Erschossene Reporterin Akleh

Untersuchung deutet auf israelische Kugel hin

Von Christian Meier, Tel Aviv
04.07.2022
, 17:25
Die Journalistin Shireen Abu Akleh war Mitte Mai während einer israelischen Militäroperation getötet worden.
Eine von den Amerikanern geleitete Untersuchung des Todes der Reporterin Shireen Abu Akleh deutet darauf hin, dass sie von einer israelischen Kugel getroffen wurde. Aber wohl nicht mit Absicht.
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Eine unter amerikanischer Aufsicht durchgeführte Untersuchung zum Tod von Shireen Abu Akleh hat keine klare Antwort auf die Frage erbracht, von wem der tödliche Schuss auf die Journalistin abgefeuert wurde. Allerdings kam der amerikanische Sicherheitskoordinator (USSC), der die Ermittlung leitete, auf der Basis palästinensischer und israelischer Untersuchungen zu dem Schluss, dass vermutlich Beschuss durch die israelische Armee für den Tod Abu Aklehs verantwortlich war. Dies deckt sich mit den Ergebnissen bisheriger Begutachtungen zum Tod der Al-Jazeera-Korrespondentin am 11. Mai im Flüchtlingslager der palästinensischen Stadt Dschenin.

In einer am Montag veröffentlichten Erklärung des amerikanischen Außenministeriums heißt es, die „extrem detaillierte forensische Analyse“ durch unabhängige Gutachter habe keine „definitive Schlussfolgerung“ erbracht, weil die Kugel zu schwer beschädigt sei. Der qatarische Sender Al Jazeera hatte Mitte Juni Bilder des Geschosses veröffentlicht, das am Samstagabend von der Palästinensischen Autonomiebehörde an den USSC übergeben worden war. Darauf ist zu sehen, dass es verbogen war. Nach Angaben von Al Jazeera sei dies geschehen, als die Kugel von der Innenseite des Helms abprallte, den Abu Akleh getragen hatte, als sie erschossen wurde.

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Palästinenser unterstellen absichtliche Tötung

Die Palästinenser hatten der israelischen Armee, die am 11. Mai eine Militäroperation in Dschenin durchführte, vorgeworfen, Abu Akleh gezielt getötet zu haben. In der amerikanischen Stellungnahme heißt es, der Sicherheitskoordinator habe „keine Gründe gefunden, anzunehmen, dass dies absichtlich war“. Eher habe es sich um das Ergebnis „tragischer Umstände“ während des israelischen Militäreinsatzes gehandelt, der infolge terroristischer Anschläge in Israel stattfand.

Der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz sagte, die Schuld am Tod Abu Aklehs trügen palästinensische „Terroristen“, die die israelischen Soldaten beschossen hätten. Die Armee werde den Tod der Reporterin weiter untersuchen und fühle sich verpflichtet, die „Wahrheit aufzudecken“. Die Armee schrieb unterdessen in einer eigenen Stellungnahme, dass die Untersuchung in einem Labor in Israel und durch israelische Experten stattgefunden habe.

Die Familie Abu Aklehs kritisierte die amerikanische Erklärung. In einer auf Twitter veröffentlichten Stellungnahme heißt es, die Angehörigen seien mehr als enttäuscht. Alle verfügbaren Informationen deuteten darauf hin, dass eine amerikanische Staatsbürgerin von einer ausländischen Regierung außergerichtlich getötet worden sei. Angesichts dessen erwarte man, dass die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden eine Morduntersuchung einleiten, wie in anderen solchen Fällen auch.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Meier, Christian
Christian Meier
Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.
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