Schuldirektor versus Trump

Der Hammer und der Tanz

Von Ursula Scheer
Aktualisiert am 05.08.2020
 - 14:29
Quentin Lee im Kampfmodus
Ein Schuldirektor aus Alabama demonstriert auf Youtube mit einem Song, was man gegen das Corona-Virus tun kann. Er wird zum Hit. Unterdessen erregt ein Video von Donald Trump auf ganz andere Weise Aufmerksamkeit.

Erst der Hammer, dann der Tanz: Was Tomas Pueyo, ein ehemaliger Berater aus dem Silicon Valley, zu Beginn der Pandemie in einem vielbeachteten Aufsatz als adäquate Form des Umgangs mit dem Virus empfohlen hat, ist zum geflügelten Wort und irgendwie zur Wirklichkeit geworden.

Aber niemand nimmt die Hammer-Tanz-Analogie wohl so erfrischend wörtlich wie ein Schulleiter aus Alabama. Dabei ist unklar, ob Dr. Quentin Lee überhaupt von Pueyo gehört hat. Sicher aber ist, dass der Direktor der Childersburg High School in den Neunzigern Musik gehört hat und Spaß dabei gehabt haben muss.

Deshalb kann er jetzt den alten MC-Hammer-Hit „U Can’t Touch This“ ausgraben, um seinen Schülern vorzutanzen, was nach dem Homeschooling die angesagten Moves in der Lehranstalt sind – und darüber hinaus. Mit Desinfektionsspray, Fiebermessgerät sowie Mund-Nasen-Schutz ausstaffiert und von jugendlichen Mitstreitern flankiert, rappt sich der Direktor durch Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung.

Einfach alles antatschen ohne Händewaschen? Dr. Lee ist schon zur Stelle und mahnt: „U Can’t Touch This!“ Maske bloß über den Mund gezogen? Na, na, schön auch die Nase bedecken! Niesen bitte in die Armbeuge und – hier folgen Trippelschritte und eine Running-Man-Einlage wie im Original – Abstand halten! Das ist so instruktiv wie unterhaltsam und sammelt auf Youtube millionenweise Klicks.

Hätte der Mann im Weißen Haus etwas für seine Umfragewerte und das Wohl seiner Nation tun wollen, hätte er wohl besser ein so sinnvolles Quatschvideo gedreht (wir könnten ihn uns beispielsweise hervorragend in einem Remake des kubanischen Songs aus „Die Maske“ vorstellen).

Stattdessen richtet Donald Trump, Covid kleinschwadronierend, ein Desaster an, zu dem er sich in einem aktuellen Interview mit dem Reporter Jonathan Swan von der Nachrichtenplattform Axios, hektisch in seinen Unterlagen kramend, mit purer Wirrnis äußert. Oder er schickt zur Ablenkung Bundespolizisten nach Portland und fingert, die Niederlage vor Augen, hilflos am Wahlrecht herum. Auch da empfiehlt sich die klare Ansage: „U Can’t Touch This“. Und die Hoffnung auf den großen Hammer im November.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Scheer, Ursula
Ursula Scheer
Redakteurin im Feuilleton.
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