

Ist für das „Ibiza-Video“ von niemandem Geld geflossen?

Von Stephan Löwenstein
27.01.2021
, 20:10
Der Privatdetektiv Julian H. hat das heimlich aufgenommene „Ibiza-Video“ aufgenommen, das den FPÖ-Politiker Strache und Österreichs Regierung zu Fall brachte. Jetzt verrät Julian H. ein paar Einzelheiten.

Wie kam es zu dem berühmt-berüchtigten „Ibiza-Video“, das vor bald zwei Jahren die österreichische Politik umgerührt hat? Der als Privatdetektiv bezeichnete Julian H. hatte den damaligen FPÖ-Parteivorsitzenden Heinz-Christian Strache verleitet, sich mit einer falschen russischen „Oligarchin“ in einer voll verwanzten Finca auf Ibiza zu treffen, wobei sich Strache um seine Karriere redete. Jetzt hat H., der seit Dezember in Berlin in U-Haft sitzt und sich gegen eine Auslieferung nach Österreich wehrt, dem „Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview gegeben, in dem er seine Sicht darlegt. Es sei ihm, beteuert er, nicht darum gegangen, Geld zu verdienen, sondern darum, Strache „Korruption und Untreue nachzuweisen“. Man habe durch das Video Interesse für belastendes „Material“ eines früheren Leibwächters Straches wecken wollen, für das sich die österreichische Polizei nicht interessiert habe. Die Vorwürfe, wegen derer die Wiener Staatsanwaltschaft seine Auslieferung verlangt, beruhten auf erlogenen Falschbehauptungen vorbestrafter Polizeiinformanten.

Die Höhe der Geldforderungen, gegen die das Video einem Bauunternehmer sowie Mittelsleuten der SPÖ und der ÖVP (vergeblich) angeboten worden war, hat nach H.s Angaben der Wiener Rechtsanwalt Ramin M. bestimmt, der andere Drahtzieher des Ibiza-Videos. „Der Anwalt ging immer davon aus, dass sich alle um das Video reißen würden wie um warme Semmeln. Er wollte 2,5 Millionen Euro Minimum erzielen, damit er damit die Quelle, den Leibwächter, absichern und unsere Kosten decken konnte.“ H. gibt an, er selbst habe entschieden, das Video dem „Spiegel“ und der „Süddeutschen“ zuzuspielen. „Es ist richtig, dass sie kein Geld bezahlt haben.“

Das lässt offen, ob jemand anderes dafür gezahlt hat; es gab dazu auch keine Nachfrage. Dass der Moderator Jan Böhmermann Wochen vor der Veröffentlichung des Videos darüber Andeutungen machte, erklärt H. so: Er habe Böhmermann über Umwege über das Video in Kenntnis gesetzt und ihn dann in Köln getroffen. „Er hat gemeint, damit will er nichts zu tun haben. Ein paar Tage später wachte ich auf – zur Berichterstattung über die seltsamen Andeutungen von Böhmermann. Ich bin explodiert. Ich war überzeugt, dass eine Veröffentlichung nun zwingend ist, auch zu meinem Schutz.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Löwenstein, Stephan
Stephan Löwenstein
Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.
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