Semfira Sulejmanowa

Pro-Putin-Influencerin kommt im Donbass ums Leben

Von Anna Vollmer
18.08.2022
, 17:25
Semfira Sulejmanowa
Die junge Influencerin Semfira Sulejmanowa machte auf TikTok Werbung für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nun fuhr sie an die Front und kam offenbar durch eine Mine ums Leben.
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Auf den Fotos und Videos, die man von Semfira Sulejmanowa im Internet findet, sieht man eine fröhliche junge Frau mit dunklen Haaren, die kess in die Kamera lächelt. Ganz so, wie viele andere junge Frauen in den sozialen Medien das auch tun. Nur dass Sulejmanowa nicht einfach nur gefallen und unterhalten will, sondern politische Werbung macht. Werbung für die nationalbolschewistische Partei „Anderes Russland“ (Drugaja Rossija), die von dem 2020 verstorbenen russischen Schriftsteller und Politpartisanen Eduard Limonow gegründet wurde. Werbung macht Sulejmanowa auch für den russischen Krieg in der Ukraine, den die Partei seit der Annexion der Krim und der Besetzung des Donbass im Jahr 2014 unterstützt. In diesem Monat war die 25 Jahre alte Sulejmanowa dann auch selbst in den Donbass aufgebrochen, um als parteiische Kriegsreporterin von dort zu berichten. Nun wurde sie offenbar getötet, als das Fahrzeug, in dem sie saß, von einer Panzerabwehrmine in die Luft gesprengt wurde.

Für wen Sulejmanowa arbeiten wollte, ist nicht ganz klar. Nachdem zuerst eine Meldung kursierte, die junge Frau sei eine Reporterin des Nachrichtensenders Russia Today, wurde das vom Sender selbst sofort dementiert. Auf einem Selfie, das nun in diversen Artikeln zu Sulejmanowas Tod zu finden ist, trägt sie ein schwarzes Viereck auf der Brust, auf dem „WarGonzo“ zu lesen ist. „WarGonzo“ ist das Projekt des russischen Journalisten Semjon Pegow, der auf unterschiedlichen Kanälen Kriegspropaganda betreibt und Falschnachrichten verbreitet. Einem Bericht des ZDF zufolge war Pegow schon bei der Annexion der Krim und in Syrien als prorussischer Berichterstatter unterwegs, damals noch für das Putin-nahe Onlinemedium „life.ru“.

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„WarGonzo“ hat eine Million Abonnenten

Der Ukrainekrieg scheint dem 36 Jahre alten Mann genützt zu haben. Die Zahl der Abonnenten des Telegram-Kanals von „WarGonzo“, die laut ZDF im Januar noch bei rund 180 000 lag, ist inzwischen auf über eine Million angestiegen. In seiner Kanalbeschreibung verspricht „WarGonzo“ einen „subjektiven Blick auf den Krieg und auf Waffen“.

Möglicherweise sollte auch Semfira Sulejmanowa dazu beitragen und mit launigen Videos ihre Altersgenossen auf den Krieg einstimmen. In einem Nachruf auf die junge Frau, der auf „WarGonzo“ geteilt und offenbar von ihrer Partei „Anderes Russland“ verfasst wurde, ist dann auch zu lesen: „Man sollte meinen, dass diese kurzen Videos auf Tiktok ein für die Nationalbolschewisten unpassendes Format sind, aber das junge, schöne Mädchen hat sie so witzig und attraktiv gemacht, dass sie ganz oft angeschaut worden sind.“

Eines dieser Videos beginnt mit Sulejmanowa, die in einem weißen Kleid in die Kamera lächelt, auf dem Kopf trägt sie Katzenohren. Dann kommt der Tiktok-typische Schnitt, Sulejmanowa ist nun schwarz gekleidet mit Käppi, Radler und weitem T-Shirt. In der Hand hält sie Sticker ihrer Partei, „gegen den Polizeistaat“ ist darauf zu lesen. Sie klebt sie an Hauswände, Türen, Laternenpfähle. Was, mit Hip-Hop untermalt, cool und harmlos daherkommt, ist genau das Gegenteil. Denn angesichts der Tatsache, dass Kriegsgegner in Russland von der Polizei verprügelt und ins Gefängnis gesteckt werden, ist dieser Aufruf einer Kriegsbefürworterin grotesk und zynisch. Wie im Übrigen auch der Nachruf, mit dem ihre Partei Sulejmanowa gedenkt. Man will junge Leute ködern, doch man nimmt billigend in Kauf, dass sie ums Leben kommen. Der Text auf „WarGonzo“ endet mit den Worten „Ja zum Tod.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Vollmer, Anna
Anna Vollmer
Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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